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Feuerklänge und Knisterbeete

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Im Bad Homburger Schlosspark laden Installationen zum Anfassen und Erleben ein. Entwickelt haben sie Schüler der Hölderlinschule.

Von Sonja Jordans

Am geräuschvollsten sind die Gänse und Enten. Laut schnatternd rennen sie über die Wiesen im Bad Homburger Schlosspark, suchen nach Futter oder jagen hintereinander her. Still scheint es zumindest in der Nähe der Vögel nie zu sein.

Seit Mitte Juni hat der idyllische Park zudem noch ganz andere Klänge zu bieten: Eine „Regen-Hör-Station“, „Klangfrüchte“, „Klangbeete“ und ein „Feuerklangwald“ ergänzen die Geräuschkulisse rund um das Schloss. Kinder der Jahrgangsstufe vier der Bad Homburger Hölderlinschule haben diese Klanginstallationen entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei von der Altana-Kulturstiftung.

Seit 2007 arbeitet die Stiftung mit der Schule zusammen, ermöglicht den Kindern, Musik, Literatur und bildende Künste näher kennenzulernen, so Maria Nußer-Wagner, Sprecherin der Stiftung. Dazu gehöre neben Museumsbesuchen das Entwickeln eigener Projekte. Eines sei die Installation der Klangelemente im Park gewesen, so Nußer-Wagner.

Gleich am Eingang des Parks hängen „Klangfrüchte“ in einem Baum: aus Bambus gefertigte Zylinder, die mit Kleinteilen gefüllt sind. Wer die an Schnüren befestigten „Klangfrüchte“ schüttelt, hört ein rasselndes Geräusch. Von Kinderhand gemalte Schilder erläutern, wie mit den Installationen umzugehen ist.

Winfried Marfels (81) weiß auch ohne Schild, was zu tun ist: „Meine Enkelin hat mir das alles erklärt“, sagt er und nimmt den Weg durch den „Feuerklangwald“. Dort gilt es, lange rote Stäbe, die wie ein Mobile über dem Weg aufgehängt sind, zur Seite zu drücken. Dabei erzeugen sie dumpfe Töne. „Man muss den Kopf einziehen, sonst macht es da drin auch bong“, scherzt Marfels.

Der Rentner geht beinahe täglich durch den Park, kennt die Klanginstallationen genau. „Leider sind einige schon kaputt“, bedauert er. Tatsächlich: Die Regenhörmaschine liegt demontiert am Boden, und auch das Seilsystem der „Wind-Klänge“ hängt nicht mehr in den Ästen eines Baums. Einzelne Stäbe aus dem Feuerklangwald liegen neben dem Weg.

„Von den sechs Installationen im Schlosspark sind zwei kaputt“, bestätigt Maria Nußer-Wagner. Vandalismus sei jedoch nicht der Grund. Sie seien „durch den Gebrauch verschlissen“. Es gehöre allerdings zum Konzept, dass die Dinge benutzt werden, „und dabei kann eben auch mal etwas kaputtgehen“, so die Sprecherin. Diese Vergänglichkeit sei ebenfalls Teil des Projekts. Es sei ohnehin nie geplant gewesen, die Installationen dauerhaft im Park zu belassen.

Auch das „Klang-Beet“ wird irgendwann verschwinden. Die in den weichen Parkboden eingelassenen Rechtecke sind jeweils gefüllt mit Schieferscherben, Tonscherben, Tannenzapfen, Ästen und Erde. Wer darüber läuft, hört die Materialien knistern, knacken und brechen – und spürt nebenbei, wie sie sich anfühlen. „Normalerweise achtet man gar nicht auf solche Details“, meint Marfels.

Der Rentner hat mit all den Installationen im Park Spaß. „Ist doch nett, diese Idee“, findet er. Besonders Kinder seien davon begeistert. „Meine Enkelin jedenfalls hat alles ausprobiert.“

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