1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Die Erzieher von morgen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Fabian Böker

Kommentare

Sitzen hier künftige Erzieher am Tisch? Kita-Leiter Christian Röder (2. v. r.) ist gespannt.
Sitzen hier künftige Erzieher am Tisch? Kita-Leiter Christian Röder (2. v. r.) ist gespannt. © Renate Hoyer

Erzieher, Frisör oder Pflegekraft, diese Berufe werden überdurchschnittlich oft von Frauen ausgeübt. Der Boys’ Day soll auch in Bad Homburg dafür sorgen, dass auch Jungen diese Berufe kennenlernen.

Die Unterteilung in männliche und weibliche Berufe könnte als reaktionär gelten. Fakt ist aber, dass es Berufsgruppen gibt, in denen die Frauen überproportional repräsentiert sind. Dazu zählen Frisöre, Erzieher und Pflegekräfte ganz besonders. Beim Boys’ day an der Bad Homburger Agentur für Arbeit konnten 24 Jungs nun am Donnerstag in diese Berufe zumindest einmal hineinschnuppern.

Der zehnjährige Tim Willkomm aus Frankfurt zum Beispiel. Erst guckt er durchaus interessiert zu, wie eine Frisörin einem Mann die Haare schneidet. Doch so richtig blüht er erst auf, als er am Tisch der Kindertagesstätte Eschbachtal sitzt.

Deren Leiter Christian Röder hat zu Beginn erklärt, was Erzieher eigentlich machen. Die Jungen vom Boys’ day können ihre Meinungen kundtun, Röder stellt so manches richtig. Erzieher bringen den Kindern zum Beispiel nicht die Sprache bei. Dafür andere wichtige Dinge des Alltags, etwa wie man einen Stift richtig hält. Vor allem aber kümmern sie sich um die Kinder. Das können Tim und seine Mitstreiter direkt ausprobieren.

Ganz begeistert widmet sich Tim den Magnetsteckteilen, setzt sie gemeinsam mit zwei anderen Jungen und dem kleinen Moritz aus der Kita zusammen. Während drei Jungs ein paar Meter weiter eher gelangweilt Papierflieger basteln, stellt Kita-Leiter Röder mit Blick auf Tim fest: „Man merkt recht schnell, wer mit Kindern umgehen kann und wer nicht.“ Danach steht Uno auf dem Programm. Tim nimmt die Karten, spielt aber nicht gegen das Kita-Kind Nico, sondern mit ihm. Er nimmt Nico in den Arm, hilft ihm, zeigt große Empathie.

In der anderen Ecke des Raumes werden derweil wieder Haare geschnitten. Acht Jungen schauen sich das an, eine Auszubildende beantwortet die Fragen. Warum sind die Fächer Politik und Wirtschaft bei der Ausbildung wichtig? Für den Fall einer späteren Selbständigkeit als Frisör. Dann muss man wissen, was es mit Arbeitsrecht und Verträgen auf sich hat. Was bedeuten die Zahlen an den Haarmustern? Das sind Farbzahlen, die man kennen muss, wenn Haare gefärbt werden. Dass dafür wiederum ein paar Chemie-Kenntnisse vonnöten sind, leuchtet den Jungen ein.

Ob nun wirklich jemand von ihnen später Frisör wird, ist offen. Dass diese Branche aber nicht nur ein Männer-, sondern generell ein Nachwuchsproblem hat, ist offensichtlich.

Heike Schubert, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Arbeitsagentur und Organisatorin des Boys’ day, erzählt, dass es in diesem Jahr im Hochtaunus gerade einmal 13 Frisörgesellen gibt. Da spielt das Geschlecht dann auch keine Rolle.

Auch interessant

Kommentare