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Emanzipation und Beharrlichkeit

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Von: Olaf Velte

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Streiterinnen für Frauenbildung: Carola Paul-Scharf, Gabriele Dingel und Edith Kempf-Schindler (von links).
Streiterinnen für Frauenbildung: Carola Paul-Scharf, Gabriele Dingel und Edith Kempf-Schindler (von links). © Michael Schick

Seit 25 Jahren besteht das Frauenbildungszentrum in Bad Homburg – Anlass, um auf die Emanzipationsbewegung und Veränderungen in der Kursnachfrage zu blicken. Heute bestimmen Computer- und Gesundheitskurse den Alltag.

Nach einem Vierteljahrhundert sind die Frauen in der Stadt angekommen. Beharrlichkeit und Ausdauer waren stets vonnöten, um das Überleben zu gewährleisten. „Erstmals haben wir das Gefühl, dass unser Arbeit anerkannt wird“, sagt Gabriele Dingel, die das Bad Homburger Frauenbildungszentrum mitgegründet hat und heute als Geschäftsführerin agiert. In diesem Jahr wird das 25-jährige Bestehen der kreisweit einmaligen Einrichtung nicht ohne Stolz gefeiert.

Auch die Räumlichkeiten entsprechen heute dem, was die Gründerinnen sich immer gewünscht haben. Mehrere lichte Räume, in denen Verwaltungsaufgaben getätigt und spezielle Kurse abgehalten werden können. Als die Therapeutin Dingel im Jahre 1988 ihr Angebot „Frauen helfen Frauen“ öffentlich machte, schlug die Geburtsstunde des Frauenzentrums. Sieben Gleichgesinnte gründeten den Verein und zogen in ein an der Rind’schen Stiftstraße gelegenes Büro. „Der Geist dieser Zeit ist bis heute lebendig“, so Edith Kempf-Schindler. Die EDV-Dozentin ist eine der vier hauptamtlich Tätigen im Hinterhaus Kirdorfer Straße 77, wo das Jubeljahr mit einem Tag der offenen Tür am 8. März eingeleitet wird.

Von Anfang an war Bildungsarbeit nicht auf das starre Lernen reduziert – „es ging immer auch um eine Aus-Bildung von Körper, Geist und Seele“. Im ersten Halbjahr 2013 bietet das Zentrum eine weit gesteckte Palette an Kursen und Seminaren. Das reicht von den nachgefragten Computer-Schulungen bis zu „Golden Yoga“ oder „Trennung/Scheidung“. Carola Paul-Scharf, Vereinsvorsitzende: „Wir greifen aktuelle Themen auf und reagieren auf gesellschaftliche Veränderungen.“ So waren die beginnenden 1990er Jahre von Sprachkursen für Migrantinnen geprägt – ein Angebot, das heute kaum noch eine Rolle spielt. Das Thema „Wiedereinstieg in den Beruf“ ist dagegen ein Dauerbrenner. „Gerade Frauen in mittleren Jahren haben es schwer“, sagt Kempf-Schindler. Es sind diese Jahrgänge, die heute zum festen Kundenstamm des Zentrum gehören. „Jüngere Frauen sehen wir seltener – überhaupt hat sich der berufliche Alltag gravierend geändert.“ 190 Kurse wurden vergangenes Jahr gehalten, rund 1400 Frauen nahmen teil. Rückläufig, so die Vorsitzende, seien die Zahlen nie gewesen.

Auch nicht in jenen Jahren, als die CDU-Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr alle städtischen Zuschüsse streichen wollte und Frauenbildung für unnötig hielt. Spenden hielten die Einrichtung über Wasser. „Planungssicherheit kennen wir nicht“, sagt Gabriele Dingel. Heute gewähren Stadt und Hochtaunuskreis Zuschüsse – insgesamt 17 Prozent des 100000 Euro schweren Jahresetats. Spenden gehen nicht mehr so häufig ein, auch die Mitgliederentwicklung hat an Tempo eingebüßt.

Aus der frühen Emanzipationsbewegung – die sich hier nie parteipolitisch formulierte – ist der Blick auf weibliche Selbstfindung geblieben. Der Situation von Müttern und Töchtern wird mit Kursen wie „Notfallmedizin für Kinder“ und „Hilfe, meine Eltern werden alt!“ Genüge getan. Begonnen hatte 1989 alles mit „Neuer Start ins Berufsleben“, einem vom Land Hessen unterstützten Großprojekt. So etwas, sagt Kempf-Schindler, habe auch heute noch seine Berechtigung. Für die Volkshochschulen sei man Vorreiter gewesen: „Die Gesundheits- und Selbsterfahrungs-Formate gab es damals nur bei uns.“

Gabriele Dingel wird am 30. April eine Fragestellung wiederaufnehmen, die in den Anfangsjahren für volle Säle gesorgt hat. Unter dem Titel „Hexen und weise Frauen – wo sind sie geblieben?“ referiert sie zu „dem Frauenthema schlechthin“.

www.frauenbildungszentrum.de

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