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Freiluftbühne vor dem Aus

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Von: Jürgen Streicher

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Kulturelles Highlight in Oberursel - das "Theater im Park". Hier die Inszenierung der "Irren von Valencia" aus dem Jahr 2009.
Kulturelles Highlight in Oberursel - das "Theater im Park". Hier die Inszenierung der "Irren von Valencia" aus dem Jahr 2009. © FR/Müller

Das Hotel-Aus für die Villa Gans trifft auch die Kultur in Oberursel hart. Die Stadt muss jetzt eine neue Spielfläche für das Theater im Park finden - und zwar schnell. Von Jürgen Streicher

Das regional renommierte "Theater im Park" wird in diesem Sommer nicht am angestammten Ort im Park des ehemaligen Gewerkschaftshauses in Oberursel spielen können. Die Eigentümerin des Geländes, die Igemet Treuhandverwaltung der IG Metall, hat gestern bestätigt, dass der Park geschlossen bleibt. Geschäftsführer Franz Julius Partes nennt die Entscheidung eine notwendige Folge nach der Ablehnung der Hotelbau-Pläne des Unternehmens.

Zum Hotel-Projekt gehörte die Verpflichtung, ein Parkpflegewerk zu erstellen. Die Igemet wollte rund 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Kleinods der Gärtnerkunst von Anfang des 20. Jahrhunderts investieren. "Wir müssen den Aufwand zurückfahren", sagte Partes. Damit sei die "Verkehrssicherheit" auf dem Privatareal nicht gewährleistet, "wir müssen die Pforte schließen". Das sieht auch Bürgermeister Brum so, die Stadt könne die Sicherung auf dem Privatgrundstück nicht übernehmen.

Schock für das Ensemble

Liebe und Tod, Tragisches und Komisches - an diesem Ort ist alles passend. Ein lauschiges Plätzchen im Wald, warme Abendluft, Vogelgezwitscher, Windrauschen im alten Baumbestand. Die Waldbühne im ehemaligen Gewerkschaftspark an der Königsteiner Straße, idyllisch gelegen vor einem Halbkreis aus Scheinzypressen, bietet die perfekte Atmosphäre für Theaterträume. Tragik und Tod bestimmen nun im übertragenen Sinn das Drama im Ensemble, das von der Entwicklung "geschockt ist", so Produktionsleiter Klaus-Peter Hieronymi. Fünfzehn Jahre war der Park die perfekte Spielstätte für die Amateure des Theaters im Park. "Wir müssen uns bewegen und uns auf die Suche nach einer Alternative machen", sagt Hieronymi lakonisch. Wie schwer das ist, weiß er aus Erfahrung. Von Anfang an dabei, zog er 1994 mit dem damaligen Regisseur Joachim Ziegler auf der Suche nach einem geeigneten Ort durch die ganze Stadt.

Im Lauf der Jahre ist das Theater professionalisiert worden, das betrifft auch den Aufwand für Bühne, Technik und Tribüne. Die Technik wird schon drei Wochen vor Spielbeginn für die Proben installiert, teures Material muss sicher gelagert werden. Es geht nun um Fragen technischer Machbarkeit und vor allem darum, das Projekt auch finanzierbar darzustellen. Knapp fünf Monate bleiben dem Kultur- und Sportförderverein (KSfO) der Stadt als Veranstalter des Theaters im Park, um die Saison 2010 zu retten. Am 17. Juni soll Premiere des "Datterich" sein, 13 Aufführungen sind geplant. "Es wird nicht einfach, wir müssen eine komplett neue Logistik aufbauen", so Produktionsleiter Hieronymi.

Wo, das will Brum nun schnell prüfen lassen. Spontan nannte er gestern das Schwimmbad-Gelände, den unteren Maasgrund und andere Flächen, die auch beim Hessentag eine Rolle spielen sollen. Auch der Park der Klinik Hohe Mark könnte wieder ins Gespräch kommen, wie vor 15 Jahren schon einmal. "Alternative zum Park kann nur ein abgegrenztes Gelände mit Bewirtschaftung sein", so Hieronymi.

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