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Frauenschwimmen nimmt Hürde

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Von: Fabian Böker

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Der Antrag der SPD, im Seedammbad ein Frauenschwimmen anzubieten, sorgt im Jugend-, Sozial- und Sportausschuss für Diskussionen. Am Ende wird beschlossen, dass es einmal im Monat ein Schwimmen nur für Frauen geben soll. Nun muss das Stadtparlament noch grünes Licht geben.

Am Ende sorgte Elke Barth von der SPD selbst dafür, dass über ihren Antrag zum Frauenschwimmen gar nicht erst abgestimmt wurde. Feste Öffnungszeiten des Seedammbades nur für Frauen soll es trotzdem geben. Das hat der Jugend-, Sozial- und Sportausschuss am Dienstag entschieden. Vorausgegangen war eine Diskussion mit Tiefgang. Und dabei wurde deutlich, wie Politik gemacht wird.

Die Ausgangslage war klar: Die SPD hatte einen Antrag vorbereitet, mit dem erreicht werden sollte, dass über den Magistrat die Stadtwerke beauftragt werden, zwei Mal pro Monat im Seedammbad ein Frauenschwimmen anzubieten (die FR berichtete). Als Vorbild diente das Pendant in Oberursel, das aber aufgrund der Uhrzeiten – sonntags von 8 bis 10 Uhr – laut Antrag so nicht in Frage kommt. Entsprungen sei der Antrag den zahlreichen Wünschen Bad Homburger Frauen, aus unterschiedlichen Motiven.

Emanzipation oder gesellschaftlicher Rückschritt?

Nachdem der Antrag formuliert war, wurde sogleich auf mehreren Ebenen hitzig diskutiert. Antragstellerin Elke Barth zeigte sich überrascht davon, dass das Thema gesellschaftlich so heikel sei. „Frauenspezifische Angebote widersprechen nicht der Emanzipation“, findet Barth. Ganz im Gegenteil: So könne ein „Beitrag zur Integration“ geleistet werden. Das sah Reinhard Stoll, Leiter des Seedammbads und am Dienstag zu Gast im Ausschuss, anders. Frauenschwimmen ist für ihn „ein Rückschritt in der gesellschaftlichen Entwicklung“.

Stoll war zugegen, um den Ausschussmitgliedern zu erklären, dass er mit Sozialdezernent Dieter Kraft (Grüne) schon öfter über das Thema Frauenschwimmen gesprochen habe. Was er dann aber konkret äußerte, gefiel Kraft offensichtlich nicht immer. Stoll machte keinen Hehl daraus, dass er dem Projekt mehr als kritisch gegenübersteht.

Er habe als Leiter alle Besucher – bisher mehr zehn Millionen, knapp 500 000 Gäste allein im vergangenen Jahr – im Blick. Denen seien unregelmäßige Schließungen des Bades, damit dann Frauen unter sich sein können, nicht zuzumuten. Stoll berichtete von Familien, die teils aus 70 Kilometern Entfernung anreisten, mit acht Leuten in zwei Autos – und die dann künftig vor verschlossenen Türen stünden. Nicht nur an dieser Stelle ging Dieter Kraft beherzt dazwischen: „Nach der Mondlandung kam das Internet. Über die Öffnungszeiten sollte sich jeder informieren können.“

Stoll brachte aber auch noch andere Argumente. So könne er nicht garantieren, dass – egal wie oft und zu welchen Zeiten – das Personal ausschließlich weiblich sei. Gerade für die Frauen, die aus religiösen Gründen separate Schwimmzeiten wahrnähmen, wäre das durchaus schwierig, wenn nicht gar inakzeptabel. Der Seedammbad-Leiter begründete das damit, dass es nur zwei Schichtleiterinnen gebe, von denen eine nur halbtags arbeite. Alles in allem gebe es „viele kleine Probleme“, die die Umsetzung sehr erschwerten.

Eines sei die Frage nach der Zeit, und da tat sich der nächst größere Streitpunkt auf. Reinhard Stoll brachte drei Varianten ins Spiel: mittwochs von 21 bis 23 Uhr sowie samstags oder sonntags von 20 bis 22 Uhr. Die CDU in Person von Mechthild Weiß-Hennerici, konnte sich mit der Samstags-Variante anfreunden. Dieter Kraft schüttelte da nur den Kopf. „Totgeburt“, „Lachnummer“, „Rohrkrepierer“, so seine Worte für diesen Vorschlag. Der Mittwoch sagte ihm schon eher zu, aber nur ab 20 Uhr.

Am Jahresende Bericht über den Erfolg

Um am Ende möglichst viele Anregungen zusammenzufassen, wurde über einen Änderungsantrag der CDU abgestimmt. Der besagte, dass das Frauenschwimmen einmal im Monat stattfinden soll. Am Jahresende soll das Bad dann im Ausschuss zu ersten Erfahrungen berichten.

Zu diskutieren gab es auch diesmal etwas. Sibylle Raquet (FDP) fragte nach dem Sinn, das Ganze nur einmal monatlich zu organisieren. Der Fitness-Charakter gerate dabei völlig in den Hintergrund. Sogar Peter Braun, als Fraktionsloser ohne Stimmrecht und prinzipiell gegen das Projekt, meldete sich zu Wort: „Wenn der Antrag schon angenommen wird, dann bitte nur mit einem Zwei-Wochen-Rhythmus.“

Und dann wurde Politik gemacht. Elke Barth sondierte die Lage und merkte, dass für ihren Antrag keine Mehrheit zu Stande käme; die fünf CDU-Vertreter – bei elf Mitgliedern – beharrten auf ihrem Änderungsantrag. Dem wollte sich Barth wegen des fehlenden zweiten Termins eigentlich nicht anschließen. Letztlich war ihr aber die Gefahr zu groß, dass das Vorhaben scheitert. Sie stimmte zu. Mit sechs Stimmen wurde der Antrag angenommen, die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am 30. April.

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