Jugendliche sollen Probleme nicht mit sich selbst ausmachen müssen. Die App "Between The Lines" soll helfen. DPA
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Jugendliche sollen Probleme nicht mit sich selbst ausmachen müssen. Die App "Between The Lines" soll helfen. DPA

Digitale helfende Hand

HOCHTAUNUS Mit der App "Between The Lines" finden Jugendliche schnell und sicher Unterstützung

Manchmal ist einfach alles doof. Die Phasen hat jeder, unabhängig vom Alter. Doch wenn die Phasen länger dauern und intensiver werden, kann das der Beginn einer Abwärtsspirale sein. Sich der Situation zu stellen, etwas zu ändern oder sich gar zu überwinden, Hilfe zu suchen und anzunehmen, ist jedoch nicht leicht, vor allem für Jugendliche.

Helfen kann die App "Between The Lines", die vor zwei Jahren für den Hochtaunuskreis an den Start ging und sich mit einer neuen Version präsentiert. Jugendliche können dort, nach Themenfeldern sortiert, Kontakt zu örtlichen Vereinen, Trägern der Jugendhilfe und staatlichen Institutionen finden, die weiterhelfen können. Wer lieber anonym bleiben möchte, bekommt den Weg zu überörtlichen Anlaufstellen und Telefon-Hotlines gewiesen. Das Spektrum der Themenfelder reicht von "Toxische Freundschaft" und "Finanzielle Probleme" über "Probleme in der Schule" und "Mobbing", bis hin zu "Schwangerschaft", "Depression" und "Akute Not".

Flyer-Aktion

und Plakate

100 Jugendliche nutzen das Angebot derzeit pro Monat im Kreis, erklärte Mitgründer und Geschäftsführer Beat Weichsler jetzt bei einem Pressetermin im Landratsamt. "Unser Kind ist groß geworden", erläuterte Sozialdezernentin Katrin Hechler (SPD). Die App habe zwar in der Corona-Zeit schon sehr geholfen, nun gelte es, sie bekannter zu machen. Dazu wurden an den Schulen im Kreis bereits 12 200 Flyer verteilt, es gibt Plakataktionen und auch in den sozialen Netzwerken soll "Between The Lines" vorgestellt werden. Gestern Nachmittag trommelte die Kreisverwaltung bei einem Treffen der freien Träger der Jugendhilfe dafür, die Angebote einzupflegen. "Wir haben ein solides Netzwerk aus Jugendpflege, freien Trägern und Vereinen", betonte die stellvertretende Fachbereichsleiterin Kinder und Jugend beim Kreis, Kristina Preisendörfer. "Jetzt gilt es, dieses Netzwerk in die digitale Welt zu bringen." Und da sind diejenigen gefragt, die die Angebote machen. Sie können ihre Inhalte selbst einpflegen - fast. "Zunächst wird überprüft, ob es seriöse Anbieter sind, also ob es sich um anerkannte Träger der freien Jugendhilfe handelt", erläutert Weichsler, der aus Bad Homburg stammt. "Anschließend gibt's einen Zugang, wobei wir uns die Texte anschauen und freigeben. Das gilt auch für größere Änderungen."

Um die Träger ins Boot zu holen, seien anfangs viele Telefonate nötig gewesen, "alles habe viel Überzeugungsarbeit gekostet", gibt Weichsler zu. "Aber es hat schon geholfen, als das Logo des Jugendamts auf den Anschreiben auftauchte", sagt er, dankbar für die Zusammenarbeit mit dem Hochtaunuskreis.

Jugendgerecht soll die mit vielen Infos angefütterte App sein. Denn klar ist: Der Zugang soll so niederschwellig wie möglich sein. Lokale, kostenlose Hilfsangebote im Internet zu finden sei oft genug aufwendig und frustrierend. Hinzu komme, wie Hechler anmerkt: "Wenn es einem jungen Menschen schlecht geht, verkriecht er sich eher." Die App stelle "einen geschützten Raum dar, in dem sich Betroffene informieren können, ohne sich exponieren zu müssen", lobt Preisendörfer. Denn manchmal sei selbst der Griff zum Telefonhörer, um ein Hilfetelefon anzurufen schon zu viel. "Das ist dann schon wieder ein direkter Kontakt, für den ich aus meiner Komfortzone raus muss."

Die Vorgaben zum Datenschutz würden eingehalten, "alle Server stehen in Frankfurt", unterstreicht Weichsler, der hinzufügt, dass die App vor allem Jugendlichen helfen könne, die kein starkes soziales Umfeld hätten. "Between The Lines" findet sich in den App-Stores von Google und Apple, Infos gibt's zudem auf www.between-the-lines.info. Dort gibt es auch den Zugang zur Browser-Version. Der Name, der sich sowohl mit "zwischen den Zeilen lesen" als auch mit "zwischen den Fronten" übersetzen lässt, ist ganz bewusst gewählt, verrät Weichsler. "Zwischen den Linien spielt darauf an, dass es nicht immer der gerade Weg ist, auf dem man sich durchs Leben bewegt." Zudem habe man einen stigmatisierenden Namen vermeiden wollen.

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