Schlussstrich in Köppern

Waldkrankenhaus zieht nach Bad Homburg

Die Abstimmung war knapp, aber eindeutig: Das Waldkrankenhaus Köppern wird geschlossen. Ein Neubau entsteht am Homburger Kronenhof. Von Anton J. Seib und Klaus Nissen

Die Entscheidung ist gefallen: Das Waldkrankenhaus Köppern soll nach Bad Homburg auf das geplante Gelände der neuen Hochtaunuskliniken umziehen. Das hat der Aufsichtsrat der Trägergesellschaft Vitos am Dienstag in Kassel beschlossen. Nach Informationen der FR fiel die Abstimmung knapp aus.

Vor allem medizinisch-therapeutische Gründe sprächen für den Umzug, so der Aufsichtsrat. Die Patienten würden durch die räumliche Nähe zu einem Allgemeinkrankenhaus profitieren. Manche Patienten seien gleichzeitig körperlich und psychisch erkrankt, heißt es in einer Vitos-Pressemitteilung.

Vorbild Heppenheim

Zudem habe der Landeswohlfahrtsverband bereits 1980 damit begonnen, psychiatrische Abteilungen an allgemeinmedizinische Kliniken zu verlagern. Erst im vergangenen Jahr habe Vitos beschlossen, den Neubau seiner Psychiatrie in Heppenheim auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses zu bauen. Die Nähe zur A 661, an der der Klinikstandort liegt, stellt für Vitos "in erster Linie eine architektonische und bautechnische Herausforderung" dar, die lösbar erscheine.

Nach neuesten Berechnungen liegen laut Vitos die Kosten für einen teilweisen und kompletten Umbau in Köppern zwischen 19,9 Millionen und 21,2 Millionen Euro. Die Kosten für einen Neubau in Bad Homburg schätzt das Unternehmen auf 21,9 Millionen Euro. Bisher waren Berechnungen bekannt, wonach ein Umzug in die Kurstadt 30 Millionen, ein Neubau am Standort Köppern 18 Millionen Euro kosten würde.

Keine Resolution im Kreistag

Noch vor einer Woche wollten CDU und FDP nicht über die Ansiedlung der Psychiatrie neben den Hochtaunuskliniken sprechen. "Es wird auf keinen Fall Bad Homburg sein", meinte der FDP-Abgeordnete Frank Blechschmidt vor dem Kreistag. Der Kreis sei für die Psychiatrie nicht zuständig, ergänzte Landrat Ulrich Krebs (CDU). Mit dieser Begründung lehnte die CDU-/FDP-Mehrheit eine von der Linken, der SPD und den Grünen gestützte Resolution für den Verbleib des Waldkrankenhauses in Köppern ab.

Im Hintergrund sei der Umzug des Waldkrankenhauses nach Bad Homburg längst vorbereitet, mutmaßt der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus: Schon am 22. Dezember 2008 habe Krebs mit Uwe Brückmann - dem Chef des Landeswohlfahrtsverbandes - und der Leitung der Hochtaunuskliniken über eine Ansiedlung der Köpperner Psychiatrie in Bad Homburg gesprochen. Dabei sei das Projekt schädlich: Das Homburger Areal liege am Stadtrand. Es gebe hier keinen Wald, keine Gehwege, keinen Platz.

Am Kronenhof ist es laut, warnt die SPD-Abgeordnete Petra Fuhrmann. Das diene nicht der Heilung der seelisch angeschlagenen Patienten. "Man sieht von dort zwei Autobahnraststätten, an denen man sehr schnell wieder an Alkohol kommt".

Das Friedrichsdorfer Parlament habe sich einstimmig für den Erhalt des Waldkrankenhauses auf dem 37 Hektar großen Grundstück in Köppern ausgesprochen, erinnert Fuhrmann. "Mit einem Federstrich wird jetzt eine hundertjährige Geschichte kaputt gemacht."

Das Waldkrankenhaus beschäftigt 280 Mitarbeiter, die jährlich etwa 1600 Patienten, darunter Alkoholabhängige betreuen.

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