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„Eigentlich ganz gut gelungen“

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Von: Andrea Herzig

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Neue Menschen treffen: Holger Fritzel im März beim Empfang von Austauschschülern des Collège César Lemaître.
Neue Menschen treffen: Holger Fritzel im März beim Empfang von Austauschschülern des Collège César Lemaître. © Michael Schick

Der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Holger Fritzel verlässt das Amt und die Kommunalpolitik.

Wenn Holger Fritzel seine 39 Jahre in der Bad Homburger Stadtpolitik Revue passieren lässt, kommt immer wieder der eine Satz: „Das ist uns doch eigentlich ganz gut gelungen“. Er formuliert den Satz nicht wie eine Feststellung, sondern ein wenig fragend. Aber trotzdem mit Überzeugung. Und er sagt wir und meint dabei nicht einfach „ich“, sondern wirklich alle diejenigen, die in der Stadtpolitik Verantwortung übernommen und das Leben der Kommune gestaltet haben. Quer durch die politischen Farben und das, obwohl Holger Fritzel ein Grundkonservativer ist.

Fritzel, CSU-Freund und für viele Jahre strammes CDU-Mitglied, ist überzeugt: Wenn es vorangeht in der Stadt ist das nicht nur der Verdienst einer Partei. Wenn es Homburg zurzeit finanziell sehr gut geht, sind es nicht allein die Meriten des jetzigen Kämmerers und seines OBs, sondern auch die des Bündnisses unter Korwisi und auch die Anstrengungen der Stadtoberen zuvor.

Mit der alten Partei längst ausgesöhnt

Fritzel hält nicht allzu viel von Parteipolitik auf kommunaler Ebene. „Es hängt immer an den handelnden Personen“, stellt der 64-Jährige fest. So hatte es auch mit den Menschen zu tun, dass Fritzel und seine Neue Homburger Union (NHU) 2011 das Bündnis für Bad Homburg mitgebildet haben. Obwohl CDU, FDP und NHU damals eine Mehrheit gehabt hätten. Und trotzdem sich der Konservative Fritzel damals über den Fukushima-Effekt beim Wahlsieg der Grünen eigentlich geärgert hatte, weil der Grüne Stimmenzuwachs nichts mit den Verdiensten der Homburger Grünen zu tun gehabt hätte. „Es ist uns im Bündnis ja doch vieles gut gelungen“, resümiert Fritzel da wieder – und der CDU habe die Zeit in der Opposition auch gut getan.

Mit der CDU, seiner ehemaligen Partei, hat sich Fritzel längst wieder ausgesöhnt. Dass das so ist, hängt auch wieder an den handelnden Personen. So wie damals vor rund zehn Jahren, als die Partei, in die Fritzel 1976 als junger Ortsbeirat in Ober-Eschbach eintrat, ihn hochkant rausschmiss.

Zwei Stunden lang habe er in Frankfurt dem CDU-Parteigericht Rede und Antwort gestanden, erzählt Fritzel. Er wollte damals in der CDU bleiben, gleichzeitig aber auf lokaler Ebene mit weiteren Mitgliedern als Neue Homburger Union auftreten. Aber die Partei genehmigte das nicht, und das Verhältnis zur Homburger CDU, respektive einigen ihrer Mandatsträger eben, war zerrüttet. Deshalb die NHU.

Doch auch deren Zeit ist nun abgelaufen und Holger Fritzel, der zeit seines Berufslebens Banker bei der Dresdner war, ist nun seit einem Jahr Rentner. Für ihn ist das der Moment, um aufzuhören mit der Politik. Es sollen die weitermachen, die glauben, es besser machen zu können.

Was man bei anderen als Frustration auslegen könnte, ist bei dem Ober-Eschbacher vor allem ein typisch rauer Fritzel-Spruch. Zweieinhalb Jahre leitete er die Stadtverordnetenversammlung und auch den Finanzausschuss. Fritzels verbale Peitsche knallte in dieser Zeit gern mal hörbar bis über den hintersten Bänken.

Eine straffe Sitzungsführung war ihm immer wichtig, niemand sollte wegen unnötiger „Schwätzereien“ um seinen Feierabend gebracht werden. Und so rief Fritzel seine Parlamentskollegen streng und unverblümt zur Ordnung, brachte Klarheit und Struktur in viele Anträge und wusste immer, was die HGO erlaubt und was nicht. Jedem anderem hätte man seinen schnoddrigen Tonfall dabei vielleicht mal übelgenommen, aber „die Leute kennen mich doch alle“. Fritzel war akzeptiert, quer durch die Parteien.

Das Amt des Parlamentschef habe er sehr gerne übernommen, sagt Fritzel, auch wenn es einen hohen zeitlichen Aufwand bedeutet, „nebenberuflich eigentlich unmöglich“. Fritzel mochte es, viele neue Leute kennen zu lernen bei den repräsentativen Pflichten, die das Amt beinhaltet. Ob es Delegationen aus der Partnerstadt waren oder die Fastnacht, deren Termine Fritzel besonders ernst genommen hat. Immer neue Leute, immer neue Eindrücke, „es hat Spaß gemacht“.

Vemissen wird er das Amt trotzdem nicht, sagt er, da wären ja noch die geliebte Feuerwehr und die TSG – und die Enkelin.

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