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Ex-Elternbeirat erneut vor Gericht

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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. © ddp

Wegen des Besitzes von Kinderpornografie steht ein 51-Jähriger aus Neu-Anspach erneut vor Gericht. Ein FBI-Experte erscheint dabei mit schusssicherer Weste. Von Sabine Maurer

Von Sabine Maurer

Er ist Vater, war Elternbeirat in einer Grundschule und ist schon wieder wegen des Besitzes von Kinderpornos angeklagt. Die Polizei fand auf den Computern des 51-jährigen Neu-Anspachers etliche Fotos und Videos von vergewaltigten oder auf sonstige Weise missbrauchten Kindern - einige von ihnen waren noch nicht mal im Kindergartenalter.

Beim Prozessauftakt im Usinger Amtsgericht gibt sich der Mann ebenso großspurig wie unschuldig. Es sei ein Mysterium, verkündet er lautstark. Nie habe er nach Kinderpornos im Internet gesucht, an so etwas habe er gar kein Interesse. Vielleicht sei ein Computer-Virus schuld, das die Seiten automatisch öffne.

Im Zuschauerraum sitzen Eltern von Schülern der Neu-Anspacher Grundschule und hören ungläubig zu. Der Angeklagte gehörte bis vor kurzem noch zum Elternbeirat. Im Herbst hatte er sich wählen lassen, da war der Vater von vier schulpflichtigen Kindern schon wegen des Besitzes von Kinderpornografie rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt. Erst auf öffentlich Druck hin, gab er sein Amt auf.

Im vergangenen Jahr dann geriet er erneut unter Verdacht. Das amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) kam ihm auf die Spur, verdächtigt ihn, eine Kinderporno-Seite zu betreiben und gab den Hinweis an die deutschen Behörden weiter. Die Polizei untersuchte das Haus und fand auf den Computern mehr als 700 Fotos und 15 Filme mit Kinderpornos. Ein Rechner stand sogar im Kinderzimmer. Bei der Polizei erzählte der Mann, dass dieser Computer einem seiner Söhne gehöre. Bei der Gerichtsverhandlung sagt er dazu nichts mehr.

Keine Frage unbeantwortet lässt dagegen ein Computerexperte, der unter anderem für das FBI arbeitet. Der Mann erscheint mit kugelsicherer Weste im Gericht. "Ich bin schon oft angeschossen worden", erklärt der Amerikaner seinen Aufzug. Als Sachverständiger hat er die Computer des Angeklagten untersucht. Er stellt klar: Kinderpornos finden sich im Internet nicht einfach so, nach ihnen muss gezielt gesucht werden.

Es sei sicher, dass auf den Computern des Mannes Bilder und Videos mit diesem Inhalt angeschaut worden seien. Zwar seien die Bilddateien sehr regelmäßig in kurzen Abständen gelöscht worden, doch das habe nichts genutzt. Die Computerexperten hätten sie bei der Untersuchung alle wiederhergestellt. "Das kann man auch noch nach Jahren machen", sagt der Experte vor Gericht.

Auf ihn kommt nun weitere Arbeit zu, der Richter beauftragt den Fachmann mit einem Ergänzungsgutachten. So soll er etwa feststellen, ob der Angeklagte die Daten aktiv aus dem Internet heruntergeladen hat. Wenn dieses Ergänzungsgutachten fertig ist, soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Das wird vermutlich im Frühjahr sein. Dem Mann droht eine Geld- oder Haftstrafe.

Bei seinem ersten Gerichtsverfahren im April 2009 hatte der Angeklagte nur wenig zu seiner Verteidigung vorgetragen. Wenn er erzählen würde, müsse er freigesprochen werden, behauptete er damals, beließ es aber bei der Andeutung. Damals war ihm die Polizei gleich zweifach auf die Schliche gekommen: Er ging ihnen bei einer Fahndungsaktion im Internet 2006 ins Netz, außerdem zeigte ihn etwa zur selben Zeit sein damaliger Arbeitgeber an, auch im Büro soll Kinderpornos angesehen haben.

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