Friedrichsdorf

Wie Friedrichsdorf wachsen soll

Konzept zur Stadtentwicklung für 15 Jahre diskutiert / Grünflächen sollen nicht zugebaut werden

Unkritisch sind die Friedrichsdorfer wahrlich nicht, wenn es um die Entwicklung ihrer Stadt geht. Das zeigt sich in der Fragerunde am Ende der Präsentation eines Leitfadens zur Zukunft der Stadt, der jetzt vorgestellt wurde. „Ich nehme Friedrichsdorf als Stadt mit grüner Umgebung wahr“, sagt Gabriele Kunze und fügt besorgt hinzu: „Aber im Moment werden viele Flächen zugebaut. Das ist eher eine Entwicklung, bei der das Grün weicht.“

„Wir konzentrieren uns auf die Innenentwicklung“, beeilt sich Stadt- und Regionalentwicklungsexpertin Alena Röhrich zu versichern. Bebaut würden die sogenannten Potenzialflächen, also Areale, auf denen auch nach dem regionalen Flächennutzungsplan Wohnungsbauprojekte realisiert werden können. 24 Hektar habe man zur Verfügung, die aber nicht alle verwendet werden sollten, sagt Röhrich. Streuobstwiesen oder Grünflächen im Innenbereich sollten sowieso erhalten werden.

Es sind einige weitere ähnliche Wortmeldungen, mit denen sich die Vertreterin des externen Büros aus Kaiserslautern, unter deren Regie die Planung entstanden ist, an diesem Abend auseinandersetzen muss.

„Stadt 25+ Friedrichsdorf“ nennt sich das rund 140 Seiten starke Papier, das in einem aufwendigen Verfahren in mehr als einem Jahr entstanden ist. Rund 30 Bürger und Kommunalpolitiker informierten sich im Rathaus, wie sich Wohnen, Verkehr, Gewerbe, Gastronomie, Mobilität, Grün- und Freiflächen in den nächsten etwa 15 Jahren entwickeln sollen oder wie die Stadt auf die Veränderung des Klimas reagieren will.

Die Evaluierung und Fortschreibung des ersten Stadtentwicklungskonzepts aus dem Jahr 2010 sei wegen der mittlerweile geänderten Rahmenbedingungen notwendig geworden, sagte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Die Wohnungsnot, einer der zentralen Punkte des aktualisierten Konzepts, sei damals noch ein Randthema gewesen.

Vor Jahren sei auch noch von einer schrumpfenden Bevölkerung in Friedrichsdorf ausgegangen worden, was sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt habe. Bei all dem habe die Stadt nur begrenzte Kapazitäten, um alles zu verwirklichen, macht Burghardt die Grenzen des Wachstums deutlich. Der Rathauschef skizziert auch kurz, was in den nächsten Jahren auf der Agenda steht. Das Goers-Gelände etwa werde wohl erst nach den Kommunalwahlen angepackt. Geplant seien auch die Umgestaltung der Hugenottenstraße sowie die Verbesserung der Infrastruktur des ÖPNV. Für all das und anderes habe man nun eine „sehr gute Grundlage geschaffen“, sagt Burghardt.

Mancher Bürger versieht zumindest einzelne Punkte noch mit Fragezeichen. Das Konzept gehe in Richtung immer mehr bauen, sagt ein Mann und fragt: „Ist dafür genügend Trinkwasser vorhanden?“ „Friedrichsdorf hat keine Probleme mit dem Trinkwasser“, antwortet Planungsamtsleiter Ulrich Nützel. Die gesicherte Versorgung sei eine absolute Grundlage, um Baugebiete zu entwickeln.

Es gibt auch Bürger, die rundum zufrieden mit dem Konzept sind. „Ich habe einen sehr guten Eindruck“, sagt Jürgen Schäfer, der vor allem den neuen Gewerbepark begrüßt.

Von Klaus Spane

Inhalte

Das Stadtentwicklungskonzept „Stadt 25+ Friedrichsdorf“ ist die Fortschreibung des ersten Papiers aus dem Jahr 2010. Beteiligt waren Vertreter aller Fraktionen, Stadtverwaltung und Bürger. Fachlich betreut wurde es von dem Unternehmen Firu GmbH. 

Herzstück des Leitfadens sind 13 Thesen zur künftigen Entwicklung. Sie bilden die Grundlage für die dazugehörigen 118 Handlungsempfehlungen. Alles soll, wie Firu-Expertin Alena Röhrich sagte, in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren umgesetzt werden. 

Wie beim bisherigen Konzept sollen Leuchtturmprojekte wie das Taunus Carré, der Sportpark oder die Umgestaltung des Landgrafenplatzes umgesetzt werden. Beim Wohnungsbau soll der Fokus auf der Innenstadt liegen. ks

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