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G8 und die Folgen

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Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg.
Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg. © FR/Storch

Landtagsabgeordnete diskutieren mit Schülern am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg über Bildungspolitik. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

"Wir wünschen uns, dass Sie das bald umsetzen, denn jetzt ist es aktuell für uns", rief eine Schülerin den Politikern am Ende der Diskussion zu. Und brachte damit die Schüler als diejenigen in den Blick, die Auswirkungen von Bildungspolitik als erste zu spüren bekommen. Rund 70 Oberstufenschüler waren am Montagabend auf Einladung des Kreisschülerrats in die Aula des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums gekommen, um ein Jahr nach der Landtagswahl mit den Abgeordneten aus dem Hochtaunuskreis ein Fazit schwarz-gelber Bildungspolitik zu ziehen.

2009 seien bereits 1000 Lehrer neu eingestellt worden, weitere 1000 sollten 2010 folgen, bilanzierte Holger Bellino für die CDU. Dass sie jetzt eine 100-prozentige Lehrerversorgung habe, konnte auch KFG-Schulleiterin Heike Zinke bestätigen. Nur gebe es eben auch Krankheiten, Schwangerschaften und nicht immer die richtigen Planstellen für die richtigen Leute. Im vergangenen Jahr musste sie für Mathematik und Physik auch Lehrer einstellen, die als solche nicht ausgebildet sind.

Die Koalition habe "G8 in der Umsetzung optimieren" müssen und werde das Ganztagsangebot und die Eigenverantwortlichkeit der Schulen noch stärken, resümierte Bellino. Frank Blechschmidt (FDP), selbst Vater zweier Schulkinder, bekannte "kein Anhänger von G8" zu sein und brach deshalb eine Lanze für die Wahlfreiheit von Eltern. Schulen wie die IGS Stierstadt, die weiterhin auch einen neunjährigen Zugang zum Abitur ermöglichten, müssten gestärkt werden, so sein Plädoyer für die Schulvielfalt.

Hausaufgaben bis zum Abend

Petra Fuhrmann (SPD) kritisierte, dass vor der Neueinstellung von 1000 Lehrern bereits gleichviele Stellen durch die Arbeitszeitverlängerung für hessische Lehrer eingespart worden seien. Zudem stünden im kommenden Haushalt nur Mittel für 650 weitere Kräfte. Sie bemängelte ebenfalls, dass G8 nicht ohne qualifizierte Mittagsversorgung in den Schulen funktioniere und Kinder trotz Nachbesserungen nach wie vor bis acht Uhr abends an den Hausaufgaben säßen. "Gerade in der Pubertät braucht man aber auch Freiraum und Zeit für sich und seine Freunde", sagte die Sozialdemokratin. Sie kritisierte zudem, dass an den Universitäten bislang immer noch keine Vorsorge für die doppelten Abiturjahrgänge getroffen sei, die durch G8 in zwei bis drei Jahren in die Hochschulen drängten. Ob sie denn jetzt größere Schwierigkeiten bekämen, einen Studienplatz zu finden, wollte ein Schüler wissen. Eine klare Antwort darauf blieb aus.

Nach zehn Jahren Bildungspolitik der CDU stehe Hessen bei allen Vergleichen immer noch nur im Mittelfeld oder im unteren Drittel, sagte Mathias Wagner, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. In Hessen reproduziere die Schullaufbahn der Kinder immer noch den Bildungshintergrund ihrer Eltern. Er forderte eine Entschlackung der Lehrpläne, mehr kompetenzorientiertes Lernen, mehr Ganztagsangebote und ein längeres gemeinsames Lernen für alle, die das wollen.

Hermann Schaus plädierte als Vertreter der Linken für eine Gemeinschaftsschule bis zum zehnten Schuljahr, um Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu schaffen. Er kritisierte, die Landesregierung habe im vergangenen Jahr die Bedingungen für Schulsozialarbeit und Schulpsychologen verschlechtert, statt sie zu stärken.

Bellino versprach, dass am Ende der Legislaturperiode jeder hessische Schüler, der das wolle, ein Ganztagsangebot werde in Anspruch nehmen können.

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