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Florian Homm befindet sich auf der Fahnungsliste des FBI.

Oberursel

Die Werte des Florian Homm

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Fokus O. lädt den Börsenspekulanten Florian Homm zum Werte- und Wirtschaftskongress ein. Wegen umfangreicher Kursmanipulationen sucht ihn noch immer das FBI. Es führt ihn auf einer Liste der meistgesuchten Kriminellen.

Beim Werte- und Wirtschaftskongress am 8. Mai wird ein Protagonist ganz sicher polarisieren: Der in Oberursel aufgewachsene Florian Homm ist als einer der Hauptredner der Veranstaltung in der Stadthalle gesetzt.

Homm betätigte sich schon in jungen Jahren als Börsenspekulant, später als Manager von Hedgefonds. Unter anderem stand Harvard-Absolvent Homm im Laufe seiner Karriere und seinem Aufstieg zum Multimillionär in den Diensten von Julius Bär und Merrill Lynch, die bis zum Krisenjahr 2008 zu den einflussreichsten Schwergewichten der New Yorker Wall Street zählen. Offenkundig arbeitete Homm nicht immer mit sauberen Methoden.

Er geriet in Deutschland zeitweise ins Visier von Börsenaufsicht und Staatsanwaltschaft. Wegen umfangreicher Kursmanipulationen sucht ihn noch immer das FBI, führt ihn auf einer Liste der meistgesuchten Kriminellen. In Deutschland ist derzeit nichts gegen ihn anhängig, sagt die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu.

Allerdings soll er laut FBI Anleger, die ihm vertraut hatten, um insgesamt 200 Millionen Dollar betrogen haben, in den USA würde er Zeit seines Lebens nicht mehr freigelassen.

Wegen des Auslieferungsgesuches der USA wurde er im März 2013 in Italien in Untersuchungshaft genommen. Im Sommer vergangenen Jahres kam Homm dann aber aus der Haft und konnte nach Deutschland ausreisen, wohl auch, weil er an multipler Sklerose erkrankt ist. 2006 starb Homms Schwester Barbara an den Folgen dieser Krankheit.

Vom Saulus zum Paulus

Nun aber gibt sich ein geläuterter Homm als Posterboy des persönlichen Wertewandels – vom Saulus zum Paulus. 2007, so sagt er selbst, habe er sich „abgewandt“ von der Welt der Schönen und Reichen, dem Luxus. Anders als früher will sich der 55-Jährige nun nicht mehr für den Fotografen in großer Pose vor mallorquinische Luxusvillen stellen.

Stattdessen unterstütze er über karitative Stiftungen Notleidende, „vor allem misshandelte Frauen und Kinder“, so wird Homm vom Selbstständigenforum Fokus O. zitiert. Auch das westafrikanische Liberia soll von seinem Vermögen über eine Stiftung profitieren. Eine Kehrtwende gegenüber seinem früheren Leben habe er vollzogen, der christliche Glaube spiele für ihn nun eine ganz wesentliche Rolle.

Die Kongress-Veranstalter sind begeistert. In der Vita Homms sehe man „Licht und Schatten“, so Michael Reuter von Fokus O, das den Kongress ausrichtet. „Seine Biografie liest sich wie ein Roman“, schwärmt Reuter. Er sei vielen Menschen in Oberursel bekannt, sie wüssten, wie es um Homm bestellt sei.

Der hatte im November einen Vortrag im bayerischen Erding gehalten. Auch da ging es um seinen Wandel und um die Hingabe, die man benötigt, um etwas zu erreichen. Anke Berger-Schmitt, als Leiterin der Klinik Hohe Mark bei Fokus O aktiv, sieht Florian Homm wegen seines persönlichen Wertewandels als geeigneten Referenten.

Der trug seine Geschichte auch in der Vergangenheit öfter in die Öffentlichkeit, schrieb unter anderem ein Buch über seine bewegte Vita. Auch die US-Ermittler brauchten nach Bildern für die Fahndungsseite im Netz nicht lange zu suchen: Einige der Aufnahmen von Homm auf dem FBI-Steckbrief entstammen ZDF-Talkshows, in denen er zu Gast war.

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