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Andreas Reusch und seine Kehrmaschine.
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Andreas Reusch und seine Kehrmaschine.

Der Dienstleister berichtet (4)

Dreck gibt´s immer

Für Straßenreiniger Andreas Reusch aus Bad Homburg ist der Anblick einer sauberen Straße das Schönste. Für die FR schildert er einen seiner Arbeitstage.

Wenn ich aufwache, denke ich an fallende Blätter. Bald ist wieder Herbst, da habe ich viel zu tun. Heute dürften noch nicht so viele Blätter gefallen sein, das heißt, ich muss meinen Behälter mit dem aufgesaugten Dreck nicht so oft ausleeren fahren. Ich fahre eine 14-Kilo-Großkehrmaschine mit eingebauter Klimaanlage. Bei einer Geschwindigkeit von 7km/h würde der Sommer sonst unerträglich werden. Mein Tag beginnt um 6.30 Uhr.

"Gib mir deine Handy-Nummer", sage ich zu Michael Stark, meinem Kollegen von der Kehrkolonne. Der Funkkontakt funktioniert meist nicht so gut. Weil er seine Nummer nicht auswendig kann, muss er nach seinem Handy suchen. Er diktiert zweimal seine Nummer. "Ruf mich noch mal an, zur Kontrolle", fordert er mich auf. Ich schätze Stark für seinen Ordnungssinn. Er bedient das Gebläse, eine Maschine, die Blätter und Schmutz aufwirbelt. Wir werden uns später treffen, damit ich mit meiner Kehrmaschine den Dreck aufsaugen kann, den er mir zubläst.

In meiner Maschine ist das Steuer rechts, denn auf dieser Seite ist der Bordstein, an dessen Kante ich per Steuerung den Besen ansetze. Ich darf rückwärts in Einbahnstraßen fahren und habe deshalb manchmal Pkws hinter mir. Die denken wohl, sie dürfen das auch. Die Begebenheiten der Straße habe ich stets im Blick. An meinem Fahrzeug sind sechs Spiegel und zwei Kameras befestigt, mit deren Hilfe ich kontrollieren kann, ob alles sauber wird.

Wenn nicht, dann bediene ich das Steuerungssystem und ändere per Knopfdruck die Besenart oder den Neigungswinkel: Wenn die Bordsteinkante hoch und kantig ist, wähle ich einen anderen Winkel als bei einer runden Kante. Ich entscheide nach Gefühl; mit der Zeit weiß man, wann was am besten ist. Per Hand räume ich nur noch Müll weg, der nicht aufgesaugt werden kann, zum Beispiel Radkappen. Ich mag den Anblick einer sauberen Straße. Für mich ist es der schönste Erfolg, wenn ich auf der anderen Seite zurückfahre und gegenüber nur noch blanken Asphalt sehe. Oft winken mir Kinder vom Fenster zu. Auch Erwachsene schätzen meine Arbeit, schließlich zahlen sie eine Abgabe dafür. Ich bekomme 2100 Euro netto im Monat.

Ein Kamikaze-Fahrer pro Tag

Im Radio sagen sie, dass ein Gartenzwerg auf einer Autobahnauffahrt steht. Das ist einfach zu gut. Wer stellt einen Gartenzwerg auf die Autobahn? So etwas habe selbst ich noch nie erlebt. Und ich erlebe viel. Mindestens einem Kamikaze-Fahrer begegne ich am Tag. Meist überholen sie mich an unmöglichen Stellen und bringen andere in Gefahr. Wenn ich mit meiner Frau spazieren gehe, habe ich immer eine Plastiktüte dabei, um zum Beispiel Glasscherben aufzusammeln. Langweilig ist mir nie, denn Dreck gibt´s immer.

Aufgezeichnet von Desirée Brenner

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