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Donnerstags im Disco-Fieber

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Von: Olaf Velte

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Die Chefin tanzt auch mit: Seit 25 Jahren betreibt Margit Morshäuser mit ihrer Familie das „Tiffany“ in der Louisenstraße.
Die Chefin tanzt auch mit: Seit 25 Jahren betreibt Margit Morshäuser mit ihrer Familie das „Tiffany“ in der Louisenstraße. © Renate Hoyer

Das Tanzlokal „Tiffany“ in Bad Homburg besteht seit einem Vierteljahrhundert. Die Gäste kommen aus dem weiten Umkreis, aus Hanau, Frankfurt und Marburg.

Das Leben war immer Party.“ Eine beiläufige Äußerung, mit der Margit Morshäuser in aller Knappheit nicht nur ihren beruflichen Werdegang skizziert. Lust am Leben, Neugier auf Menschen, Humor und Standhaftigkeit schwingen mit, wenn die „Tiffany“-Chefin ihr Vierteljahrhundert an der Bad Homburger Louisenstraße Revue passieren lässt.

Am 2. Oktober 1991 hat sie mit ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Ehemann Winfried jenes Tanzlokal übernommen, das die Zeiten überdauert hat und nunmehr das Letzte seiner Art in der Kurstadt ist. Wenn die Ladentüren in der innerstädtischen Fußgängerzone geschlossen werden und das Tageslicht schwindet, beginnt die Kellerzeit. Zwischen all den gläsernen Einlasspforten der Handelswelt verweist die mit der Hausnummer 101 versehene Tür auf Genüsse anderer Art: Unterhaltung, Geselligkeit, Rhythmus.

Zwar sind es nicht mehr die Kurgäste, die den Raum mit seinen Sitzecken und Spiegelwänden füllen, doch ein Stammpublikum findet sich noch immer ein. „Sie kommen aus dem weiten Umkreis, aus Hanau, Frankfurt, Marburg.“ Paar- und Einzeltänzer mit festen Vorlieben: „Tiffanys Tanznacht“ mit seinem bis zwei Uhr sich dehnenden Sonntagabend ist eine Option, das donnerstägliche „Discofox Fever“ ebenso. Es sind die Nächte abseits von Bassinferno und elektronischem Wummern. Stattdessen beherrschen gepflegte Töne die Szenerie, lässt sich die Schrittfolge von Cha-Cha-Cha, Foxtrott oder Walzer problemlos aufrufen.

Nostalgisch darf es werden, erinnerungsschwer. Als die Morshäusers das Kellerlokal von einer alten Dame übernehmen, befinden sich auch die unweit gelegenen „Theaterstuben“ in ihrer Obhut. In Bad Homburg gibt es damals reichlich Abendunterhaltung, florieren „Tennisbar“ und „Rustica“, „Evergreen“ und „Monokel“. Konkurrenz, die belebend wirkt: „Wenn dort Schluss war, kamen die Leute zu uns.“ Von dem berühmten „Tiffany-Charme“ ist heute noch einiges vorhanden. Kaum verändert hat sich in all den Jahren die Einrichtung, überschaubar ist die Tanzfläche, großzügig der lange Tresen. Rund 120 Sitzplätze stehen dem Feierabendvolk zur Verfügung. Gewichen ist jedoch die rückwärtige Fensterfront. Sie wurde schon vor geraumer Zeit dem Wunsch nach Schallschutz und technischer Neuerung geopfert.

Mario Morshäuser, der mit Lebensgefährtin Anja Kitz die zweite „Tiffany“-Generation bildet, hat aufgerüstet. Ein zeitgemäßes Sound- und Licht-System ist notwendiger Bestandteil jener Wochenendtermine, ohne die das Tanzlokal nicht bestehen könnte. Wenn freitags und samstags die Mitternachtsstunde anbricht, vollziehen sich Generationen- und Musikwechsel. Aus Tanzfläche wird Dancefloor, Black Beats ertönen, Lokal mutiert zu House. Bis in die frühen Morgenstunden dauert es an.

Das Programm der Louisenstraße 101 – die hauseigene Website gibt dazu Auskunft – spiegelt den bislang geglückten Spagat. Während am Ende der Woche die Jugend nach ihrem Gusto glücklich wird, gehorchen die restlichen Abende einem anderen Takt. Mit einem „kostenlosen Tanzkurs“ wird mittwochs aufs Parkett gebracht, wer sich infolge fehlender Grundkenntnisse tänzerisch nicht traut. Dann ist es tatsächlich nicht mehr weit bis zum Discofox-Fieber anderntags.

In Kooperation mit dem Vermieter soll bald renoviert werden. „Wir wollen die Tanzfläche vergrößern und die Sitzecken neu anordnen.“ Einen Stilbruch wird es nicht geben. Als Homburger sind die „Tiffany“-Betreiber ihrer Geschichte verpflichtet. Uriger sei es früher zugegangen, gemütlicher.

Vor der Gesundheitsreform. Als die Kurenden nach Abwechslung suchten, das Tanzbein noch beweglich war. „Da ging es bei uns manchmal wie auf einer Klassenfahrt zu“, sagt Margit Morshäuser. Hemmungsloses Flirten mit anschließendem „Ab-aufs-Zimmer“ inklusive. Eine pulsierende Szenerie, deren Wiederkehr erwünscht ist. Zumindest an den frühen Samstagabenden, bevor die Jugend das Kommando übernimmt. „Da ist es oft allzu ruhig hier.“ Obwohl Party-Schlager gespielt werden und der Tanzboden genügend Raum bietet.

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