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Flusspferd Max soll Vater werden

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Von: Andrea Herzig

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Max.
Max. © Zoo

Flusspferd Max ist aus dem Opel-Zoo in Kronberg in den Zoo Hannover umgezogen. Die FR hat ihn dort besucht und außerdem nachgefragt, wie die Zukunft der Flusspferdhaltung im Opel-Zoo aussieht.

Max geht es gut, er steht in seiner Box, die zu zwei Seiten von armdicken Stahlstangen begrenzt ist, und kaut sich durch einen Heuballen Größe XXL. Den Besuchern aus der alten Heimat im Taunus dreht er erst einmal das dicke Hinterteil zu. Auf Ansprache reagiert der 20 Jahre alte Flusspferdbulle nicht. Er frisst jetzt und bevorzugt auch nachts – stundenlang. Flusspferde sind Vegetarier, sie müssen enorm viel Gras oder Heu fressen, um ihr Gewicht zu halten, 40 bis 50 Kilo werden pro Tag verputzt.

Im vergangenen Sommer, als Max aus dem Opel-Zoo in Kronberg in den Zoo Hannover umzog, wog er 2,7 Tonnen. Für ein Flusspferd ist Max groß und schlank, erklärt sein Tierpfleger Heinrich Grütter. Doch, wirklich. Die vier Damen, mit denen Max in Hannover für Nachwuchs sorgen soll, sind deutlich kleiner und im Schnitt eine Tonne leichter

Pfleger Philipp Plate schafft es dann doch, die Aufmerksamkeit seines Schützlings auf sich zu ziehen: Er wedelt mit einem Kopf Eissalat. Das hat Max aus den Winkeln seiner kleinen Augen gesehen, schnell dreht er sich zum Gitter um und sperrt das riesige, eckige Maul auf. Der Tierpfleger legt den Salat hinein, Max klappt zu und kaut einmal, dann macht er das Maul wieder auf. Es könnte ja noch was nachkommen.

Der Pfleger gönnt dem Koloss ein zweites Leckerli. Etwa eine Kiste Salat verschwindet so pro Tag pro Flusspferd, erklärt Plate. Pfleger und Tier kennen sich. Durch die Gitter können die Pfleger die Dickhäuter anfassen, trotzdem würde sich nie ein Mensch in die Box wagen. Flusspferde sind allein deshalb gefährlich, weil sie so schwer sind. Sie könnten ihre Pfleger aus Versehen an der Wand zerdrücken. Oder sie rennen alles um, denn die Tiere können aus dem Stand 40 Stundenkilometer schnell laufen. In der Natur sind die Tiere für tödliche Unfälle berüchtigt. Erwachsene Tiere haben kaum Feinde, erklärt Thomas Kauffels, der Direktor des Opel-Zoos.

Der Bulle Max musste nach Niedersachsen ziehen, weil seine Gefährtin Tana im November 2014 gestorben war. Tana war mit 54 das älteste Flusspferd Europas. Die Tiere leben in einer Herde, allein konnte Max nicht bleiben, den Wechsel nach Hannover hatten die beiden Zoos lange schon vereinbart.

Auch weil das Gehege in Kronberg nicht mehr den Standards für die Haltung von Flusspferden entspricht. Nach Max Wegzug wurde rückgebaut, das neue Areal für die Tiere soll genau gegenüber des alten entstehen, dort wo jetzt der Gibbon-Teich ist. Der Zoo hat 500 Quadratmeter in den Bebauungsplan eintragen lassen, dort, wo einmal das Haus für die Flusspferde gebaut werden soll,

Genauere Pläne gibt es nicht und der Zoodirektor lässt sich zu keinen Spekulationen hinreißen. Nur zu den ungefähren Kosten sagt er etwas, sie liegen bei 15 Millionen Euro. Das weiß Kauffels, weil vor kurzem in Köln eine Flusspferdanlage zu diesem Preis gebaut worden ist.

An ein neues Gehege wird nicht nur der Anspruch an mehr Platz für mehr Tiere gestellt, auch die Ansprüche der Zoobesucher sind andere geworden. Es reicht nicht mehr, dass man beobachten kann, wie die Tiere reglos im Wasser liegen. Der Besucher möchte die großen Säuger unter Wasser durch eine Scheibe sehen. Flusspferde sind schlechte Schwimmer, sie laufen durchs Wasser oder lassen sich vom Element tragen. Um diese Beobachtung möglich zu machen, soll auch in Kronberg ein Bassin mit Scheibe gebaut werden. Das eigentlich Teure dabei ist eine Filteranlage, sonst sieht der Besucher keine zehn Zentimeter weit.

Im Opel-Zoo hat es immer Flusspferde gegeben, mit den Giraffen und Elefanten gehörten sie zu den Markenzeichen des Tierparks. Sechs Flusspferde haben seit den 1950ern im Taunus gelebt, Tana kam 1970 aus Leipzig, Max 1997 aus Frankfurt.

Doch noch werde am Elefantenhaus, 2013 neu eröffnet, abbezahlt, sagt Kauffels. Dann wird man sehen – und nach neuen Mäzenen suchen. Fluch und Segen zugleich ist für den Tierpark sein Name. Opel ist bekannt, ein Begriff, aber die häufige Annahme, die Rüsselsheimer Autobauer hätten mit der Finanzierung des Zoos zu tun, ist ein Irrtum. Welcher potenzielle Großsponsor, seufzt Kauffels, will neben einem solchen Namen für sich werben?

Alles steht und fällt mit der Zahl der Besucher. 750 000 waren es im vergangenen Jahr, in dieser Saison zickt bislang das Wetter. Und der Park hat weitere Problem. Da ist die Auseinandersetzung um den öffentlichen Weg, der durch das Gelände führt. Und der Ärger um die Parkplätze, die an einigen wenigen Tagen im Jahr nicht reichen.

Max hat sich eingelebt in Hannover, anfangs kannte er keine Treppenstufen. „Da stand er dann und guckte“, erzählen die Pfleger schmunzelnd. Dass er in den Taunus zurückkommt, ist unwahrscheinlich. Max hat jetzt einen Harem. Dessen Chefin ist Kiboko, mit 33 Jahren die Älteste, dazu kommen Cherry (18), Viktoria (18) und Himba (16).

Der Zoo hofft, dass Cherry nach einem temperamentvollen Tête-à-Tête mit Max tragend ist. Nachgucken kann man nicht, durch acht Zentimeter Haut dringt kein Ultraschall und ein etwa 40 Kilo schweres Baby fällt bei den Damen wortwörtlich nicht ins Gewicht. Zu berechneten Zeit werden die Pfleger Cherry separieren – und abwarten.

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