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Schulleiterin Kirsty Sharp in einem der neu eingerichteten Räume - inklusive Schuluniformen.

Schulen in Hessen

Neue Privatschule öffnet in Friedrichsdorf

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Eine internationale Privatschule zieht in Friedrichsdorf (Hochtaunus) in die Räume der skandalgeschüttelten Main-Taunus International School. Der Unterricht soll im August starten.

Die Wände sind frisch gestrichen, an zwei Kleiderständern hängen die Uniformen, mit denen die King’s Group ihre Schülerinnen und Schüler weltweit ausstattet. Doch Kirsty Sharp weiß, dass es mit solchen Äußerlichkeiten nicht getan sein wird. Sie habe von den „Vorfällen“ gehört, sagt die Schulleiterin des King’s College Frankfurt, das im August in den Räumen der ehemaligen Main Taunus International School (MTIS) in Friedrichsdorf den Unterricht aufnehmen wird.

Die MTIS war Ende vergangenen Jahres vom Schulamt geschlossen worden, nachdem der Stromversorger ihr den Saft abgedreht hatte. Allerdings war das nur das Ende einer Kette von Skandalen: Eltern hatten den Schulgesellschafter Hans-Peter Dahlmann verklagt, weil er Darlehen nicht zurückzahlen wollte. Der Eigentümer der Schulgebäude machte, ebenfalls vor Gericht, ausstehende Mietzahlungen in Höhe von rund 600 000 Euro geltend.

„Wir sind völlig anders“, versichert Kirsty Sharp. Die King’s Group habe fast 50 Jahre Erfahrung mit Schulen. Seitdem sei sie kontinuierlich gewachsen und mit ihren weltweit inzwischen zehn Einrichtungen finanziell stabil. Sharp ist sich deshalb auch sicher, dass es schnell gelingen wird, wieder Vertrauen zu dem Schulstandort aufzubauen.

Schließlich wolle man sich dauerhaft in Friedrichsdorf etablieren, betont Sharp. Dazu gehöre auch, dass die Schüler sich vor Ort engagieren. Zentrales Ziel ist allerdings, dass sie sich auf dem gesamten Globus zurechtfinden. Unabdingbar dafür ist auch mal ein Abstecher zu einem Sportfest nach Madrid oder in den Regenwald von Panama.

Zielgruppe sind in erster Linie internationale oder bilinguale Familien. Der Unterricht orientiert sich am britischen Curriculum. Das gilt auch für den Abschluss – das Abitur können die Schüler am King’s College nicht erwerben. Dafür sorge der britische A-Level-Abschluss dafür, dass die Absolventen überall auf der Welt studieren könnten, wirbt Kirsty Sharp. Dafür müssen die Eltern aber auch tief in die Tasche greifen. Schon für den Kindergartenplatz werden mehr als 11 000 Euro pro Jahr fällig. Geht das Kind in die fünfte Klasse, steigt die Schulgebühr auf über 17 000 Euro – plus 115 Euro monatlich fürs Mittagessen.

Losgehen soll es im August mit Angeboten für Kinder von zwei bis zehn Jahren. Betreut und unterrichtet werden sollen sie von zunächst zehn Lehrkräften. Unterrichtssprache ist Englisch, die Schüler sollen aber auch möglichst gut Deutsch lernen, um sich in ihrer hiesigen Umgebung zurechtzufinden. Schulleiterin Sharp verspricht einen stark praxisorientierten Unterricht; die Kinder sollen lernen, Fragen zu stellen, dabei könnten sie auch einmal ihren Lehrern widersprechen.

Aktuell liegen schon rund 30 Anmeldungen vor. Zudem hätten sich eine Menge weiterer Interessenten gemeldet, berichtet Kirsty Sharp, zum Beispiel von internationalen Unternehmen, die sich im Raum Frankfurt ansiedeln wollen – der Brexit lässt grüßen. Was die Nationalität der künftigen Schüler angeht, gebe es eine bunte Mischung. Großes Interesse zeigten Briten und Inder, aber auch Deutsche, Iren, Afghanen, Chinesen und Mexikaner hätten sich gemeldet. Im Laufe der Jahre soll die Schule Schritt für Schritt wachsen, nächstes Jahr seien die Klassen sechs bis acht vorgesehen. Ziel der King’s Group ist eine Einrichtung mit 600 Schülern und 60 Lehrkräften.

Friedrichsdorf sei als Standort für die erste Schule der Gruppe auf deutschem Boden bestens geeignet, findet Schulleiterin Sharp. „Eine historische Stadt direkt in der Nähe der Großstadt“, schwärmt sie. Besonders angetan hat es ihr das viele Grün im Taunus. Deshalb freut sie sich, dass zu den Schulgebäuden auch ein kleines Waldstück gehört. Sharp selbst ist seit 16 Jahren Lehrerin mit Stationen in Großbritannien, Prag und Spanien. Für die King’s Group ist sie seit fünf Jahren tätig.

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