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Zart und ein bisschen bissig: Der Clownfisch lebt in seiner Anemone.
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Zart und ein bisschen bissig: Der Clownfisch lebt in seiner Anemone.

Friedrichsdorf

Die Ozeane sind ihr Arbeitsplatz

  • Christiane Paiement-Gensrich
    VonChristiane Paiement-Gensrich
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Dokumentarfilmer aus Friedrichsdorf gewinnen Publikumspreis bei Festival.

Haie sind Angsthasen. „Sie halten Abstand und wollen nichts mit Menschen zu tun haben“, sagt Hendrik Schmitt. Der 41 Jahre alte Friedrichsdorfer Regisseur und Kameramann hat sich, zusammen mit seiner Frau Claudia, vor zwölf Jahren auf Unterwasserfilme spezialisiert. „The Jetlagged Underwater Films and Documentaries“ heißt die Firma der beiden. Ihr neuer Kurzfilm für Kinder „Fische mit Superkräften: Der Clownfisch und der Hai“ hat beim Internationalen Naturfilmfestival Green Screen in Eckernförde den Publikumspreis gewonnen.

Riesig darüber gefreut haben sich auch die beiden Nichten der Filmer. Die neun Jahre alte Charlotte und die sechsjährige Valentina gehen in Köppern zur Schule und haben die Texte zu den Filmaufnahmen gesprochen. „Wir haben die Mädchen zur Premiere mit auf den roten Teppich genommen. Sie waren völlig aus dem Häuschen“, verrät der Regisseur und Onkel. Klar, dass die Kinder nun große Unterwasser-Fans sind und auf jeden Fall bei weiteren Filmen mitmachen wollen.

Worum es in dem Streifen geht? „Der scheue Hai kann 10 000 Mal besser riechen als der Mensch. Und der Clownfisch reibt sich zu seinem Schutz mit Anemonen-Schleim ein, der für alle anderen Fische giftig ist“, erklärt Hendrik Schmitt. Das mutigere der beiden Tiere sei erstaunlicherweise der kleine Clownfisch. „Er lebt in seiner Anemone, sie ist sein Zuhause, und wer ihm zu nahe kommt, der wird gebissen.“ Claudia Schmitt weiß: „Clownfische attackieren sogar große Schildkröten.“ Und sie selbst habe auch einmal einen kleinen Maulabdruck an der Hand davongetragen, als sie so einem hübsch gestreiften „Nemo“ mit der Kamera zu nahe kam. Weitere Filme für Kinder sind geplant.

„Vielleicht über Schildkröten und Orcas oder über Delfine“, sagt Hendrik Schmitt. Wildlebende Orcas vor die Kamera zu bekommen sei gar nicht so einfach. Aber es gebe Vorkommen in Norwegen und vor der Küste Vancouvers (Kanada). Wale in Aquarien zu filmen dagegen sei seine Sache nicht. „Diese Tiere darf man nicht einsperren.“

Wie die beiden Friedrichsdorfer zum Unterwasser-Filmen gekommen sind? „In einem Urlaub in Spanien habe ich Claudia einen Tauchschein geschenkt. Das hat unser Leben verändert“, sagt Hendrik Schmitt. Seitdem teilen die gelernte Grafikdesignerin und der Filmemacher die Begeisterung für die Unterwasserwelt und reisen für ihre Natur-Dokumentationen um den Globus. Unter anderem produzieren sie für Arte, die ARD und das ZDF. „Unser Büro ist das Meer vom Polarkreis bis zum Äquator“, sagt Claudia Schmitt. Meeresgetier aller Formate, vom fingernagelgroßen Seepferdchen bis zum 27 Meter langen Blauwal sind ihnen schon vor die Linse geschwommen. „Die Welt ist voll schöner Erlebnisse und Geschichten“, schwärmt Hendrik Schmitt.

Kürzlich waren die Beiden in Griechenland. Probleme im Mittelmeer seien Überfischung einerseits und invasive Arten andererseits, berichtet Claudia Schmitt. Die Rotfeuer-Fische zum Beispiel, die eigentlich gar nicht ins Mittelmeer gehörten, seien nun dort anzutreffen. Der Grund: Mit dem Klimawandel sei das Wasser dort wärmer geworden. „Diese Fische kamen durch den Suez-Kanal, haben keine natürlichen Feinde“, beschreibt sie.

Ein ganz besonders schönes Erlebnis hatten sie auf einer der griechischen Inseln: „Wir durften dabei zusehen, wie sieben junge Schildkröten geschlüpft sind.“ Zusammen mit einheimischen Naturschützer:innen haben sie die fünf bis sechs Zentimeter großen Tierchen dann bis zum Meeresrand begleitet. Erwachsene Meeresschildkröten werden bis zu einem Meter lang. „Die Schildkröten-Babys orientieren sich auf ihrem Weg ins Meer an der hellsten Lichtquelle“, erklärt Claudia Schmitt. Nachts müsse man daher aufpassen, dass sie nicht in Richtung beleuchteter Häuser laufen.

Wie es eigentlich zugeht, in der Welt unter Wasser? „Manche Fische sind ängstlich, andere neugierig und anderen wieder sind Taucher einfach egal“, erzählt Hendrick Schmitt. Bei Muränen zum Beispiel habe er manchmal das Gefühl, sie wollten mit ihm scherzen. „Die tollsten Unterwassertiere sind Manta-Rochen“, findet Claudia Schmitt. „Sie sind wunderschön, völlig friedlich und neugierig. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße haben sie ein sehr großes Gehirn. Sie kommen auf einen zu, um zu schauen, wer wir sind, blicken einem in die Augen und lassen sich gern von unseren Luftblasen kitzeln. Wenn einem so ein Rochen mit 3,50 Meter Flügelspannweite 30 Zentimeter über dem Kopf vorbeischwebt, ist das elegant und atemberaubend.“

Claudia und Hendrik Schmitt mit ihren Nichten Charlotte (9 Jahre) und Valentina (6 Jahre).

Ihr Mann unterdessen hat sein Herz an die Kraken verloren. „Man kann eine Beziehung zu ihnen aufbauen, wenn man das möchte. Sie haben die Intelligenz eines Raben und sie erinnern sich an einen“, erklärt er. „Ein Krake wollte mir sogar eine kleine Kamera klauen. Plötzlich hat er mit zweien seiner Tentakel versucht, das Gerät in seine Höhle zu ziehen.“ Seine Frau ergänzt: „Kraken legen sich Steine und Muscheln vor ihre Höhle, fast als würden sie ihren Vorgarten schmücken.“

Und was ist mit den furchtsamen Haien? Harmlos sind sie natürlich trotzdem nicht. „Bei großen Haien muss man Respekt haben, so wie man vor Löwen, Tigern oder großen Hunden Respekt haben muss. Haie sind Raubtiere“, betont Claudia Schmitt. „Sie machen nicht gezielt Jagd auf Menschen und fressen Menschen nicht auf. Aber sie können schlimme Verletzungen verursachen.“ Das passiere vor allem dann, wenn die Haie Menschen mit Fischen verwechselten. „Haie machen manchmal Test-Bisse, denn sie haben ihre Sinneszellen am Gaumen.“ Das könne vor allem bei schlechter Sicht im Wasser vorkommen und an Stellen, an denen bereits Fischblut im Wasser sei, etwa weil jemand dort Fische harpuniert habe. Von den etwa 100 Zwischenfällen mit Haien pro Jahr endeten fünf bis zehn tödlich.

Zurück zum Naturfilm-Festival. Dort hat das The-Jetlagged-Team auch 2017 schon einmal einen ersten Preis gewonnen. „Damals ging es um das Aufforsten von Korallenriffen“, erzählt Hendrik Schmitt. Und seine Frau erklärt: „Weltweit sind Riffe bedroht. Ganz kritisch sind auch da die Klimakrise und die Erwärmung der Ozeane.“ Denn: „Ist das Wasser zu warm, produzieren die Algen, die in Symbiose mit den Korallen leben, ein Gift. Die Korallen stoßen dann die Algen ab und bleichen aus.“ Auch die Plastikverschmutzung der Meere sei überall zu sehen. Selbst auf entlegenen Inseln finde man Kunststoffflaschen. Ihr Fazit: „Unsere Protagonisten, die Meeresbewohner, haben kein leichtes Leben.“

Der Meeresschutz ist für die beiden Friedrichsdorfer ein großes Anliegen und zudem das Thema ihres neuen Films. „Ohne gesunde Meere geht es uns allen schlecht“, sagt Claudia Schmitt.

www.thejetlagged.com

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