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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.

Prozess in Bad Homburg

Erst das Kantholz, dann das Messer

Ein aggressiver Schul-Hausmeister geht auf Schüler und Trinker los. Dafür verurteilt ihn das Amtsgericht zu einer Haftstrafe - allerdings auf Bewährung. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Jetzt ist es amtlich: Schul-Hausmeister dürfen nicht ausrasten. Jedenfalls nicht so sehr, dass sie Widerworte gebenden Schülern Ohrfeigen verpassen. Oder die Herren von der Trinkhalle nebenan mit dem Messer attackieren. Das Amtsgericht verurteilte einen Hausmeister der Humboldtschule gestern zu sieben Monaten Haft auf Bewährung.

Der kleingewachsene Hüter der Schule erschien in seiner Dienst-Latzhose vor Gericht, muskulös, mit drachenähnlichen Tattoos auf dem Arm. Sehr ernst nimmt er die Verantwortung für das Schulturnhallen-Revier an der Urseler Straße. Im vorigen Herbst beleidigte er einen Homburger, der seinen Hund auf der schuleigenen Grünfläche Gassi führte. Im Februar ohrfeigte er einen Schüler, der mit seiner Freundin vor der Turnhalle saß. Und seit Jahren ärgert sich der Hausmeister über die Kunden der örtlichen Trinkhalle: "Die sitzen auf der Treppe vor der Halle, trinken und rauchen. Jeden Tag. Und dann pinkeln sie direkt vor die Tür!"

An einem Sonntagmittag im vorigen Dezember eskalierte sein Frust. Der Hausmeister wollte in der Halle etwas reparieren, als er drei Männer auf dem schuleigenen Rasen antraf. Man habe sich vor dem gemeinsamen Mittagessen noch ein Bierchen genehmigt, berichtete der 39-jährige Lagerist Neil B. im Zeugenstand. Da habe sie der Hausmeister wutentbrannt aufgefordert, die herumliegenden Jägermeister-Flaschen aufzuheben. "Dabei waren die gar nicht von uns". Die Renitenz der Männer regte den Hausmeister noch mehr auf. Aus der Halle holte er ein meterlanges Vierkantholz und zerschlug eine auf dem Boden stehende Bierflasche. Man warf sich derbe Ausdrücke an den Kopf. Der Hausmeister zog dem 33-jährigen Fliesenleger Manuel R. die Jacke über den Kopf und schubste ihn derart heftig gegen die Kioskwand, dass er an der Stirn blutete: "Da rief Neil: ,Vorsicht, er hat ein Messer!´ Ich sprang zurück und lief über die Urseler Straße. Der Hausmeister verfolgte mich bis auf die Verkehrsinsel, aber da war ich schon weg."

Vor der Halle versetzte der Hausmeister, immer noch in Rage, Neil B. einen Stich in den linken Oberarm. "Es war ein Unfall", verteidigte er sich vor Gericht. Richterin Barbara Schramm verurteilte den übereifrigen Pedell dennoch wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Sie redete ihm ins Gewissen: "Als Schul-Hausmeister müssen Sie die Nerven behalten!" Das ist wohl nicht mehr nötig, denn der 46-Jährige dürfte nun seinen Job verlieren.

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