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Ein Saxofon, das Simon Freyer aufgearbeitet hat. ys
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Ein Saxofon, das Simon Freyer aufgearbeitet hat. ys

Feilen für den guten Ton

Friedrichsdorf Instrumentenbauer Simon Freyer vergrößert Meisterwerkstatt / Jazz- und Klassikabende geplant

Wie sie da in Reih und Glied in einem Wandregal stehen, wirken sie fast wie archaische Waffen in einem Militariamuseum. Braunes Holz, silberne Metallteile, leicht kegelförmiges Rohr, mit über 2,50 Meter länger als ein erwachsener Mann. Die Fagotte, um die es sich handelt, sind nicht die einzigen Instrumente in dem hohen, hellen Raum. An der linken Wand hängen zahlreiche Saxofone. Gold- oder silberglänzend die meisten. Dazu gesellen sich Klarinetten, Oboen, Hörner, Posaunen, ein schwarzer Flügel bildet den Abschluss.

Willkommen bei Simon Freyer, Instrumentenbauer mit dem Fokus auf Holz- und Blechblasinstrumente. Seit 2004 ist Freyer eher etwas im Verborgenen im Hinterhof eines privaten Anwesens seinem Handwerk nachgegangen. Auf 30 Quadratmetern in einem umgebauten Heuboden des Großvaters. Nun hat er sich mit einem 110 Quadratmeter-Anbau vergrößert, hat Werkstatt und einen Präsentationsraum darin untergebracht. Zugleich gibt er damit Einblicke in eine Branche, die mit einem Bein im Handwerk und mit dem anderen in der Welt der schönen Künste steht.

Um den ersten Teil dreht sich das, was sich im ersten Stock des Gebäudes abspielt. Eine mächtige alte Werkbank steht an einem der ausladenden Giebelfenster, die einen Ausblick bis auf die Skyline von Frankfurt bieten. Daneben eine Bohrbank zum Schneiden von Gewinden und eine Fräsmaschine. Ansonsten Schraubenzieher, Feilen, Reibahlen, Handfräser, Instrumententaschen und alle möglichen Materialien bis zum veganen Polster zum Abdichten von Tonlöchern. In einem kleinen Nebenzimmer werden die Klappen von Fagott, Oboe und Saxofon blankpoliert, bevor sie versilbert oder vernickelt werden.

Die Etage ist die Herzkammer von Freyers Handwerkskunst, die er zusammen mit seiner Mitarbeiterin Nicole Bickel ausübt. Die gelernte Holzblasinstrumentenmacherin hat gerade eine Querflöte in der Mache. Kein gewöhnliches Instrument, sondern das Arbeitsgerät eines Musikers der Alten Oper Frankfurt. Korpus aus Gold, Wert zwischen 60 000 und 70 000 Euro. Sie habe das Instrument generalüberholt, um es wieder perfekt spielbar zu machen erklärt Bickel.

Kunden aus ganz Europa

Reparieren und aufbereiten von gebrauchten Instrumenten respektive der Verkauf sind Freyers Kerngeschäft. Zu den Kunden zählen Musikschulen in der gesamten Region, auch die aus Friedrichsdorf. Dazu gesellen sich Bläserklassen, Opern- und Hobbymusiker sowie Musikgeschäfte aus ganz Deutschland, die Reparaturen schicken. „Die Leute kommen aus ganz Europa“, sagt der 44-Jährige. Nein, die Lage mitten im Wohngebiet sei kein Nachteil. Man sei kein Musikgeschäft, habe keine Laufkundschaft, die auf Parkplätze angewiesen sei.

Weniger einfach war es für ihn, den Anbau zu stemmen. Das fing an mit der Baugenehmigung. Das Umweltamt sei dagewesen, um die Geräuschemissionen zu messen. Auch habe geklärt werden müssen, dass keine Chemikalien verwendet werden. Und als das grüne Licht der Behörden endlich da war und Freyer im September 2019 loslegen konnte, sorgte der Materialmangel in der Wirtschaft für weitere Verzögerung. All das liegt hinter Freyer, der nun endlich geeignete Räume hat, um seine Werke zu präsentieren. Rund 210 Instrumente habe er derzeit. Darunter auch Eigenkreationen, natürlich von Fagotten, die große Leidenschaft von Freyer.

Wie steht es generell mit dem Herstellen von Instrumenten, das er von der Pike auf gelernt hat? „Ich komme kaum dazu“, sagt Freyer. Etwa 350 Stunden brauche er für den Bau. „Das schaffe ich einfach nicht, das lohnt sich nicht für ein so kleines Geschäft.“ Das ändert aber nichts an Freyers Passion für das klassische Holzblasinstrument. Natürlich könne er alle Blasinstrumente spielen. „Nicht alle schön, aber so, dass ich mich nicht zu verstecken brauche.“ Fagott aber sei das erste Instrument gewesen, das er gelernt habe. „Das hat mich fasziniert.“ Unter anderem plant er, ab und zu Jazzabende oder Klassikmusikabende zu organisieren.

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