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"Das Ding gehört geschlossen"

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In Containern neben einem Steinbruch bringt die Stadt Friedrichsdorf  obdachlos gewordene Bürger unter.
In Containern neben einem Steinbruch bringt die Stadt Friedrichsdorf obdachlos gewordene Bürger unter. © Schick/FR

In Containern neben einem Steinbruch bringt die Stadt Friedrichsdorf ihre obdachlos gewordenen Bürger unter. Zurzeit leben zehn Erwachsene im Wald - einige schon seit neun Jahren. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

In Containern neben einem Steinbruch bringt die Stadt Friedrichsdorf ihre obdachlos gewordenen Bürger unter. Zurzeit leben zehn Erwachsene im Wald - einige schon seit neun Jahren. Nebenan werden Lastwagen betankt. Geratter und Staub aus dem Steinbrecher legen sich über die Siedlung zwischen den jeweils mehrere Kilometer entfernten Orten Köppern und Wehrheim.

Hier lebte und starb der 25-jährige Martin L., der im vorigen April von drei Mitgliedern seiner eigenen Clique zu Tode geprügelt wurde. Die jungen Leute seien verträglich gewesen, sagt ein älterer Bewohner der Obdachlosensiedlung. Wenn sie nicht gerade betrunken oder zugedröhnt waren. "Mir tun die Kinder leid. Die Stadt hat sich nicht um sie gekümmert."

Dafür die Polizei. Etwa 40 Mal habe er wegen der Schlägereien und lauten Saufgelagen der "Teufelsbrut" die Beamten gerufen, erzählt ein Nachbar des getöteten Markus am Donnerstag bei einem von der örtlichen SPD organisierten Diskussionsabend.

Dass obdachlose Jugendliche ohne Betreuung kriminell werden, liegt nach Ansicht des früheren Bad Homburger Sozialdienst-Leiters Gerhard Herbert im System. Die Hartz-IV-Regeln besagten, dass unter 25-Jährige keine Mietbeihilfe vom Sozialamt bekommen, wenn sie aus der elterlichen Wohnung fliegen. Da landeten sie leicht im Notquartier für Obdachlose.

"Das Ding gehört geschlossen", fordert Lutz Kunze vom Arbeitskreis Asyl im Blick auf die Containersiedlung. Die Stadt müsse ihren obdachlosen Bürgern richtige Wohnungen bereitstellen, meint auch Markus Krüger von der Ökumenischen Wohnhilfe Taunus.

Doch daraus wird nichts. Die Stadt könne die Siedlung nicht ohne weiteres auflösen, sagt Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) zur FR. Sie werde als Übergangslösung für Notfälle gebraucht. Leider blieben dort Menschen hängen, die alle Hilfsangebote der Stadt ablehnten.

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