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„Der Egoismus ist grenzenlos“

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Holger Himmelhuber
Holger Himmelhuber © Renate Hoyer

Oberursels Stadtbrandinspektor Holger Himmelhuber spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Unvernuft an Wintertagen.

Herr Himmelhuber, wie fährt es sich zurzeit auf Oberursels Straßen?

Besch...eiden. In den kleineren Seitenstraßen und Stichwegen geht aufgrund der Schneemassen zum Teil gar nichts mehr. Wir sind gut ausgerüstet mit Allrad und Ketten, das Problem sind die anderen. Das behindert unsere Arbeit enorm.

Wo liegt das Problem?

In der Unvernunft vieler Verkehrsteilnehmer, fehlender Rücksichtnahme auf Dritte und grenzenlosem Egoismus.

Das klingt hart.

Ist aber so. Viele haben nur sich im Fokus. Die Einsicht kommt oft erst, wenn man selbst betroffen ist. Dann soll die Feuerwehr natürlich ganz schnell da sein. Kurz zuvor hat die gleiche Person noch Unverständnis darüber geäußert, dass die Feuerwehr im Einsatz ihn behindert hat. So sehen das manche leider.

Kommt denn die Feuerwehr bei dieser Witterung noch an ihre Einsatzorte?

Teilweise nicht. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten ist in diesen Tagen nur eingeschränkt einzuhalten. Die Straßenverhältnisse – auch unsere ausschließlich freiwilligen Feuerwehrleute haben ja Probleme bei der Anfahrt – und die Blockaden der Bürger halten uns bisweilen auf.

Blockaden?

Unvernunft und Egoismus sind auch hier die Stichworte. Autos stehen halb oder ganz auf der Straße, verlassen, mit Warnblinkern an. Keinen Parkplatz gefunden, heißt es dann.

Die großen Räumfahrzeuge schieben die Straßenränder zu, den Rest besorgen die privaten Räumdienste auf den Gehwegen. Was kann der Autofahrer dafür und vor allem, was kann er tun?

Man kann nur an die Vernunft appellieren. Der Verkehr muss in solchen Ausnahmesituationen einfach reduziert werden. Jeder sollte sich zweimal überlegen, ob er unbedingt mit seinem Auto raus muss, wenn er keine Ketten hat.

Sie sprachen von Blockaden der Bürger.

Ja. Hauseigentümer kommen ihrer Räumpflicht nicht nach. Oder sie schieben die Gehwege frei, den Schnee auf die Straße.

Das macht doch jeder so.

Eben. Da gehört er aber nicht hin. Schnee und Eisstücke sollen außerhalb der Verkehrsflächen abgelagert werden, also möglichst auf dem Grundstück. Sonst schieben die einen den Schnee auf die Straße, die anderen schieben ihn wieder zurück. So schiebt man sich gegenseitig den in diesem Fall weißen Peter zu und am Ende kommen die Einsatzfahrzeuge nicht mehr durch.

Gab es schon ernsthafte Situationen, die sie beim Rettungseinsatz behindert haben?

Brandeinsätze hatten wir in diesen Tagen zum Glück nicht. Heute mussten wir einem Rettungswagen zu Hilfe eilen, der sich festgefahren hatte – mit einem Notfallpatienten an Bord.

Was muss sich ändern?

Wir dürfen keine falsch geparkten Wagen einfach auf die Seite schieben wie ein Schneeräumer die weiße Pracht. Wir können immer nur an den gesunden Menschenverstand appellieren. Dass die Menschen ihr Auto einfach mal stehen lassen oder eben einen richtigen Parkplatz suchen und ein paar hundert Meter zu Fuß gehen. Der Egoismus ist das Pronlem.

Interview: Jürgen Streicher

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