Die neuerliche drohende Borkenkäferplage sieht der Förster des Stadtwalds mit einer gehörigen Portion Fatalismus.

Hochtaunus

Eichen halten nicht mehr Stand

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Trockenheit setzt Laubbaum zu.

In den Taunuswäldern hat bereits wieder das große Krabbeln begonnen. So viele Borkenkäfer wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr gibt es im Wald; sie befallen vor allem Fichtenbestände. „Wir sind zeitweise mit zwei Harvestern, also Vollerntern, im Wald unterwegs, um das befallene Holz so schnell wie möglich herauszubekommen“, sagt der Bad Homburger Förster Günter Busch.

Bereits im vergangenen Jahr hat das Insekt verheerende Schäden im Wald angerichtet. Und da das Totholz als Brutkammer für den Schädling dient, muss es so schnell wie möglich entfernt werden.

Die neuerliche drohende Borkenkäferplage sieht der Förster des Stadtwalds mit einer gehörigen Portion Fatalismus. „Wir dürfen uns nichts vormachen, die Fichtenbestände in unserem Wald in den niedrigen Lagen sind verloren“, sagt Busch. 40 Prozent der Fichte seien schon jetzt verschwunden. Der Klimawandel mache dieser Art schwer zu schaffen, der Borkenkäfer beschleunige diesen Vorgang nur.

Junge Buchen sterben ab

Busch bereitet anderes weitaus größeres Kopfzerbrechen als der Käfer. „Auch die Buchen haben im vergangenen Jahr schon Auffälligkeiten gezeigt“, sagt er. Und nun seien auch die Eichen angeschlagen. „Es zeigt sich, dass die vermeintlich stabilen Baumarten wie Buche und Eiche zeitverzögert auf die wärmer werdenden Temperaturen und die zunehmende Trockenheit reagieren.“ Zeige die Fichte bereits nach zwei Monaten Reaktionen auf die Trockenheit, mache dies die Eiche erst nach zwei Jahren. Besonders deutlich wurde dies im vergangenen Winter. Dort habe es bei den Eichen großen Windwurf gegeben, berichtet der Förster. Das sei ungewöhnlich, weil die Bäume im Winter kein Laub trügen und daher dem Wind eigentlich keine große Widerstandsfläche böten. Aber da durch die Trockenheit das Wurzelwerk des Baums geschädigt worden sei, habe manche Eiche den Winterstürmen nicht trotzen können. Und damit nicht genug: Auch der Bergahorn ist krank. Die Rußrindenkrankheit zwingt immer wieder dazu, auch diese Baumart zu fällen.

Während andernorts bereits mit der Aufforstung brachliegender Flächen begonnen wurde, ist man im Homburger Stadtwald damit noch zurückhaltend. „Häufig werden Buchen gepflanzt. Man setzt also auf eine Baumart, die schon jetzt aufgrund des Klimawandels vom Absterben bedroht ist“, sagt Busch. Das halte er nicht für zielführend – und es koste eine Menge Geld. Von Rückmeldungen von Kollegen, die im vergangenen Jahr bereits wieder angepflanzt haben, sieht er sich in seiner Auffassung bestätigt. „Dort sind die kompletten Jungpflanzen eingegangen“, berichtet er.

Busch will daher lieber auf die Natur setzen. „Hessen ist ein Waldland. Die Natur wird das regeln, da bin ich optimistisch. Und wenn wir erkennen, dass es so nicht funktioniert und wir nachbessern müssen, dann können wir das auch noch in fünf Jahren tun.“ Dann wisse man vielleicht auch, welche Bäume dem Klimawandel trotzen könnten.

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