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Finale am schrägen Marktplatz

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Von: Jürgen Streicher

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Zwei Duathlethen radeln über den Oberurseler Marktplatz.
Zwei Duathlethen radeln über den Oberurseler Marktplatz. © FR/Rheker

Um halb eins rückt Oberursel für ein paar Minuten in den Mittelpunkt Hessens. In der Altstadt kämpfen sportliche Frauen und Männer um Meisterehren. Von Jürgen Streicher

Um halb eins rückt Oberursel für ein paar Minuten in den Mittelpunkt Hessens. Bürgermeister Hans-Georg Brum lächelt mit Radrennen-Organisator Bernd Moos-Achenbach, Brunnenkönigin und Ironman-Champion Norman Stadtler am St.-Ursula-Brunnen für die Fotografen. Über große Boxen auf dem Marktplatz wird live übertragen, was der HR-Reporter über Oberursel zu sagen hat, als das Feld der Radler vom Finanzplatz-Rennen zehn Kilometer über die Gemarkung der Taunusstadt fährt und zur ersten Sprintwertung auf dem Marktplatz Anlauf nimmt.

Die Show ist schnell vorbei, einmal Wuuuuusch und Schluss, ein paar Minuten bleibt noch der Abgasduft der Begleitfahrzeuge, das Peloton nimmt sich keine Zeit für die pittoreske Altstadt und das Publikum. Um halb eins hat Oberursel an diesem 1. Mai schon zwei Deutsche Meister im Duathlon: Christoph Heubel vom Schwimmclub in der Altersklasse der über 40-Jährigen und Winfried Schmidt vom TV Bommersheim in der Klasse M 70. Vier Runden über holpriges Pflaster in der Altstadt sind sie gerannt, vier Runden Rad gefahren und wieder zwei Runden gelaufen - insgesamt 15 Kilometer zu Fuß, 36 auf dem Rad, nicht mal zwei Stunden hat Heubel dafür gebraucht.

Der Reporter im HR-Studio weiß das nicht. Er erwähnt Brunnenfest, Seifenkistenrennen, den Hessentag 2011 und überraschend die Organisation Gehlen, Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, einst ansässig im frühen Reichssiedlungslehrhof und späteren Camp King der Amerikaner, das heute ein Wohnquartier ist. Und er spricht vom "kurioserweise schräg angelegten Marktplatz" und dem politischen Streit darum, während die Radler um Punkte sprinten und die Hubschrauber-Kamera Oberursel von oben zeigt.

Der schräge Marktplatz muss viel aushalten am "Sporttag des Jahres", wie der 1. Mai gern genannt wird, seit sich dort parallel zu den Radlern die Duathleten messen. An die 800 Männer und Frauen aus dieser Szene rumpeln jeweils viermal in halsbrecherischer Fahrt über das auf historisch getrimmte Pflaster und trommeln sechsmal mit ihren Füßen darüber, eher die Sieger feststehen.

Martin Krebs vom Organisationsteam war um halb fünf morgens einer der ersten auf der Piste, zwölf Stunden später waren die Helfer des Schwimmclubs und der Stadt immer noch im Einsatz. Auch für die Leute am Rande und die Anwohner ist der Altstadt-Duathlon eine Herausforderung.

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