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Japaner im Hochtaunus

"Die ersten Tage habe ich oft geweint"

Die Katastrophe von Fukushima beschäftigt auch viele Menschen im Hochtaunuskreis - und nicht nur Menschen mit japanischen Wurzeln oder Bekannten.

Von Desirée Brenner

Tatsuzo Ota erinnert sich noch genau an den 11. März. „Ich habe im Internet von dem Tsunami erfahren“, erzählt er, „danach war ich die ganze Nacht wach und verfolgte die Nachrichten.“ Ota ist Japaner und Eigentümer des japanischen Restaurants Kai-Oh in Bad Homburg, er lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Er hat Freunde und Familie in Japan, einige davon leben 500 Kilometer von Fukushima entfernt, andere in Tokio. „Die ersten Tage habe ich oft geweint“, sagt Ota. Doch dann habe er gemerkt, dass er mit seinem Kummer nicht alleine ist: „Meine Kunden fragen mich oft, wie es mir geht, und spenden viel“, so Ota. Besonders gerührt hat ihn die Geste eines Nachbarn, der aus Solidarität die japanische Flagge aus seinem Fenster gehängt hat. „Jetzt könnte ich weinen, weil alle so mitfühlend sind.“ Seine Bekannten, kämpfen in Tokio derweil mit Stromausfällen, Nachbeben und der Angst vor der atomaren Strahlung. Die Stadt verlassen sie dennoch nicht – der Grund dafür sei nicht unbedingt Solidarität mit der Stadt, sondern weil sie ihr Leben nicht verlassen wollten. Die Arbeitssituation in Japan sei viel schlechter als hier in Deutschland.

Die japanische Katastrophe berührt die Menschen im Hochtaunus stark. Die Oberurseler Hochtaunusschule veranstaltete vor kurzem sogar eine Gedenkfeier für die Opfer des Tsunamis und der Radioaktivität. 300 Schüler beteiligten sich daran und warfen Fragen auf: „Wie kann man sein Leben für fremde Menschen aufs Spiel setzen?“ oder: „Was hält die Menschen, die alles verloren haben, am Leben?“.

Shier Felicitas weiß, was es bedeutet, wie die Japaner durch den Tsunami oder die Katastrophe in Fukushima plötzlich die Heimat zu verlieren. Die 80-jährige wurde selbst als kleines Mädchen nach dem Weltkrieg aus Schlesien vertrieben. „Innerhalb einer Stunde haben wir alles stehen und liegen lassen und sind gegangen“. Es habe ihr jedoch nichts ausgemacht, weil es in ihrer Familie Harmonie gegeben habe. „Wenn das Fundament in Ordnung ist, erträgt man viel“, so Felicitas. Das erkläre auch, warum die Japaner so ruhig mit der Krise umgingen. „Japaner sind nicht egozentrisch, sie gehen auf andere ein“, so Felicitas, die selbst Bekannte aus Japan hat.

Aljosca Gehlhar aus Oberursel geht eher pragmagisch mit der Katastrophe um. Er hört öfter Nachrichten als vorher. „Ich will wissen, ob die Japaner die Lage in den Griff bekommen.“ Uwe Lieberwirth, den Straßenmusiker in Bad Homburg, macht die Weltlage seit einiger Zeit traurig. In sich gekehrt sitzt er oft gegenüber dem Kurhaus an der Louisenstraße und zupft an seiner Gitarre. Der 49-Jährige ist nachdenklicher geworden – „doch was hilft das den Opfern?“, fragt er.

Lieberwirth hat eine Idee, die er sein „utopisches Ideal“ nennt. Die Regierung solle alle Arbeitslosen nach Japan schicken, dort würden dringend Helfer gesucht. Ob er jedoch selbst das Risiko der atomaren Strahlung auf sich nehmen wolle, weiß er nicht. Eines sei jedoch klar: „Ohne Atomkraftwerke“, so Uwe Lieberwirth, „wäre Fukushima nicht passiert. Ich bewundere“, so Lieberwirth, „wie die Japaner ihr Schicksal scheinbar lächelnd ertragen.“

Ute Steffen fühlt sich bei Fukushima an Tschernobyl erinnert. Die 49-Jährige kann sich nicht mehr erinnern, wo sie eigentlich war, als der Unfall im Frühjahr 1986 passierte. Aber sie weiß noch, dass sie Angst hatte. Und heute wieder hat: „Die Katastrophe belastet mich sehr, ich bin ziemlich sensibel“, so Steffen.

Manchmal müsse sie sich selbst zügeln, um nicht zu viel darüber nachzudenken. Dass sich auf der Welt nun bezüglich der atomaren Gefahr etwas ändert, daran glaubt Steffen nicht. „Da steckt einfach zu viel Geld dahinter“, meint Ute Steffen.

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