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Frankfurt kommt zum Schoppen

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Das Umland   bietet einen der schönsten Blicke auf die Skyline.
Das Umland bietet einen der schönsten Blicke auf die Skyline. © Monika Müller

Findige Wirte aus Steinbach entwickelten im 19. Jahrhundert einen mobilen Steg, um mehr Kundschaft anzulocken. So konnten die Frankfurter über die „Apfelweinbrücke“ in das Bauerndorf gelangen. Diese Brücke soll nun eine neue Etappe auf der Regionalpark-Route werden.

Von Martina Propson-Hauck

Steinbachs Wirte konnten noch nie nur von der heimischen Bevölkerung leben. Zumal im 19. Jahrhundert, als das verschlafene Bauerndorf noch nicht im Siedlungsfokus Frankfurts stand. Findige Wirte entwickelten damals einen mobilen Steg, mit dessen Hilfe sie Frankfurter Ausflüglern den Weg über den Bach, nachdem die Stadt benannt ist, bequemer machen wollten.

Die Gastwirtschaften „Zum Goldenen Stern“ und „Zum Schwanen“, deren Wirte beteiligt waren, existieren noch heute. Die Strategie scheint aufgegangen zu sein, denn auch heute noch sind beide Lokale weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und viel frequentiert. Wenn auch der Weg Frankfurter Gäste nicht mehr durchs Feld aus Praunheim nach Steinbach führt, sondern über die A66 und Eschborn.

Radler und Spaziergänger indes nutzen immer noch gern die ausgebauten Feldwege hierher. Nur 2,4 Kilometer sind es von hier bis zur U-Bahnstation Heerstraße, kaum mehr nach Oberursel und Kronberg.

Die „Apfelweinbrücke“, heute eine schmucklose Verrohrung des im Sommer kaum wasserführenden Bächleins, steht im Zentrum der aktuellen Umgestaltungspläne. Auf der 190 Kilometer langen Regionalpark-Rhein-Main-Rundroute soll hier Station 6 entstehen. 130.000 Euro sollen hier mit Unterstützung des Landes und der Fraport AG in eine attraktive Brücke mit einem ansprechenden Umfeld investiert werden. Sitzkiesel, Eschen und die bereits vorhandenen Weiden sollen zur Rast einladen. Ob dazu auch Apfelwein ausgeschenkt werden wird, ist eher ungewiss. Gestern begannen mit einem symbolischen Spatenstich die Umgestaltungsarbeiten. Schon im Herbst soll der erste Abschnitt fertig sein. In Richtung Eschborn soll ein weiterer Abschnitt noch in diesem Jahr begonnen werden, im Frühjahr 2011 dann die Rundroute mit einem offiziellen Fest eröffnet werden.

Der Geschäftsführer der Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main GmbH, Lorenz Rautenstrauch, sagte gestern, Ziel der Regionalparkroute sei es, den Menschen der Region die Landschaft nahe zu bringen und erlebbar zu machen, was an Geschichte darin stecke. Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas (FDP) verwies darauf, dass an der Apfelweinbrücke ein Dreimärker-Grenzstein stehe. Steinbach hatte lange eine Art Exklaven-Stellung inne: Es gehörte bis 1945 nicht zum Landkreis Obertaunus, sondern zum Landkreis Offenbach. Vermutlich auch deshalb ist Steinbach ein wenig „anders“ als alle anderen Vordertaunuskommunen. Der Geschichtsverein unterstützt den historischen Park.

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