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35 Euro für die Nacht

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Leistung und Bezahlung klaffen auseinander, meinen Ärzte.
Leistung und Bezahlung klaffen auseinander, meinen Ärzte. © dpa

Die Ärzte an den Hochtaunuskliniken in Bad Homburg und Usingen streiken für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Von Anton J. Seib

Von Anton J. Seib

Der Jahresbeginn vor vier Jahren ist Frank Hillmann in schlechter Erinnerung. Der Chirurg an den Hochtaunus-Kliniken musste richtig ran. "Ich habe in einer Woche 114 Stunden gearbeitet", erinnert sich der Weilroder. Vier Tage in dieser Woche verbrachte er rund um die Uhr im Usinger Krankenhaus. "Danach war ich zwei Wochen krank", sagt der Arzt.

Heute sei es nicht mehr ganz so schlimm, aber viele Ärzte seien immer noch deutlich über 60 Stunden pro Woche im Einsatz. Dennoch streiken er und und etwa 30 Kollegen an den Standorten Bad Homburg und Usingen gegenwärtig für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Vergütung der Nachtarbeit. Fünf Prozent mehr Gehalt fordert die Ärztegewerkschaft Marburger Bund für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Zudem verlangt sie ein Ende von gesetzeswidrig überlangen Arbeitszeiten. "Bereitschaftsdienste werden von den Arbeitgebern zunehmend als Ersatz für Vollarbeit missbraucht", so ein Sprecher des Marburger Bundes.

Das kann Frank Hillmann, der am Standort Usingen den Streik organisiert, bestätigen. In Bad Homburg müssten Ärzte regelmäßig ihre normale Arbeitszeit in den Bereitschaftsdienst verlängern. Es könne vorkommen, dass ein Arzt für eine Nacht Bereitschaftsdienst mit einem Zuschlag von 35 Euro nach Hause geht.

Das, so lässt der Marburger Bund in einer Erklärung verlauten, sei im Verhältnis zu der damit verbundenen Arbeitsbelastung "absolut unverhältnismäßig". Hillmann: "Wir sind in der Nacht deutlich billiger als tagsüber. Und das wissen die Arbeitgeber auch für sich zu nutzen."

Und noch etwas ärgert den Gewerkschafter. "An mir bleibt immer mehr Büroarbeit hängen, durchschnittlich drei Stunden am Tag. Ich bin inzwischen Facharzt für Verwaltungsmedizin und Büroheilkunde", so der sarkastische Kommentar des Chirurgen.

Besonders verärgert sind die gewerkschaftlich organisierten Mediziner darüber, dass die Hochtaunus-Kliniken als einziges Krankenhaus in Hessen mit dem Marburger Bund keine Notdienstvereinbarung während des Streiks getroffen haben. Klinik-Geschäftsführerin Julia Hefty hält das nicht für nötig. Die Gewerkschaft halte beispielsweise zwei Ärzte in der Anästhesie für die Notfallversorgung für ausreichend. Zu wenig, findet Hefty. "Unser Betrieb läuft ohne Notdienstverordnung deutlich besser", sagt Hefty. In den eineinhalb Wochen Streik habe sie nur zweimal Ärzte dienstverpflichten müssen, um dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden.

Allerdings spürt auch sie den Druck durch den Streik. "Wir haben alle planbaren Behandlungen verschoben. Es werden nur noch Notfälle behandelt. Das kostet uns eine Menge Geld."

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