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Freiluftwohnzimmer an der U-Bahn

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Von: Olaf Velte

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Schüler legen selbst Hand an für den neuen Treff.
Schüler legen selbst Hand an für den neuen Treff. © FR/Schick

Schubkarren und Spaten statt Bleistift und Geodreieck: Schüler des Gymnasiums Oberursel bauen ein Freiluftwohnzimmer an der U-Bahn-Station Altstadt auf. Von Olaf Velte

Schubkarren und Spaten statt Bleistift und Geodreieck: Die 9B des Gymnasiums Oberursel nutzt den freien Schultag, um ein "Freiluftwohnzimmer" an der U-Bahn-Station Altstadt aufzubauen. Der Vormittag ist fortgeschritten, Schweiß glänzt, und die ersten Holzpodeste sind verlegt. Fundamente werden mit Fertigbeton verfüllt, Aushub und abgeschnittenes Buschwerk in bereitgestellte Container gekippt. 25 Schülerinnen und Schüler schuften wie die Brunnenputzer.

Es habe keiner Überredungskünste bedurft, um die Klasse zu motivieren, sagt Lehrerin Tanja Ward - alle hätten sich freiwillig und gut gelaunt eingefunden. Auf der Grünfläche zwischen Hohemark- und Berliner Straße entstehen "4 Rooms" für die Jugendlichen der Oberurseler Kernstadt. Tobias Braun und seine Kameraden sind sich einig: "Es macht Spaß, mit der ganzen Klasse hier zu arbeiten." Auf die Anlage freuen sie sich, fürchten aber Zerstörungen und Spray-Attacken.

Das behindertengerechte Ensemble aus Eichenholz besteht aus verschiedenen Würfeln, die zum "Chillen" einladen und einer überdachten "Speaking Corner". Damit die Bewegung neben dem Ausruhen und Debattieren nicht zu kurz kommt, können Slackline-Bänder zum Balancieren zwischen Holzstelen gespannt werden. Unterstützt werden die Benutzer vom Team des in Blickweite gelegenen Jugendzentrums Café Portstraße. "Im Zentrum hat so etwas gefehlt", sagt Schülerin Elisabeth Koch, die auf einen regen Austausch einheimischer Jugendlicher hofft. Loredana Altvater aus Steinbach betont die gute Erreichbarkeit.

"Hier könnte eine wiedererwachte Gemeinschaftskultur ihren Ursprung nehmen", so Stadtplanerin Ortrud Weis-Lauer, die das Projekt "Oberursel unter der Lupe" begleitet. Vorschläge zur Umgestaltung des 800 Quadratmeter großen Platzes wurden im März gesammelt, Landschaftsarchitekt Matthias Burghammer aus Wetzlar lieferte die endgültigen Pläne. 40000 Euro kostet das Zimmer aus Eiche. Drei bis vier Wochen werden ins Land gehen, ehe es zu betreten ist. Zeit, die der Beton zum Abbinden braucht.

Kurz vor Mittag haben die 15-Jährigen einen weiteren Container gefüllt. Schubkarren voller Beton rollen. Das Schwitzen wird zum kollektiven Erlebnis. Bald kommt die 10E als Ablösung.

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