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Wasserstoff marsch! Bad Homburg hat eine neue Tankstelle.

Bad Homburg

Erste Wasserstoff-Tankstelle im Taunus

Im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach können ab sofort auch Autos mit Brennstoffzelle tanken. Noch steckt die Technologie allerdings in den Anfängen.

Vor zwei Jahren hat das Palliativteam Hochtaunus sein erstes mit Wasserstoff angetriebenes Auto angeschafft. Inzwischen sind drei solcher Fahrzeuge im Einsatz. „Wir wollen den Beweis erbringen, dass die Technologie alltagstauglich ist“, sagt Geschäftsführer Robert Gaertner. Hinzu kommen sechs batteriebetriebene Elektrofahrzeuge.

Um die Wasserstofffahrzeuge aufzutanken, musste bislang immer einer der Mitarbeiter spätabends oder sonntags zur nächstgelegenen Tankstelle auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt fahren. Ab sofort kann er sich diesen Weg sparen: An der Hessol-Tankstelle im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach ist nun die erste Wasserstoff-Tanksäule im Taunus eröffnet worden.

Daran war Robert Gaertner maßgeblich beteiligt. Er habe ihn auf die Initiative des Unternehmens H2 Mobility aufmerksam gemacht, deutschlandweit ein Wasserstoff-Tankstellennetz aufzubauen, berichtete Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Daraufhin habe sich die Stadt als Standort beworben.

Die Tanksäule in Ober-Eschbach erweitere nun „die Palette der klimafreundlichen Kraftstoffangebote“ in der Stadt, lobte der Rathauschef. Zumindest theoretisch. Ziel sei es, den Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energien zu erzeugen, erklärte H2-Mobility-Geschäftsführer Nikolas Iwan. Das sei bislang nur eingeschränkt der Fall, räumte er ein. Allerdings gebe es im Energiepark Mainz ein Pilotprojekt, das den Weg dazu ebnen soll.

Ohnehin steckt die Wasserstofftechnik hierzulande noch in den Anfängen. Derzeit rollen gerade einmal rund 650 entsprechende Fahrzeuge über die Straßen. Die Station in Bad Homburg ist die 76. Tanksäule bundesweit. Doch Iwan kündigte einen raschen Zuwachs an. Anfang 2020 sollen es schon 100 Wasserstoff-Tanksäulen sein. Hinter H2 Mobility stehen die Großunternehmen Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total.

Dass Bad Homburg als Standort ausgewählt worden ist, sei der guten Lage der Hessol-Tankstelle in der Nähe der Autobahnen 5 und 661 zu verdanken. Aber auch dem Engagement von Stadt, Bürgern und ansässigen Unternehmen. Von diesen kamen immerhin 70 Willensbekundungen, sich ein Wasserstofffahrzeug anzuschaffen. Technisch handelt es sich dabei um Elektroautos mit Brennstoffzelle.

Derzeit sei das Hauptproblem, dass die Hersteller nicht schnell genug liefern könnten, bedauert Robert Gaertner. Das Tanken hingegen sei völlig problemlos. Es ähnelt dem Vorgang bei konventionellen Fahrzeugen und dauert drei bis fünf Minuten.

Die Reichweite der Autos ist mit 350 bis 540 Kilometern pro Tankfüllung deutlich höher als bei Fahrzeugen mit Batterieantrieb. Das ist für das Palliativteam besonders wichtig, dessen Ärzte und Pflegekräfte 150 000 bis 200 000 Kilometer pro Jahr im Taunus unterwegs sind, um sich um ihre schwerstkranken Patienten zu kümmern.

Tankstellenbetreiber Andreas Fischer sieht im Wasserstoff einen möglichen Zukunftsmarkt. „Wir wollen testen, wie das Ganze angenommen wird.“ Läuft es gut, kann er sich weitere Tanksäulen an den insgesamt 18 Stationen von Hessol im Rhein-Main-Gebiet vorstellen.

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