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Tristesse in der Innenstadt: Vom Glanz des    einst florierenden Gewerbestandortes  ist nicht mehr viel übrig.
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Tristesse in der Innenstadt: Vom Glanz des einst florierenden Gewerbestandortes ist nicht mehr viel übrig.

Usingen

Weg frei für den Einzelhandel

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Bürgermeister Wernard hat große Pläne, wie die Innenstadt wieder attraktiver werden kann.

Der Besucher wird schon an der Ortsgrenze mit einem „Willkommen in Usingen – Residenzstadt im Buchfinkenland“ empfangen. Die Erwartungen sind hoch: Ist die Kernstadt nicht geprägt von einer glanzvollen Vergangenheit – ablesbar an Schlossplatz und Schlossgarten, Prinzenpalais und Fürst Walrad-Denkmal? Was jedoch die Aufmerksamkeit erregt, sind abgewetzte Fassaden und zwei stark frequentierte Bundesstraßen, die mitten durch das städtische Herz schneiden.

Es scheint lange her zu sein, dass Usingen der unumstrittene Mittelpunkt des gleichnamigen Landstrichs war – das wichtige Gelenk zwischen Vorder- und Hintertaunus. Seit Jahren befindet sich der innerstädtische Einzelhandel auf Talfahrt, Fachgeschäfte machen dicht und werden von Friseurläden und Versicherungsbüros ersetzt. Wer heute Ober- und Kreuzgasse – einst umsatzbringende Gewerbemeilen – durchstreift, sieht auch verpappte Schaufenster, leerstehende Läden. Das soll sich ändern. Und zwar bald – wenn es nach dem Willen von Bernhard Keth, dem zweiten Vorsitzenden des Usinger Gewerbevereins geht: „In der Vergangenheit wurde viel geschwätzt, aber nicht gehandelt.“

Mit dem politischen Gerangel müsse endlich Schluss sein. Noch sei der innerstädtische Handel nicht verloren, doch ein weiteres Jahrzehnt könne man so nicht überstehen.

Über hundert Einzelhändler hätten vor zehn Jahren ein ausgewogenes Sortiment bereit gehalten. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Die Laufkundschaft ist längst auf anderen Wegen. Lebensmittel kaufen Einheimische und Auswärtige mittlerweile an der Peripherie, wo Discounter und Supermärkte ihren Sitz haben. Die Gewerbegebiete heißen Riedborn oder Gebackener Stein, weitere sollen folgen. Während dort die Kassen klingeln, verharrt das Areal zwischen Rathaus, altem Landratsamt und Hugenottenkirche in Lethargie. „Es fehlt das Signal zum Aufbruch“, sagt Keth, der am Schlossplatz ein Café betreibt. Das Signal will Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) geben. Er hat große Pläne, was die Belebung der Innenstadt betrifft. Geplant ist zum Beispiel die Errichtung eines neuen Einkaufstempels am Neuen Marktplatz. Auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule Schorn – unweit von Busbahnhof und Parkplatz – soll ein Center mit Gesundheitsbereich, Ladengeschäften und einem 3000 Quadratmeter großen Edeka-Markt entstehen. Ein Investor stehe schon bereit.

Doch damit nicht genug: Eine Fußweg-Verbindung soll entstehen zwischen Riedborn, Neuem und Altem Marktplatz sowie dem Prinzenpalais an der Obergasse. Ein ambitioniertes Großprojekt, für das Häuser abgerissen und Schneisen geschlagen werden müssen. Mit dem Hochtaunuskreis als Besitzer des Palais’ – der auch umgestaltet werden soll – sei man im Gespräch. Noch ist aber alles in der Schwebe.

„In der Innenstadt fehlen die größeren Verkaufsflächen“, sagt Petra Reuter von der kommunalen Wirtschaftsförderung. Der kleinflächige Einzelhandel gehöre der Vergangenheit an – „die Einkaufsbedürfnisse haben sich gewandelt“. Nach ihrer Zählung sind noch 75 Händler aktiv, etliche davon im fortgeschrittenen Alter und ohne Nachfolger. „Viele Mietanfragen scheitern an den zu kleinen Einheiten.“

Dass Billiganbieter wie Tedi und Kik attraktive Standorte besetzen, sei kein Grund zur Sorge: „Auch so etwas wird hier gebraucht.“ Um die noch hohe Kaufkraft in der Buchfinkenstadt zu halten, müssten einige Einzelhändler umdenken: „Bis heute herrschen keine einheitlichen Öffnungszeiten.“ Das Team um Bürgermeister Wernard will etwas bewegen – ob die Ideen tragfähig und finanzierbar sind, ist jedoch die entscheidende Frage. „Der Niedergang ist mittlerweile dramatisch“, sagt Michael Koch, der eine Marktuntersuchung starten wird. Um die Innenstadt am Leben zu erhalten sei ein gutes Fach-Sortiment notwendig. Der Immobilienberater weiß aber auch um die starke Konkurrenz im Umland: „Je besser beispielsweise Bad Homburg aufgestellt ist, desto mehr leidet Usingen.“

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