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Eine neue alte Fahne

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Von: Fabian Böker

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Restauriert und hinter Glas ausgestellt: die historische Fahne aus Gonzenheim.
Restauriert und hinter Glas ausgestellt: die historische Fahne aus Gonzenheim. © Renate Hoyer

Im Gonzenheimer Heimatmuseum wurde eine alte Fahne von früher restauriert. Nun freuen sich Heinz Humpert und der erste Vorsitzende Ernst Henrich, den Besuchern im Museum die Hintergründe der Fahne zu erklären.

Auf den ersten Blick wirkt das neue Ausstellungsstück im Gonzenheimer Heimatmuseum mindestens befremdlich. „Mit Gott für Volk und Vaterland“ springt dem Betrachter von einer Fahne in einer Vitrine entgegen, verziert mit schwarz-weiß-roten Banderolen des Kaiserreichs, in der Mitte ein großer Reichsadler. Aber dahinter steckt eine Geschichte, die nicht nur mit der dunkleren Vergangenheit etwas zu tun hat.

Die Fahne gehörte einst dem Kriegerverein Gonzenheim. Der wurde am 30. März 1885 gegründet, der Deutsch-Französische Krieg von 1870 / 71 lag da noch nicht lange zurück. In ihm organisierten sich Reservisten und Veteranen, gemeinsam kümmerte man sich unter anderem um Kriegsgräberfürsorge. Viel interessanter aber ist die Geschichte, wie die Fahne, die eben zur Historie des Ortsteils gehört, ins Heimatmuseum und nun an die Wand des dortigen Treppenhauses kam.

Es war das Jahr 1982, in Bad Homburg standen die Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Bestehen der Stadt bevor. Auch in Gonzenheim wurde bei den Vorbereitungen geholfen, daraus entstand im selben Jahr der geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim (GAGZH), der sich auch jetzt noch um das Heimatmuseum Am Kitzenhof kümmert.

Von Mäusen zerfressen

Und dann kam Erna Epp, deren Familie einen Hof in der Frankfurter Landstraße betrieb, und überreichte einen Sack. Inhalt: die Fahne des Kriegervereins, in der ihr Vater einst Mitglied war. Heinz Humpert, zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises, erinnert sich: „Die Fahne war von Mäusen zerfressen, völlig zusammengeknüllt und eigentlich unbrauchbar.“ Folglich lag sie dann auch jahrelang in der Ecke.

Doch 2013 begannen die Mitglieder des GAGZH, Spenden zu sammeln. Davon wurde zunächst eine Fahne des Gonzenheimer Liederkranzes restauriert, die seit dem vergangenen Jahr im Museum hängt. Nun war die Fahne des Kriegervereins an der Reihe, 7300 Euro hat das gekostet. Die Restaurierung übernahm Petra Friese aus Burgsolms, sie musste an vielen Stellen neuen Stoff hinzufügen, die Mäuse bei Erna Epp hatten ganze Arbeit geleistet.

Nun freuen sich Heinz Humpert und der erste Vorsitzende Ernst Henrich, den Besuchern im Museum die Hintergründe der Fahne zu erklären. Warum zum Beispiel erst „Für Kaiser und Reich“ statt „Für Land und Reich“ auf ihr stand. Und warum eine solche Fahne immer im Kontext ihrer Zeit gesehen wurden muss.

Am Sonntag, 4. September, hat das Heimatmuseum Gonzenheim, Am Kitzenhof 4, trotz des Laternenfest-Trubels regulär geöffnet. Von 15 bis 17 Uhr können sich die Besucher dann unter anderem die restaurierte Fahne anschauen. Auch zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, öffnet das Museum, dann von 11 bis 18 Uhr. Angeboten wird auch ein Spaziergang durch Gonzenheim. Dafür ist eine Voranmeldung unter 06172 / 453036 bei Ernst Henrich erforderlich.

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