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Elternprotest vor dem Kreistag.

Adolf-Reichwein-Schule

Protest gegen "Gammelbuden"

Eltern und Schüler der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach demonstrieren vor dem Landratsamt wegen verschimmelter Unterrichtscontainer - und einige auch darin.

Von Klaus Nissen

Es schimmelt schon wieder in den Unterrichts-Containern an der Adolf-Reichwein-Schule. Das treibt Schüler und ihre Eltern auf die Barrikaden. Am Montagabend demonstrierten etwa 100 Menschen vor dem Kreistag. Die Hochtaunus-Jusos setzten dem Protest eins drauf: In schwarzer Kleidung trugen sie einen kleinen Sarg in den Plenarsaal, verteilten „Todesanzeigen“ für das Schulbauprogramm. Sofort wies die Parlamentsvorsitzende Madeleine Funke (CDU) die Gruppe aus dem Saal und verhängte ein Fotografierverbot.

Die Demonstranten aus Neu-Anspach legten Landrat Ulrich Krebs (CDU) eine Dokumentation der Schäden vor; den Abgeordneten drückten sie Flugblätter in die Hand. „Schimmel bremst die Bildung aus“, riefen Reichwein-Schüler und ihre Eltern – und immer wieder: „Weg mit den Containern, Gesundheit ist das höchste Gut.“

Die Forderung der Demonstranten: Die Politiker sollten den Haushalt für 2011 ablehnen – bis der Kreis für erträgliche Unterrichtsbedingungen in Neu-Anspach sorgt. „Das Tauwasser hängt in der Zwischendecke“, klagte die Elternbeirats-Vorsitzende Cornelia Albrecht im Gespräch mit der FR. „Diese Container sind nicht zu retten!“ Es sei pure Geldverschwendung, wenn der Kreis, wie angekündigt, die Metallbauten in den Weihnachtsferien abzudichten versucht.

Die nach dem Reformpädagogen und NS-Widerständler Adolf Reichwein benannte Gesamtschule hat rund 1600 Schüler – mehr, als sie in regulären Klassenzimmern unterrichten kann. 2001 wurden deshalb am Rande des Schulgeländes die provisorischen Trakte B, D und F aufgestellt. Trakt B ist ein Holzpavillon mit sechs Räumen, der D-Container enthält 16 Klassenräume, der F-Trakt sechs Zimmer. Als Übergangsbehausung wären sie in Ordnung, räumen die Eltern ein.

Doch die Schulerweiterung verzögert sich; die Container sind nun bis 2017 für den Unterricht eingeplant. Die Schule soll einen Erweiterungsbau bekommen, doch dessen Planung will die CDU/FDP-Kreistagsmehrheit frühestens 2012 finanzieren. Für 2011 bewilligte der Kreistag gestern nur den Bau der zweiten Schulsporthalle. Die SPD beantragte vergeblich, den Neubau für 26 reguläre Schulräume vorzuziehen. Das würde der Schulgemeinde kurzfristig nicht helfen, entgegneten Sprecher von CDU und FDP. Sie beauftragten den Kreisausschuss, ein „alternatives Beschulungskonzept“ zu entwickeln, falls die Container sich bei der nächsten Untersuchung als gesundheitsgefährliche „Gammelbuden“ entpuppen. Dann will der Kreis die Container schließen und ein Ausweichquartier suchen oder neue Container mieten.

Seit Monaten gibt es Klagen, dass die Kinder mit Kopfschmerzen und Husten vom Unterricht heimkehren. Die Metallwände könnten weder die Feuchtigkeit regulieren noch Temperaturen ausgleichen, sagt Elternbeirätin Albrecht. Die Dämmung sei mangelhaft. In den Ecken trete Schimmel auf. Ende November ließ die Kreisverwaltung die Luft in den Containern untersuchen. Ergebnis: Sie enthalte keine erhöhten Konzentrationen von Schimmelsporen, aber einen erhöhten Anteil flüchtiger Gase, die von Schimmel oder Bakterien herrühren könnten.

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