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Entspannen mit Karoline

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Von: Olaf Velte

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Kreativ-Yoga im historischen Ambiente des Schlosses.

Loslassen. Mit leichten Atem- und Dehnungsübungen beginnen, um sich dann entspannt dem leeren Papierbogen zuzuwenden, dem Kohlestift freien Lauf zu lassen. Und alles unter den Augen jener Karoline von Hessen-Darmstadt, die 15 Kinder zur Welt brachte und angetrautes Eheweib eines Homburger Landgrafen war.

Am Sonntag, 3. Februar, kommt zusammen, was kaum vorstellbar schien und eine Premiere eigener Art ist: Kreativ-Yoga in den repräsentativen Herrschaftszimmern des Bad Homburger Schlosses. Wo sonst gediegene Unterhaltung gedeiht, regiert im Rahmen eines außergewöhnlichen Workshops die Macht der Fantasie. „Ein besonderes Experiment“, sagt Museumspädagogin Britta Reimann, die für das erste Halbjahr 2013 ein breitgefächertes Angebot vorgelegt hat. Das Schloss will mit einigen neuen Formaten unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

So findet das erste „Donnerstagsgespräch“ am 31. Januar statt – ein um 15 Uhr beginnender Rundgang widmet sich dem Thema „Englische Möbel“ und klingt bei Kaffee und Tee aus. Im März beginnt das „Projekt 50+“: In den Nachmittagsstunden werden Mitbringsel und Kunstgegenstände aus fernen Ländern vorgestellt.

Etabliert hat sich mittlerweile der seit dem vergangenen Jahr und immer am Sonntagmorgen servierte „Museumsbrunch“, bei dem Wissensvermittlung und Gaumenfreude eine Liaison eingehen. Hier, so Reimann, habe sich ein Stammpublikum eingefunden – „generell wird unser Programm gut angenommen“. Acht freie Mitarbeiter – „alles Fachleute“ – unterstützen die Arbeit der Museumspädagogik und bringen frischen Wind in das ehrwürdige Ensemble unterm Weißen Turm.

Den Louissaal im Archivflügel besetzen in acht Tagen Kerstin Bußmann und Christian Baer. Hier, zwischen rotgoldener Wandbespannung und Karoline-Porträt, kehrt Stille ein, wenn sich die Teilnehmer des Yoga-Workshops für fünf Stunden aus dem Alltag verabschieden. „Die Atmosphäre in den historischen Räumen spielt eine wesentliche Rolle“, sagt Kunstpädagogin Bußmann. Unverstellt könne Kunst und Kultur wahrgenommen werden. Die Idee habe nichts mit Therapie oder Esoterik zu tun.

„Die Leute sollen Fähigkeiten wiederfinden“, so Yoga-Lehrer Baer, „die sie im rational durchgeplanten Berufsleben verloren haben.“ Dafür müsse niemand yoga-erfahren oder künstlerisch begabt sein. „Spielerisch“ und „Leichtigkeit“ sind Stichwörter. Im Schloss stelle sich Entspannung eher ein als in Sporthallen oder Mehrzweckbauten. „In dieser Kombination ist das etwas ganz Neues.“ Geplant ist ein weiterer Yoga-Tag am 1. Juni – dann jedoch im grünen Ambiente der Orangerie.

Britta Reimann – die vor zwei Jahren ihren Schloss-Dienst begonnen hat – will im Rahmen ihrer Vermittlungstätigkeit ausgetretene Wege verlassen, den Bezug zur Historie aber aufrechterhalten. „Das Potenzial auf dem Areal ist groß.“

Während im Gewölbekeller die Künstlerwerkstatt „Tiefdruck“ eine Heimat gefunden hat, gedeihen Pläne zur sommerlichen Nutzung des weiträumigen Parkgeländes.

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