Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Am Arbeitsplatz: Langhans auf dem Waldfriedhof Köppern.
+
Am Arbeitsplatz: Langhans auf dem Waldfriedhof Köppern.

Bestattung

Mit oder ohne Vaterunser?

  • VonAndrea Herzig
    schließen

Trauerredner Peter Langhans muss das Ritual für jede Bestattung neu finden.

Ein Patentrezept für eine gute Beerdigung gibt es nicht.“ Peter Langhans faltet die Hände auf dem Tisch. Der Seelsorger ist nicht mehr jung, er hat volle weiße Haare und eine Brille, er spricht ruhig und setzt seine Worte sorgfältig. Genau so einen braucht man in seelischen Ausnahmesituationen, wenn jemand gestorben ist zum Beispiel.

Peter Langhans hört zu. Er macht den Job nicht erst seit gestern. Beerdigt hat er auch schon früher, als er noch als Diakon im Dienst der katholischen Kirche stand. Diesen Dienst hat er vor gut zehn Jahren verlassen. Er hatte sich scheiden lassen, da kannte sein Arbeitgeber kein Pardon.

Seelsorger ist der Theologe geblieben. Seine Auftraggeber sind nun meist Menschen, die einen Verstorbenen beerdigen wollen, der nicht Mitglied einer Kirche war. Manchmal bekommt er Aufträge auch von Schwerkranken, die vorab bestimmen, wer an ihrem Grab die redet.

Die Klientel ist ganz unterschiedlich, erzählt Langhans. Da sind die echten Atheisten. Andere sind nur einfach nie getauft worden oder aus der Kirche ausgetreten. Das muss nicht heißen, dass sie an keinen Gott geglaubt haben, sagt Langhans, oft wollten sie nur mit der Kirche als Institution nichts zu tun haben. Auch Menschen, die sich fernöstlichen Glaubensrichtungen zuwandten, hat Langhans beerdigt. Da hatte die Feier buddhistische Elemente.

Ein Rezept gibt es, wie gesagt, sowieso nicht. Langhans redet mit den Angehörigen, lässt sich viel erzählen, manchmal werden alte Geburtstagsreden rausgekramt. Langhans fragt nach persönlichen Kleinigkeiten wie dem Lieblingsessen. All das hilft, von einem Menschen zu erzählen, den der Redner fast nie gekannt hat.

Der Seelsorger sucht nach dem roten Faden im Leben des Verstorbenen, nach dem, was dessen Wesen ausgemacht hat. Darüber will er reden. Dem Toten will er in der Trauerfeier Würde geben, egal wie die Umstände des Todes waren. Weil er als Fremder genügend Distanz habe, könne er auch die schwierigen Dinge im Leben eines Verstorbenen angemessen ansprechen, sagt der Theologe. Von Schönrederei hält er nichts.

Das Heitere gehört auch dazu

Das passende Ritual für eine Trauerfeier zu gestalten, ist nicht einfach. Da hätten es die Kirchen leichter, sagt Langhans. Bei ihnen gibt es feste Strukturen, sogar einen Liederkanon. Langhans muss das Ritual für jede Trauerfeier neu finden. Besinnungstexte, viele auch aus der Bibel, die Musik und ganz universelle Symbole wie die der Kerze helfen. Und dann die wiederkehrende Frage: Mit oder ganz ohne Vaterunser? „So fifty-fifty“, fasst Langhans die Antworten zusammen.

An der Wahl der Musik, sagt der Theologe, könne man gut sehen, wie die Menschen sich nicht mehr in vorgeschriebene Schemata pressen lassen wollten in ihrem Trauerritual: Bitte keine trüben Weisen, bei denen sowieso niemand mitsingt. Die Angehörigen bringen CDs mit den Lieblingsstücken der Verstorbenen. Da war die Beerdigung eines jungen Mannes in Obererlenbach, der mit dem Motorrad verunglückte. „50 Biker und dröhnender Hardrock, da bebte die Trauerhalle“.

Andere, erzählt Langhans, verfügen, dass auf ihre Beerdigung keiner in Schwarz kommen darf. Das Leben ist bunt. Überhaupt, das Heitere, das Schmunzeln sollten nach seiner Meinung auf jeder Trauerfeier vorkommen. „Das Leben war doch auch schön.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare