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Denkfabrik für Techniktalente

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Von: Detlef Sundermann

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Anlagenbau mit Legosteinen - Die Oberurseler Firma Outotec öffnet ihre Räume bei einem Tag der offenen Tür. Von Detlef Sundermann

An einem Tag wurde am Samstag in der Ludwig-Erhardt-Straße 21 eine komplette Industrieanlage zum Schmelzen von Erzen aufgebaut - mit Steinen aus einem Spielzeugbaukasten. "Wir sind eine Denkfabrik. Unsere Arbeit ist in der öffentlichen Darstellung etwas schwierig zu zeigen", erklärt Hans-Georg Thielepape, Hauptabteilungsleiter bei Outotec, die ungewöhnliche Unternehmenspräsentation zum Tag der Hessischen Industrie. Schwefelsäureanlagen, Fabriken zur Pelletierung von Eisenerzen oder Module für Aluminiumhütten zählen zum Schwerpunkt der deutschen Outotec-Tochter, deren Mutter in Finnland ihren Sitz hat.

70 Prozent sind Ingenieure

In Oberursel arbeiten mehr als 300 Menschen im Anlagenbau. "Knapp 70 Prozent der Mitarbeiter sind Ingenieure", sagt Personalchef Michael Bock. Wer für die Outotec arbeitet, müsse reisefreudig sein. In Oberursel werden die Anlagen für Auftraggeber von China bis Venezuela konstruiert. Junge Ingenieurtalente können schnell Karriere machen. "Bei uns können die Leute bereits nach fünf, sechs Jahren eigenständig Projekte leiten, die ein Investitionsvolumen von bis zu 15 Millionen Euro haben", sagt Bock.

"Wer bei Outotec ist, hat einen sicheren Arbeitsplatz bis zu seiner Rente", sagt der Personalleiter selbstbewusst. Die Zeit bis dahin verbringen etwa Konstrukteure in der Regel nicht in einer Abteilung. Interdisziplinäres Arbeiten sei gefordert. Durchlässigkeit im Unternehmen ergibt auch Chancen für die Beschäftigten. "Wer als Technischer Zeichner bei Outotec eine Ausbildung beginnt, hat die Möglichkeit, über die Technikerschule oder Berufsakademie einen Ingenieurabschluss zu erreichen", sagt Bock.

Bei Outotec weiß man um die Notwendigkeit, den Techniker- und Ingenieurnachwuchs intensiv zu fördern. Der Beruf stehe hierzulande ungeachtet seiner guten Perspektiven bei jungen Leuten nicht oben auf der Beliebtheitsskala. Hinzu komme, dass wer einen "Ing." als akademischen Titel besitze, eher die großen Namen wie Airbus oder Siemens bevorzuge, sagt Bock.

Bis zum Jahr 2000 arbeiteten auch die Oberurseler Anlagenbauer unter einem klangvollen Namen, Lurgi. Dann gab die Gesellschaft die Verkaufsabsichten der Abteilung Metallurgie bekannt. "In dieser Zeit hatten wir kein gutes Gefühl. Wir wussten noch nicht, wer uns übernimmt", sagt Hans-Georg Thielepape.

Der finnische Bergbau- und Stahlkonzern Outokumpu erwarb 2001 die Lurgi-Abteilung und die Metallurgie bei der Klöckner Humbold Deutz in Köln. Die beiden Zukäufe wurden mit dem eigenen Anlagenbau zur Outotec fusioniert und an die finnische Börse gebracht.

Outotec habe volle Auftragsbücher. "Wir erweitern den Standort Oberursel", sagt Thielepape. Doch die Wirtschaftskrise zeigt Spuren. "Es wird anspruchsvoller, an Projekte zu kommen." Vorne mitmischen will man deshalb beim Zukunftsmarkt - der Gewinnung von Rohöl aus Schiefer.

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