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3,5 Millionen Euro kostete die Ultrafiltrationsanlage.

Oberursel

Filter gegen Viren

  • vonGabriele Calvo Henning
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Die Stadtwerke in Oberursel investieren in die Trinkwasseraufbereitung.

Ultrafiltrationsanlage – das hört sich nach Hightech an, und das ist es wohl auch. Im Taunus gebe es keine vergleichbare Anlage, betont der Geschäftsführer der Stadtwerke Oberursel, Jürgen Funke, bei der offiziellen Inbetriebnahme in der Wasseraufbereitungsanlage Hohemark. Auch finanziell setze das Projekt Maßstäbe: „Es wurden 3,5 Millionen Euro investiert. Damit handelt es sich um die größte Baumaßnahme der Stadtwerke in den vergangenen Jahren.“ Sie betreffe das Herz der Wasserversorgung der Stadt, denn rund 80 Prozent des Trinkwassers, das in die Haushalte gelangt, passiert die um die Ultrafiltration erweiterte Anlage zur Wasseraufbereitung an der Hohemark, erklärte der Stadtwerke-Chef in Anwesenheit von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) und dem Ersten Stadtrat Christof Fink (Grüne).

Wasseraufbereitung an dieser Stelle bedeutet nach der technischen und baulichen Erweiterung auch, dass das sogenannte Rohwasser, das in Stollen und Brunnen im Heidtränktal gefördert wird, jetzt zu fast 100 Prozent als Trinkwasser für die Oberurseler Haushalte und Abnehmer aufbereitet werden kann. Die erste Station ist dabei die Entsäuerung, die hier schon vor der Erweiterung lief. Sie wurde im Zuge des Projekts erweitert. Statt zuvor vier tun nun fünf große Entsäuerungsfilter ihren Dienst, wobei der fünfte für die Entlastung der bisherigen Filter gedacht ist.

In den Filtern wird das Wasser durch fein gekrümelten Kalkstein geleitet. Der Grund: Das Rohwasser ist sehr weich und sehr sauer. Unbehandelt würde es Schutzschichten in Rohrleitungen angreifen. „Mit der Entsäuerung wird das Wasser in ein sogenanntes Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht gebracht“, erklärt der Technische Leiter der Stadtwerke, Dieter Gredig. Mit einem pH-Wert von 7 bis 8 ist das Wasser nach der Behandlung viel weniger sauer und zudem mit Mineralien angereichert, ohne dass es zu hart wird.

Bakterien und Viren werden herausgefiltert

Jetzt kommt die in einem neuen Gebäudeteil in drei Blöcken aufgestellte Ultrafiltrationsanlage ins Spiel. Bei der handelt es sich auf den ersten Blick um 84 lange, hochkant aufgestellte und mit einem Leitungssystem verbundene Röhren, in die das Wasser geleitet wird. Das Innenleben dieser Module besteht aus dicht gepackten, dünnen Kunststoffröhrchen.

Sie sind die eigentliche Membran, die mit einer extrem kleinen Maschenweite Partikel aus dem Wasser filtern kann. Sie haben eine Größe von zehn Nanometern – das sind kaum vorstellbare 0,00001 Millimeter. Bakterien und Viren können so herausgefiltert werden, ebenso kleinste Teilchen, die sich nicht im Wasser lösen. „Letztlich führt die zusätzliche Aufbereitungsstufe zu einer ganzjährigen sicheren und mikrobiologisch einwandfreien Trinkwasseraufbereitung“, erklären dazu die Stadtwerke.

„Würde man alle Membranen ausbreiten, dann wären sie so groß wie ein Fußballfeld“, erläutert Gredig. Zusammengepackt zu Modulen ermöglichen sie eine zehnfach verringerte Trübung des Trinkwassers und eine bessere Nutzung des in Stollen und in Schürfungen gewonnen Rohwassers. Die neue Anlage hat eine Aufbereitungskapazität von insgesamt 465 Kubikmeter Wasser, die hier auf einmal behandelt werden können.

Im Hochbetrieb können bis zu 8000 Kubikmeter Wasser täglich durch die neue Filtrationsanlage fließen. Zurzeit wird erprobt, ob ihr Einsatz dazu führen kann, auf die Behandlung des Trinkwassers mit Chloroxid dauerhaft zu verzichten. Sollte die keine Beeinträchtigungen für das Trinkwasser ergeben, könne die Chloroxid-Anlage dauerhaft abgeschaltet und nur noch für Notfälle vorgehalten werden.

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