+
Schallabsorber an den Rädern setzen Schwingungen in Wärme um.

U2-Ausbau in Bad Homburg

Schmiermittel gegen den Bahnlärm

  • schließen

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) präsentiert in Bad Homburg Optionen, wie der Lärm an der geplanten U2-Ausbaustrecke reduziert werden kann. Am 28. Oktober haben die Bürger das Sagen.

Rasengleise, eine Schmieranlage für die Schienen oder eine kleine Lärmschutzwand – die Verantwortlichen von Stadt und Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sehen einige Möglichkeiten, den Krach an der geplanten Ausbaustrecke zwischen der derzeitigen U-Bahn-Endhaltestelle in Gonzenheim und dem Bad Homburger Bahnhof zu minimieren. Wie das in der Praxis aussieht – und sich anhört – konnten am Donnerstag Politiker und Pressevertreter bei einer Rundfahrt erleben. Am 28. Oktober stimmen die Bewohner der Kurstadt in einem Bürgerentscheid über den U-Bahn-Ausbau ab. 

Wichtigste Station der Testtour war die neue U-Bahn-Haltestelle Riedberg, an der einige der Lärmschutzoptionen bereits im Einsatz sind. So gibt es zwischen den Schienen weder Schwellen noch Schotter, sondern es wächst Gras. „Das schluckt den Bodenlärm“, erläuterte der Technische Geschäftsführer der VGF, Michael Rüffer. Am Rand der Strecke stehen weiße Kästen, die durch kleine Schläuche mit den Schienen verbunden sind. Das sei eine Schmieranlage, erklärte Rüffer. Sie verhindere, dass die Räder der U-Bahn in Kurven zu quietschen beginnen – auf der Bad Homburger Strecke wichtig für die Ausfahrt aus dem geplanten Tunnel. 

Darüber hinaus sitzen am Riedberg in den Fugen, die die Schienen miteinander verbinden, keine starren, sondern bewegliche sogenannte Herzstücke. „Sie arbeiten wie Weichen nach den Weichen“, sagte Jürgen Tiesler, VGF- Projektleiter für die U2. Dadurch werde das früher übliche Rattern verhindert. 

Aber auch an den Fahrzeugen selbst könne man etwas machen, berichtete Michael Rüffer. Etwa durch Schallabsorber aus Gummi und Metall, die auf die Räder montiert werden, deren Schwingungen aufnehmen und in Wärme umwandeln. 

Dieses Verfahren sei im Planfeststellungsverfahren für den U2-Ausbau noch nicht berücksichtigt gewesen, sagte der Leiter der Bad Homburger Stadtplanung, Holger Heinze. Deshalb hatten die Stadtverordneten der Verwaltung in der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause den Auftrag gegeben, alle weiteren Möglichkeiten für einen zusätzlichen Lärmschutz an der geplanten Strecke zu prüfen, die mitten durch die Stadt führen soll. Dazu könnte auch eine kleine Lärmschutzwand von 30 bis 40 Zentimeter Höhe gehören. Voraussetzung sei aber, dass man sie sehr nah an die Gleise bauen könne und gleichzeitig noch genug Sicherheitsraum für Bahnarbeiter sei, erklärte Michael Rüffer. 

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), der sich gestern auf einer Teilstrecke selbst als U-Bahn-Fahrer betätigte, hatte den Stadtverordneten versprochen, dass die geforderte Untersuchung rechtzeitig vor dem Bürgerentscheid vorliegen wird. Das sei machbar, versicherte Holger Heinze. Voraussichtlich können sich die politischen Gremien bereits Ende August damit befassen. Details wollte er gestern noch nicht verraten. Wegen der Kürze der Zeit wird die Vorlage wohl vor allem die verschiedenen Lärmschutzoptionen aufzeigen. Die konkreten Maßnahmen müsste dann nach einem entsprechenden Votum der Bürger ein vertieftes Gutachten ermitteln.

Vor dem Entscheid im Oktober werde es noch eine öffentliche Informationsveranstaltung geben, kündigte Rathaus-Sprecher Andreas Möring an. Die Stadt gehe aktiv auf die Bürger zu, lobte Gonzenheims Ortsvorsteher Karl-Alexander Rastädter (CDU), der für den U-Bahn-Ausbau ist. Allerdings räumte er ein, dass im Ortsbeirat nicht alle so denken. „Wir haben heiße Diskussionen.“ 

Gegen das Projekt hat sich die FDP positioniert. Dabei sei auch der Lärmschutz ein Thema, sagte der Parteivorsitzende Rudolf Pietzke. Noch wichtiger aber seien die Kosten. „Es bringt den Bad Homburgern zu wenig“, findet er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare