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Nur eine verkohlte Ruine blieb übrig vom Bürgerhaus Steinbach.

Stadt plant den Wiederaufbau

Steinbach Fahrlässige Brandstiftung verursachte im Februar den Brand im Bürgerhaus

Von Julia Radgen

Die Außenmauer des Backsteinbaus steht noch, doch auf der Fläche, die früher einmal den Saal des Steinbacher Bürgerhauses bildete, ist nur noch ein Wust aus Holz- und Metallteilen zu erkennen. Vor vier Wochen war der Bau während einer Fastnachtsfeier niedergebrannt, die Flammen griffen auf das nebenliegende Mehrfamilienhaus über. Das Dach ist komplett abgebrannt, in den verbogenen Rahmen der Fensterfronten zu beiden Seiten hängen nur noch einzelne Glasscherben. Schwarz angesengtes Dämmmaterial klafft aus den früheren Innenwänden.

Das Ausmaß der Zerstörung ist groß, langsam beginnt in Steinbach die Planung des Wiederaufbaus. „Wir sind sehr froh, aus dieser Schreckenssituation rausgekommen zu sein“, sagt Bürgermeister Stefan Naas (FDP). Auch der vordere Gebäudeteil des Bürgerhauses, der vom Feuer verschont blieb, ist momentan unbenutzbar. Die Garderobenständer und Barhocker im Foyer lassen bei einem Blick durch die Fensterscheiben alles wie gewohnt aussehen. „Kontaminierter Bereich“ steht aber auf dem Schild, das vor dem Betreten des Gebäudes warnt. „Wir haben erhöhte Schadstoffgrenzwerte in den Gängen“, sagt Naas.

Der Schaden, nicht nur in finanzieller Hinsicht, ist groß. Für die zahlreichen Vereine und Gruppen, die das Bürgerhaus nutzten, ist die Situation problematisch. Sie müssen Ausweichquartiere suchen oder ihre Veranstaltungen absagen. Derzeit würden Planungsfragen für den Wiederaufbau des Gebäudes geprüft und Architektengespräche geführt, sagte der Bürgermeister. „Wir sind aber noch weit entfernt vom ersten Spatenstich“, so Naas.

Familien können nicht zurück

Die Ermittlungen zur Brandursache sind inzwischen abgeschlossen. „Wir gehen von fahrlässiger Brandstiftung durch menschliches Fehlverhalten aus“, sagt Polizeisprecher Siegfried Schlott. So könne beispielsweise ein offenes Feuer im Bühnenbereich den Brand ausgelöst haben.

Im anliegenden Wohnhaus 27A laufen derweil die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Die Bewohner des achtstöckigen Gebäude wurden in der Brandnacht evakuiert. Ein Teil der Familien konnte schnell in seine Wohnungen zurückkehren. „Die oberen drei Stockwerke wurden am Dienstag von der Bauaufsicht wieder zu Wohnzwecken freigegeben“, sagt Steffen Bonk von der Stadt Steinbach. Drei Familien können noch immer nicht zurückkehren und sind als Notlösung in Sozialwohnungen untergebracht.

In einer dieser Wohnungen lebt derzeit Gray Kenne Tiwa mit seiner Frau und seinem Kind. Er hat im Feuer alles verloren. „Ich konnte noch meinen Laptop mitnehmen, aber sonst ist alles verbrannt“, sagt Kenne Tiwa. Die Familie hat sich häuslich eingerichtet, bekam Möbel geschenkt und tatkräftige Hilfe von den Steinbachern. Über eine Bürgerstiftung wurden laut Naas insgesamt 20000 Euro Spenden für die Betroffenen gesammelt. „Die Solidarität ist sehr groß“, sagt Kenne Tiwa, er sei sehr dankbar.

Ein Arbeitskollege habe ihm kurzerhand einen Tisch gekauft, damit die Familie zusammen im Sitzen essen könne. Kenne Tiwa wurde sogar vom Vermieter der Übergangswohnung ein unbefristetes Mietverhältnis angeboten. Bis er sich zu Hause fühlen kann, wird es aber wohl noch dauern.

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