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Der fatale Fünfziger für den Polizisten

Bad Homburg/Oberursel Taxifahrer muss wegen Bestechungsversuchs 2400 Euro Strafe zahlen

Von Klaus Nissen

Der Kunde wartete schon länger – deshalb drückte der Taxifahrer aufs Gaspedal. Mit hohem Tempo fuhr der 22-Jährige seine Droschke über die A661 in Richtung Hohemark, um seinen Fahrgast im Hotel an der Waldlust abzuholen.

Schon im Tunnel am Ende der Autobahn ärgerte sich der junge Taxilenker über das vorausfahrende Auto. „Der Herr darin hat mich die ganze Zeit ausgebremst“, sagt der Angeklagte am Dienstag vor dem Amtsgericht, noch immer voller Empörung. „Wo Tempo 100 erlaubt war, ist er nur 80 gefahren!“ Der „Schleicher“ war am 17. Mai 2010 gegen 22 Uhr auf dem Heimweg von seiner Spätschicht am Frankfurter Flughafen. Der in Oberursel wohnende Polizeihauptmeister prüft dort die Echtheit von Ausweisen und Urkunden.

Als beide Autos den Kreisel am Ende der Hohemarkstraße durchfahren hatten, gab der Taxifahrer richtig Gas. Er habe die drei an der Fußgängerampel wartenden Passanten ignoriert und ihn selber um den Mittelbau der Ampelanlage herum auf der Gegenfahrbahn überholt, so der Polizist am Dienstag im Zeugenstand. Danach sei das Taxi die Hohemarkstraße hinuntergerast. „Es hat mich negativ beeindruckt, dass einer so leichtsinnig Personen gefährdet, nur weil da Kunden warten.“

Wenige hundert Meter weiter sah der Polizist das Taxi an der Waldlust stehen. Er stieg aus, stellte den Fahrer zur Rede und verlangte seinen Ausweis. Der junge Mann sei aufgeregt gewesen, als er dort in seiner blauen Uniform auftauchte. Er habe ihm den Führerschein gegeben und dann gefragt, was die Folgen dieser Kontrolle seien. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und womöglich ein Fahrverbot, antwortete der Polizist.

„Eine Unverschämtheit“

Da bekam es der junge Mann wohl mit der Angst zu tun: Er arbeite im Taxibetrieb seines Vaters und brauche doch seinen Führerschein. Dann habe der Taxifahrer ihm 50 Euro angeboten, berichtet der Polizist vor Gericht. Damit man die Sache vergessen könne. „Und wenn Sie mir eine Million anbieten, ist trotzdem eine Anzeige fällig“, entgegnete der Uniformträger. Der Taxifahrer verstand ihn miss: Er habe doch nur 50 Euro bei sich und könne nicht mehr geben. Das sahen Polizist und Staatsanwaltschaft als Bestechungsversuch an, strafbar mit bis zu fünf Jahren Haft.

„Es ist in einer Situation der Aufgeregtheit passiert“, sucht die Verteidigerin Monika Banzer zu beschwichtigen. Doch ihr Mandant nennt sich immer wieder unschuldig: „Ich habe nicht bestochen!“ Staatsanwalt und Richterin meinen: Es gebe keinen Grund, warum der so korrekt wirkende Polizist lügen sollte. Richterin Gudrun Kurschat: „Einem Polizisten 50 Euro anzubieten, ist eine Unverschämtheit. Weil Sie dem Beamten damit Bestechlichkeit unterstellen.“ Er habe doch kein Geld angeboten, beteuert der junge Mann.

Es hilft ihm nicht, er muss 2400 Euro Geldstrafe zahlen. Nach dem Urteil verlässt er im Kreise seiner Familie den Gerichtssaal, schiebt die Brille hoch und wischt sich die Tränen aus den Augen.

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