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Das Ehren-Flusspferd

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Tana hat am gleichen Tag Geburtstag wie Supermodel Claudia Schiffer. Doch zum Model taugt Tina nicht. Sie bringt viel zu viele Kilos auf die Waage. Dafür ist sie aber eine der beliebtesten Attraktionen im Opel-Zoo.

Von Martina Propson-Hauck

Mit Claudia Schiffer hat sie den Geburtstag gemeinsam. Beide trennen nur zehn Jahre. Doch im Gegensatz zum Supermodel hat Tana noch nie auf ihre Figur geachtet. Obwohl sie sich als reine Vegetarierin sehr gesund ausschließlich von Grünzeug ernährt. So bestand denn auch die Geburtstagstorte gestern ausschließlich aus Weizen, Hafer, Äpfeln, Trauben und Karotten. Und doch bezeichneten Laudatoren zu ihrem Fünfzigsten ihren Körper als „walzenförmig“, ihren Schädel als „gewaltig“. Das findet kaum eine Dame nett, obwohl es hier der Realität wohl sehr nahe kommt. Man könnte einfach von der unförmigen Körpermitte ein wenig absehen und statt dessen auf die außergewöhnlich zart-rosé pigmentierten Füße hinweisen. Auf die zarten Ohren und die tiefgründigen Augen, mit denen sie die Besucher aus ihrem Pool heraus anblinzelt. Und den liebevollen Charme, mit dem sie Zoopädagogen Martin Becker umgarnt und um Streicheleinheiten angeht.

Kaffee mit Milch gegen Kreislaufprobleme

Flußpferddame Tana ist eine der größten Attraktionen des Opel-Zoos und zugleich eines der fünf ältesten in Zoos lebenden Flusspferde überhaupt. Denn gewöhnlich werden die Tiere nur etwa 35 bis 40 Jahre alt. Kein Wunder also, dass sich zu ihrem 50. gestern Fernseh- und Kamerateams in Scharen um ihr Gehege scharrten, um den ganz besonderen Charme der alten Dame einzufangen, die von Rheuma geplagt ist und morgens gegen Kreislaufprobleme Kaffee mit Milch und viel Zucker trinkt. Erst zierte sie sich ein wenig, aber dann machte sie sich gemächlich über das Tortenpräsent her. Kronbergs Bürgermeister Klaus Temmen verlieh ihr per Urkunde die wohl weltweit einmalige „Ehrenflußpferdwürde“ der Stadt. Tana, am 15. August 1960 in Leipzig geboren, lebt schon seit Mai 1971 im Opel-Zoo. Sie hatte in ihrem langen Leben vier Jungtiere, von denen keines überlebte. Drei starben kurz nach der Geburt, Georg II. verendete an einem verschluckten Tennisball. Seit 1997 lebt sie sorgfältig abgetrennt von dem deutlich jüngeren Bullen Max, er ist erst 15 Jahre alt. Opelzoo-Direktor Thomas Kauffels will ein neues Gehege für die Flusspferde als nächstes Großprojekt nach dem Neubau der Elefantenanlage in Angriff nehmen. Es soll dort entstehen, wo jetzt die Gibbons mittags ihre Gesänge zu Gehör bringen. Zoos sind mittlerweile dazu verpflichtet, Flusspferde in einer Herde mit mindestens einem Bullen und vier Weibchen zu halten. Eine Anlage mit Becken im Freien und in der Halle kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Dass Tana und Max meist in stinkender Brühe schwimmen, hat übrigens nichts mit mangelnder Sorgfalt der Pfleger zu tun: Sobald die neues Wasser einfüllen, trüben die beiden es sofort ein. Denn eigentlich werden sie nicht gern von anderen gesehen.

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