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Alexander von Oettingen, Angelika Rieber, Rita Schneider und Hans-Dieter Vosen (v. l.) 

Hochtaunus

Einsatz gegen Antisemitismus

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Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus besteht seit 40 Jahren. Künftig will sie verstärkt auch Muslime einbeziehen.

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle habe wieder einmal auf schmerzhafte Weise deutlich gemacht, wie wichtig der Einsatz gegen Antisemitismus ist, sagt Angelika Rieber, die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Hochtaunus. Auch in den Taunuskommunen habe die Gewalttat Spuren hinterlassen. Juden fühlten sich wieder bedroht und gefährdet, berichtet Rieber.

Seit 40 Jahren bemüht sich die GCJZ darum, im Dialog zwischen Christen und Juden Vorurteile abzubauen. War das alles umsonst? Nein, keineswegs, betont Angelika Rieber, die für ihre lokalhistorische Forschung zum jüdischen Leben unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist.

So seien in den ersten Jahren nach Gründung der GCJZ die Bemühungen, an Nazizeit und Holocaust zu erinnern, von den Verantwortlichen in den Hochtaunus-Kommunen nur sehr zögerlich aufgegriffen worden. „Da hat sich seitdem viel bewegt“, sagt Rieber. So wurden in mehreren Städten Mahnmale und Gedenktafeln errichtet, etwa 1988 am Platz der ehemaligen Bad Homburger Synagoge; zu den Gedenktagen am 27. Januar sowie dem 9. und 10. November gibt es alljährlich gemeinsame Gedenkveranstaltungen.

Besonders wichtig ist der ehemaligen Lehrerin Rieber die Zusammenarbeit mit den Schulen im Kreis. Vor allem Gespräche mit Zeitzeugen hätten auf junge Leute eine erstaunliche Wirkung. Durch die direkte Begegnung mit anderen Menschen gelinge es am besten, Ängste und Vorbehalte abzubauen. „Jeder Mensch hat Stereotype im Kopf“, sagt Rieber. Entscheidend sei, wie man damit umgehe.

Zu ihrem 40-jährigen Bestehen hat die GCJZ nun ein umfangreiches Buch herausgegeben, in dem Riebers Vorgängerin Margret Nebo die Entwicklung von der Gründung 1979 im Gemeinschaftshaus „Rosengärtchen“ in Oberursel bis heute skizziert. Weitere Beiträge beleuchten das jüdische Leben in den Hochtaunuskommunen, schildern konkrete Projekte an verschiedenen Schulen oder befassen sich mit theologischen Fragen.

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich im Verhältnis von Christentum und Judentum einiges bewegt, betont der ehemalige Pfarrer der Erlöserkirchengemeinde, Alexander von Oettingen, der an der Redaktion des Buches beteiligt war. Beide Religionen begegneten sich auch inzwischen auf Augenhöhe, die GCJZ habe dazu beigetragen, dass sich eine „jüdisch-christliche Geschwisterlichkeit“ entwickelt habe. Darin würde man gerne auch verstärkt die Muslime miteinbeziehen und aus dem Dialog der Religionen einen Trialog machen, kündigt Angelika Rieber an.

Wie viele andere Vereine ist auch die GCJZ Hochtaunus auf der Suche nach Nachwuchs. Von den 137 Mitgliedern seien die meisten schon in einem etwas höheren Alter, sagt Schatzmeister Hans-Dieter Vosen. Das habe auch Auswirkungen auf die Reiseaktivitäten. So habe man früher größere Erkundungen durch ganz Europa unternommen, etwa nach Budapest und Straßburg. Inzwischen beschränke sich das Angebot auf kürzere Tagesausflüge.

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