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Europa ist wichtiger geworden

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Von: Denis Hubert

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Tilman Wittershagen (Deutsche Bank), Matthias Rust, die siegreichen Schüler Larissa Partenheimer, Max Schemann und Kevin Shi, ihr Lehrer Hans-Jürgen König, VhU-Geschäftsführer Jörg Feuchthofen (v.l.).
Tilman Wittershagen (Deutsche Bank), Matthias Rust, die siegreichen Schüler Larissa Partenheimer, Max Schemann und Kevin Shi, ihr Lehrer Hans-Jürgen König, VhU-Geschäftsführer Jörg Feuchthofen (v.l.). © Peter Hanack

Die Brexit-Verhandlungen haben begonnen - hat das auch Auswirkungen auf die Menschen im Rhein-Main-Gebiet? Das haben Bad Homburger Gymnasiasten erforscht.

Die Austrittsverhandlungen für den Brexit haben am Montag begonnen. Bis Mitte 2019 will Großbritannien die Europäische Union verlassen. Hat das auch Auswirkungen auf die Menschen im Rhein-Main-Gebiet? Das fragten sich Larissa Partenheimer, Max Schemann und Kevin Shi – und fanden ausgezeichnete Antworten.

Das Trio vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg hat im Wettbewerb „präsentieren & gewinnen“ gesiegt, den die Frankfurter Rundschau mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und der Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft (LAG) ausgerichtet hat. „Brexit – was geht uns das an?“, lautete ihr Thema.

Nun haben die Ausgezeichneten ihre Arbeit in der heimischen Schule einem Fachpublikum und vielen Mitschülern präsentiert. Dafür bekamen sie jede Menge Lob. Von einer „handwerklich exzellenten Arbeit“ sprach Laudator und Deutsche-Bank-Sprecher Tilman Wittershagen. Die Schüler hätten das Thema sehr anschaulich erklärt und gegliedert sowie eine persönliche Affinität hergestellt.

Die Schüler zeichneten den Verlauf der Brexit-Verhandlungen nach, analysierten unterschiedliche Exit-Modelle von Norwegen bis Schweiz und arbeiteten heraus, wie Deutschland und Großbritannien verflochten sind. So hätten mehr als 2500 deutsche Unternehmen Niederlassungen in Britannien; 3000 britische Firmen seien in der Bundesrepublik aktiv.

Zudem sprachen die Ausgezeichneten über Auswirkungen auf die EU-Gemeinschaft sowie auf Frankfurt und Bad Homburg. Dabei bezogen sie Bürger mit ein, interviewten Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und ortsansässige Unternehmen.

Während sie beim Gesundheitskonzern Fresenius keine Auswirkungen feststellen konnten, dürfte der Brexit die Ringspann GmbH schwerer treffen. Im Falle eines „harten Brexit“ – dabei scheiden die Briten auch aus dem EU-Binnenmarkt aus – müsste das Unternehmen die Lagerbestände in ihrer britischen Niederlassung erweitern, da sich Auslieferungen künftig verzögern würden.

Daran schloss sich eine Diskussion an, bei der die Teilnehmer den Brexit auch auf ihre eigene Lebenssituation bezogen. Ist Europa wichtiger geworden, fragte Peter Hanack, der die Veranstaltung mit LAG-Geschäftsführer Matthias Rust moderierte. Der Großteil der anwesenden Schüler bejahte das. Auch Mutter Beate Schemann befand: „Die Scheinsicherheit, dass das Modell Europa unantastbar ist, gibt es nicht mehr.“ Deshalb, so Max Schemann, sei es nun an der Zeit, über die politische Zukunft der EU nachzudenken. „Der Brexit hat Versäumnisse in der EU aufgedeckt.“

Zuspruch bekam er vom europapolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im hessischen Landtag, Tobias Utter. „Alle Sonderregelungen für Großbritannien waren ein Fehler“, sagte er. Das sah auch SPD-Landtagsmitglied Elke Barth so. „Wir müssen jetzt hart verhandeln, um anderen Ländern kein Vorbild zu bieten.“ Sie glaubt, dass die Briten „sich noch umschauen werden, was sie alles für Nachteile einstecken müssen“.

Auch die Herausforderungen für die Region könnten zunehmen, wenn Banken ins Rhein-Main-Gebiet abwandern. Tilman Wittershagen glaubt, dass die Investitionen zunehmen werden. „Deutschland hat einen sehr hohen Stellenwert.“ Hinter den Kulissen liefen Gespräche, um Regelungen für Standortverlagerungen zu treffen.

Wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus? „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass die Leute mit Mann und Maus umziehen“, sagte Wittershagen. Vielmehr würden neue Arbeitskräfte für frei werdende Jobs gebraucht. „Das ist eine Chance, aber auch ein Kraftakt.“ Denn unzählige gut ausgebildete Fachkräfte in der Finanzdienstleistungsbranche gebe es nicht.

Kollabiert in Großstädten wie Frankfurt dann auch der Wohnungsmarkt, wo bereits heute ein Verdrängungswettbewerb herrscht? „Man kann Wohnungen nicht aus dem Boden stampfen“, sagte Tobias Utter. Er möchte gegensteuern und Menschen das Wohnen auf dem Land schmackhaft machen. Aber wollen junge Leute dort überhaupt leben? Die Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums eher nicht. „Das Land ist für junge Leute sehr unattraktiv“, sagte Max Feyerabend.

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