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Ende des Kehrmonopols

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Von: Olaf Velte

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Seit Neujahr kann jeder Hausbesitzer seinen Schornsteinfeger selbst wählen. Das seit fast achtzig Jahren in Deutschland bestehende und einzigartige „Kehrmonopol“ wurde ad acta gelegt. Damit müssen auch die rund fünfzig Schornsteinfeger im Hochtaunuskreis umgehen.

Rund um Neujahr steht er wieder im Blickpunkt, der schwarze Mann mit Stoßbesen und Schultereisen. Als Glücksbringer ist die Figur des Schornsteinfegers neben Hufeisen und Glücksklee zu Neujahr unerlässlich. Darüber hinaus wird das Jahr 2013 ein besonders für die Zunft der Kaminfeger: Das seit fast achtzig Jahren in Deutschland bestehende und einzigartige „Kehrmonopol“ wird ad acta gelegt.

Eine Situation, mit der auch die rund fünfzig im Hochtaunuskreis tätigen Schornsteinfeger umgehen müssen. In Zukunft müssen sie selbst kalkulieren – eine Aufgabe, die in der Vergangenheit vom Wirtschaftsministerium übernommen wurde. „Wir galten als staatlich beliehene Unternehmen, jetzt sind wir eine Behörde, die Bescheinigungen ausstellen darf“, sagt Armin Herbach aus Wehrheim. Als Bezirksschorn-steinfegermeister ist er zuständig für die Bad Homburger Bereiche Hardtwald und Altstadt – insgesamt 2000 Liegenschaften. Wie seine Kollegen habe er eine „große Verunsicherung“ in der Bevölkerung bemerkt. Wie soll es künftig laufen mit Kaminkehren, Heizungsmessen und Feuerstättenschau? Bisher meldeten sich die Schwarzgekleideten zuverlässig zum festgesetzten Zeitpunkt. Ab Januar muss umgedacht werden.

Viele der Bezirksmeister haben ihren Kunden vorgefertigte Verträge oder Absichtserklärungen zukommen lassen – um sich auch weiterhin die Aufträge zu sichern. Eine Aktion, auf die Herbach verzichtet hat: „Ich werde wie immer bei meinen Leuten vor der Türe stehen.“ Mit Absagen rechnet er nicht. „Nur ein Hausbesitzer hat angekündigt, dass er zu einem anderen Schornsteinfeger wechseln möchte.“

Auch die Hausbesitzer im Bezirk von Udo Barthel sind treu. „Achtzig Prozent haben signalisiert, dass es wie bisher weitergehen soll“, sagt der Mann, der etwa 2200 Liegenschaften im Oberurseler Norden betreut. „Hier besteht immerhin ein Vertrauensverhältnis.“ Wer wolle schon fremden Kaminkehrern den Zutritt in die Privatsphäre ermöglichen? Gebäudeeigner können ab Januar frei wählen, wer das Messen der Heizung und das Kehren übernehmen soll. Für die im dreijährigen Rhythmus stattfindende Feuerstättenschau sind weiterhin die Bezirksfeger zuständig. Die Mess- und Kehr-Ergebnisse müssen innerhalb einer festgelegten Frist vorliegen. Fehlen sie, wird der Hochtaunuskreis als verantwortliche Behörde innerhalb von zwei Wochen aktiv und ordnet eine Zwangskehrung an. „Das wird dann teuer“, sagt Herbach.

Eine Erhöhung der Gebühren, so Barthel, werde kommen. Wenn auch moderat, sei sie unausweichlich: „Unsere Verwaltungsaufgabe nimmt drastisch zu – mit den bisherigen Preisen können wir nicht überleben.“ Dass konkurrierende Unternehmen die Bezirke abgrasen, hält er für unwahrscheinlich. Für fremde Kehrer seien wegen Anfahrt und Aufwand nur Wohnblocks oder größere Einheiten interessant. Sein Ratschlag in Zeiten des Umbruchs: „Leute, achtet auf die Überprüfungsfristen.“ Er werde sich auf seiner Tour auch bei denen melden, die nicht auf das Anschreiben geantwortet hätten.

Ab morgen wird jeder Schornsteinfeger im Hochtaunus seinen eigenen Weg gehen müssen, mit einer vielgestaltigen Gebührenpalette ist zu rechnen. Als Glücksbringer haben die schwarz gekleideten Handwerker trotzdem noch ihre Berechtigung – wer einen ihrer Jackenknöpfe berührt, darf Gutes erwarten. In diesem Sinne: Glück auf für 2013!

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