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Der Tag danach

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Von: Andrea Herzig

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Bei einem missglückten Abiturientenstreich mit einer Schaumkanone im hessischen Kronberg sind über 200 junge Menschen verletzt worden.
Bei einem missglückten Abiturientenstreich mit einer Schaumkanone im hessischen Kronberg sind über 200 junge Menschen verletzt worden. © dpa/Sven-Sebastian Sajak

Die Abiturienten der Kronberger Altkönigschule bedauern ihren misslungenen Abischerz. Etwa 200 Mitschüler waren nach einer Schaumparty in Krankenhäuser gebracht worden. Jetzt ermittelt die Polizei.

Die Abiturienten der Kronberger Altkönigschule bedauern ihren misslungenen Abischerz. Etwa 200 Mitschüler waren nach einer Schaumparty in Krankenhäuser gebracht worden. Jetzt ermittelt die Polizei.

Was für ein Tag. Stefan Engel klingt erschöpft. Wie ein Stein sei er ins Bett gefallen, sagt der Direktor der Altkönigschule in Kronberg. Der gestrige Tag habe seine eigene Dynamik entwickelt, die Lage war für den Schulleiter und sein 115-köpfiges Kollegium lange unübersichtlich. 400 Schüler klagten nach dem Abistreich mit der Schaumkanone über Beschwerden, etwa die Hälfte kam zur Kontrolle vorübergehend in Krankenhäuser.

Hunderte aufgeregter junger Menschen waren zu beruhigen, dazu besorgte Eltern. 300 Rettungskräfte waren vor Ort, die Schule belagert von 50 Krankenwagen. Engel selbst sah sich „geparkt“ am Wagen der Einsatzleitung, „falls noch mal ein Generalschlüssel fehlt“. Andere hatten das Kommando an seiner Schule übernommen.

Bedauern und Entsetzen

Am Tag danach sollte Besonnenheit einkehren – und der Alltag. Es gab normalen Unterricht, und am Nachmittag wurden Zeugnisse überreicht. Abschlusszeugnisse an die 140 Abiturienten, deren Abischerz so misslang. Noch am Donnerstagabend hatten die jungen Leute auf der Schul-Homepage Bedauern und Entsetzen über das ausgedrückt, was am Morgen passiert war.

Sie seien „zutiefst schockiert“, schrieben sie. Rettungskräfte hatten ihnen psychologische Betreuung angeboten, berichtet Engel. Er macht seinen Schülern keinen persönlichen Vorwurf, „da ist was entglitten“. „Ein vernünftiger Jahrgang“ seien diese Abiturienten gewesen.

Werden Abischerze nicht mit der Schulleitung abgesprochen? Engel lacht. Nun ja, die Schule versuche im Vorfeld, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen, sagt er. Tatsächlich gab es eine Absprache mit einer Schülerin aus dem Streichkomitee, die dahingehend lautete, die Schaumkanone besser nicht, und wenn, dann nur im Gebäude-Bereich der Oberstufenschüler abzufeuern. Nicht bei den Kleinen. Genau diese Abiturientin fehlte aber am Tag des Abistreichs nach einer OP. „Es war auch eine Kommunikationspanne“, sagt Engel.

Die Kanone stand dann genau dort, wo sich die jüngeren Schüler aufhielten. Die „fanden das klasse“, berichtet der Schulleiter, sie warfen sich in den Schaum. Bis die Ersten über Beschwerden klagten.

In der Rückschau, so der Schulleiter, könne es wohl sein, dass viele „betroffen waren und sich weitere betroffen fühlten“. Aber so sei das mit Kindern und Teenies, und er sei froh, dass alle mit ihren Beschwerden von den Rettungskräften ernst genommen worden seien.

Es gab keine Panik, ist Engel dankbar, alle hätten sich rührend gekümmert. Auf dem Sportplatz, wo sich die nicht betroffenen Schüler sammelten, lieferte der Taunus-Menü-Service Brötchen und Süßigkeiten, die Feuerwehr schleppte 20 Wasserkisten heran. Und die Lehrer zählten erst einmal ihre Klassen durch.

Schaumkanone liegt im LKA

Drei Abiturienten tragen schwerer als die übrigen an dem verunglückten Scherz. Die Polizei hat sie vernommen, der Vorwurf lautet auf fahrlässige Körperverletzung. Theoretisch kann so etwas in einer Vorstrafe enden, sagt Siegfried Schlott, der Polizeisprecher in Bad Homburg. Die drei sind volljährig.

Aber auch er vermutet „keine Absicht“ und „dass da nicht viel passiert“ mit den drei Abiturienten, deren Schulzeit gestern offiziell endete. Schaumkanone und -mittel sind bereits beim LKA in Wiesbaden. Wenn die Polizei den Aktendeckel zuklappt, kommt die Sache zur Staatsanwaltschaft. Erst dort, so Schlott, entscheide sich, ob Anklage erhoben wird. Vielleicht war das Mischungsverhältnis in der Kanone falsch, mutmaßt Schlott. Auch das untersucht jetzt das LKA.

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