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Exhibitionist fährt Bus

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Von: Olaf Velte

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Das Amtsgericht Bad Homburg verurteilt einen rückfälligen Geschäftsmann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Seine Übergriffe begeht er an Kindern und Teenagern in Linienbussen.

Um 17.21 Uhr steigt A. in den Stadtbus, eine Minute später hat er schon ausgepackt. Sein Geschlechtsteil. Das er einem gegenüber sitzenden Schulmädchen vorführen will. Während die Dreizehnjährige in Tränen ausbricht und beim Busfahrer Hilfe sucht, packt A. wieder ein. Und steigt um 17.28 Uhr an der nächsten Haltestelle aus. Sieben Minuten, die dem Amtsgericht von Bad Homburg als Videoaufzeichnung vorliegen und die Anklage „Sexueller Missbrauch von Kindern“ untermauern.

Auf der Anklagebank sitzt ein Mann im dunklen Jackett, das Haar akkurat gescheitelt, gut situiert. Ein Geschäftsmann, der in Frankfurt geboren ist und noch immer dort wohnt. In Unternehmensangelegenheiten ist er viel unterwegs. Mit dem Pkw kommt er am 25. Juli 2011 nach Bad Homburg, wo er nach getaner Arbeit die Bushaltestelle am Bahnhof aufsucht. „Ich habe eine weibliche Person gesucht – egal, wie alt“, sagt A. vor der zuständigen Jugendrichterin. Die Filmaufnahme zeigt ihn mit Sonnenbrille und Plastiktüte, zeigt das Öffnen des Hosenschlitzes, die sogenannte Manipulation.

Fünf Opfer innerhalb zweier Wochen

A. ist kein unbeschriebenes Blatt. Wenn er Bus fährt, führt er etwas im Schilde. Bereits 2010 wurde der Exhibitionist in fünf Fällen verurteilt, lebt seitdem auf Bewährung in Freiheit. Das Alter der gesuchten weiblichen Personen kann ihm so egal nicht sein: Immer sind es Kinder und Teenager, die er missbraucht. Fünf Mädchen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren werden innerhalb zweier Wochen in Wiesbaden seine Opfer. Alle Übergriffe geschehen in Linienbussen und bei hellem Tageslicht. Weitere Fälle aus Frankfurt und Darmstadt sind dem Gericht bekannt. Von einer Tat in Offenbach ist am Rande der Verhandlung auch die Rede.

Der 59-Jährige – geschieden, zwei erwachsene Söhne, eine Lebensgefährtin, die von all dem nichts erfahren darf – macht keine Ausflüchte, bekennt sich zu dem jüngsten Tatvorwurf: „Das ist so abgelaufen.“ Er sei gezielt vorgegangen, habe den Blickkontakt zu dem Mädchen gesucht und sich unsittlich in Szene gesetzt. Mit seinem Geständnis erspart er der jungen Bad Homburgerin eine Zeugenaussage – was am Ende positiv angerechnet wird.

Wiederholungsgefahr ist groß

Überhaupt stehen die Sterne günstig für den Frankfurter: Weil die verordnete Sexualtherapie erst nach Juli 2011 so richtig in Fahrt kam, wird der Verstoß gegen die Bewährung nicht mit aller Härte geahndet. Nochmals verurteilt ihn das Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die Bewährung wird auf vier Jahre ausgedehnt. Jahre, in denen der gelernte Koch seine Therapie fortführen und intensivieren muss. „Die Wiederholungsgefahr ist groß“, sagt die Bad Homburger Richterin und warnt vor der drohenden Gefängniskarriere. Das ärztliche Gutachten spreche von Kontrollverlust, schwieriger Therapie und dringlichem psychiatrischen Beistand.

Im Gerichtssaal ist auch A.’s Bewährungshelfer anwesend. Er besuche den Angeklagten regelmäßig zu Hause, halte wöchentlichen Kontakt. „Als Sexualstraftäter ist er mit Priorität 1 eingestuft.“ Da die Rückfallquote bei Exhibitionisten sehr hoch sei, müsse sich A. jetzt tiefer auf die Therapie einlassen.

Neben tausend Euro für das Frankfurter Männerzentrum soll der Geschäftsmann laut Gerichtsbeschluss auch 500 Euro Schmerzensgeld an die Schülerin zahlen. Dem Mädchen wolle er mehr bezahlen, sagt A. „Mir tut das alles so leid.“

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