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Drei Pelzmäntel, zwei Autos

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Hochtaunus Angeklagte Kreis-Bedienstete lebte auf großem Fuß

Von Sabine Maurer

Bei der Polizei hatte die ehemalige Mitarbeiterin des Bad Homburger Landratsamts, die über 500 000 Euro veruntreut haben soll, zwar die Taten teilweise gestanden. Doch in der Verhandlung vor dem Frankfurter Landgericht war diese Woche von einem Geständnis keine Rede.

Auch von ihrem Schuldanerkenntnis über 500000 Euro, das sie bei der Vernehmung unterschrieben hatte, wollte die sicher auftretende Bad Homburgerin nun nichts mehr wissen. Sie habe unter Druck gestanden, erklärte ihr Rechtsanwalt. Ihr sei gedroht worden, anderenfalls weiter im Gefängnis bleiben zu müssen. Tatsächlich wurde sie bald nach der Vernehmung aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Hochtaunuskreis will nun bei der 47-jährigen Angeklagten das Geld eintreiben; das Gericht hat über den Antrag noch nicht entschieden.

Die Bad Homburgerin, die fast 30 Jahre bei der Post gearbeitet und dort 7800 Euro netto verdient haben soll, scheint während ihrer elf Monate beim Landratsamt luxuriös gelebt zu haben. Als Grund für ihre Tat hatte sie bei der Polizei ihre schlechte Finanzlage angegeben. So habe sie vom Jahr 2009 an „nur noch“ 2800 Euro netto bekommen.

Vom Mai 2009 bis März 2010 wurden von ihrem Bankkonto unter anderem ein Audi A8, drei Pelzmäntel – der teuerste kostete 10000 Euro – und eine Nobel-Couch von Rolf Benz bezahlt. Ein BMW kostete über 700 Euro Leasingrate im Monat. Weiter buchten ein Feinkostgeschäft sowie die Nobelhotels Steigenberger und Kempinski von dem Konto Geld ab. Die Kleidung der molligen Frau mit den kurzen blonden Haaren wirkte bei den Verhandlungen im Frankfurter Landgericht edel – wie ihre Handtaschen und ihre beiden Handys.

Sie selbst hatte laut Anklage Scheinfirmen gegründet, an die ohne Gegenleistung Geld überwiesen worden sei. Von mindestens einer der Firmen existiert noch eine Internetseite. Darin bietet die Frau „Coaching, Analysen, Seminare, Training und Beratung“ an. Auf Fotos ist die Angeklagte dort mit Angela Merkel und Roland Koch zu sehen.

Der Ehemann wusste laut der Angeklagten nichts von ihren Scheinfirmen. Die „Vorschüsse“ an seine Firma soll sie ebenfalls ohne sein Wissen überwiesen haben. Der Mann – ein Postbeamter im Ruhestand – soll auf Empfehlung seiner Frau und auf Kosten des Landratsamts Arbeitslosen Unterricht in Mathe und Deutsch gegeben haben. Auf seine Rechnungen soll seine Frau als Mitarbeiterin des Jobcenters inklusive der „Vorschüsse“ 20000 Euro überwiesen haben.

Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt.

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