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Kaiserin-Friedrich-Gymnasium

Explosiver Mix im Chemiesaal

Wenn beim Chemieexperiment etwas schief geht ... Der "Tag der offenen Tür" am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg endet mit einem Einsatz der Sprengstoffspezialisten des LKA.

Von Jürgen Streicher und Gerhard Rhode

Es sollte nur ein bisschen knallen und krachen, so wie es Knallerbsen tun, wenn sie auf den Boden geworfen werden. Damit ein bisschen Leben in die Bude kommt beim „Tag der offenen Tür“ im Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) an diesem Samstagvormittag. Doch plötzlich wurde aus der vermeintlich harmlosen Mischung zweier getrennt ungefährlicher Chemikalien eine hochexplosive Mixtur. „Es hätte gereicht, den ganzen Chemieraum in die Luft fliegen zu lassen und alle Fenster rauszuhauen“, sagte Daniel Guischard der FR. Der Bad Homburger Feuerwehrchef übernahm beim Großeinsatz am KFG die Einsatzleitung für die Feuerwehren vor Ort.

Noch unklar ist, wie es passieren konnte, dass Schüler des Leistungskurses Chemie der Jahrgangsstufe 12 das explosive Gemisch herstellen konnten. Nach ersten Erkenntnissen gerieten bei der Produktion versehentlich die Mengenangaben durcheinander. Statt mit Milligramm hantierten die Schüler mit Gramm, das Produkt, laut Feuerwehrleiter Guischard etwa 50 Gramm, hatte plötzlich die 1000-fache Sprengkraft. Im Chemiesaal im dritten Stockwerk des Seitentrakts war etwas gründlich schiefgegangen. Die meisten Schülerinnen und Schüler der fast 1700-köpfigen Schulgemeinde waren schon gegangen, die letzte Stunde des Tages der offenen Tür war angebrochen.

Von einem „Missgeschick im Rahmen eines Schülerexperiments“ spricht die Schulleitung am Samstagnachmittag in einem kurzen Statement auf der Internet-Homepage der Schule. Als „Vorsichtsmaßnahme“ habe die Schulleitung „daraufhin umgehend den Chemietrakt gesperrt“. Durchsagen gab es nicht, Panikmache sollte vermieden werden. „Es bestand zu keiner Zeit Gefährdung für Personen“, heißt es abschließend in der Meldung ohne Namen des Verfassers.

Feuerwehr, Polizei, Rettungskräfte und das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden hatten die Situation anders bewertet. Stundenlang waren Martinshörner rund um den Schulbereich zu hören, die Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Straße „Auf der Steinkaut“, Adresse der Schule und des Amtgerichts Bad Homburg, war zwischen Seedammweg und Kinzigstraße mehrere Stunden gesperrt. Die Stadtbusse wurden umgeleitet, sechs Haltestellen konnten in dieser Zeit nicht angefahren werden.

In den geräumten Seitenbau rückten unterdessen Spezialisten des Landeskriminalamtes ein. Sie bugsierten einen sogenannten Sprengstoff-Roboter in den Aufzug zum Chemiesaal. Im zweiten Anlauf gelang es dem Vernehmen nach den LKA-Experten, den gefährlichen Stoff mit dem Roboter zu bergen. Durch das Benetzen der inzwischen eingetrockneten Lösung mit Alkohol konnte die Gefahr gemindert werden.

In einem Konvoi mit Polizei, LKA, Feuerwehr, Rettungswagen und Notarzt wurde der Stoff dann in den Steinbruch der Taunus-Quarzit-Werke Köppern in der Nähe des Bahnhofs Saalburg gebracht. Dort wurde das Produkt der jungen Chemiker kontrolliert gesprengt. Der längste Tag der offenen Tür am KFG hatte ein gutes Ende genommen.

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