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Der Friedensarbeiter

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Von: Olaf Velte

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Ohne Rast und Ruh: Andreas Buro am Schreibtisch.
Ohne Rast und Ruh: Andreas Buro am Schreibtisch. © Monika Müller

Ostermarsch-Gründer Andreas Buro erzählt im neuen Buch aus seinem Leben

Die Abschiedsworte für den Freund und Weggefährten Horst-Eberhard Richter hat Andreas Buro noch spät am Abend geschrieben. Druckfertig liegen die zwei Seiten nun auf dem Tisch – einen Tag nach der Meldung vom Tod des populären Psychoanalytikers und Friedensaktivisten. Es ist eine Erinnerung an gemeinsame Jahre, gemeinsame Arbeit. Von einem „großen Erbe“ ist die Rede – ein Erbe, zu dem auch Andreas Buro einen immensen Teil beigetragen hat. Seine jüngst erschienene Autobiografie gibt dazu erschöpfend Auskunft.

Seit über vierzig Jahren wohnt der gebürtige Berliner im Taunusdorf Hundstadt, einem Ortsteil von Grävenwiesbach. Die sechsköpfige Familie lebte zuerst in Miete, 1973 zog man in das selbst gebaute Haus am Hang. Von hier aus steuerte der Mitbegründer von Ostermarschbewegung und Sozialistischem Büro alle wichtigen Aktionen der deutschen Friedensbewegung. Heute arbeiten fünfzig verschiedene Organisationen am großen Ziel – mit allen ist Vordenker Buro in Kontakt. Im 84. Lebensjahr stehend, ist Ruhestand kein Thema für den Politikwissenschaftler. Auf seinem Schreibtisch häufen sich die Manuskripte, der Bücherstapel wächst ungehemmt. Noch immer ist er Ansprechpartner und Ratgeber mit internationalen Verbindungen. „Ich schreibe jeden Tag, aktuell zum Iran-Konflikt.“

Am Ende der 70er Jahre erreichte der Friedensgedanke auch das Usinger Land. „Viele Menschen fühlten sich von der damaligen Raketen-Stationierung bedroht.“ Als Reaktion gründete sich unter Buros Leitung das Friedensnetz Hintertaunus – in Deutschland zu jener Zeit einmalig. Dass Protest sich auch in ländlichen Gebieten formierte, war nicht üblich. „Eine mutige Sache“ – Anfeindungen blieben nicht aus. Lokale Gruppen bildeten sich in Anspach, Wehrheim, Usingen und Grävenwiesbach. „Ärzte und Pfarrer waren genauso dabei wie Jungbauern oder Hausfrauen.“

Ziel der regelmäßig organisierten Sternmärsche war das US-Munitionslager nahe Wehrheim, in dem Nuklearwaffen vermutet wurden. Während der Gruppentreffen standen politische Fragen und persönliche Ängste im Mittelpunkt. „Das Duzen war damals nicht selbstverständlich“, sagt Buro, der mit den ehemaligen Mitstreitern noch heute freundschaftlich verbunden ist. 1997 trat das Friedensnetz noch einmal in Erscheinung, um gegen die Tiefflüge von Kampfjets zu protestieren. „Für uns war es immer von Vorteil, dass viele Honoratioren aus den Taunusgemeinden mitgemacht haben.“

Das politische Engagement war dem Hundstädter nicht in die Wiege gelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg – in dem er als Flakhelfer zum Einsatz kam – studierte er in Ostberlin die Forstwirtschaft, wurde aber mit Berufsverbot belegt. Im Westen arbeitete er in der Holzforschung, eine Industriekarriere vor Augen. Aus seiner Freizeittätigkeit für die Internationale der Kriegsdienstgegner erwuchs schließlich eine Lebensaufgabe.

„Wer für den Frieden eintrat, musste zum Militärexperten werden“, so Buro, der noch immer als Sprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie agiert. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Militärtechnik enorm entwickelt – Cyberwar und Weltraum-Aufrüstung seien kommende Bedrohungen. Trotz der Globalisierung habe das nationalstaatliche Denken weiterhin eine ungeheure Bedeutung. „Deshalb ist die jüngste Klimakonferenz auch gescheitert.“ Hoffnung mache nur die in vielen Ländern betriebene Friedensforschung.

Andreas Buro: „Gewaltlos gegen Krieg“, Lebenserinnerungen; Verlag Brandes & Apsel, 24,90 Euro; ISBN 978-3-86099-709-3.

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