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Auf vielen Frankfurter Hochhäusern waren die Dachdecker der Löw AG im Einsatz, etwa dem Commerzbank-Turm.

Bad Homburg

Die Dachdecker von Frankfurts Skyline

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Die Willy A. Löw AG ist seit 100 Jahren in der Rhein-Main-Region aktiv. Zum Jubiläum übernimmt nun die fünfte Generation die Geschäfte.

Der Silberturm der Dresdner Bank war 1976 der Anfang. Seitdem ist die Bad Homburger Firma Löw regelmäßig gefragt, wenn es gilt, Frankfurts Hochhäusern die Dächer aufzusetzen. Ob Scala, Taunus-Turm oder die Doppeltürme der Deutschen Bank – „etwa 80 Prozent der Skyline haben wir eingedeckt“, sagt Peter Löw selbstbewusst.

Eine besondere Herausforderung sei der Commerzbank- Tower gewesen, der mit seinen 259 Metern und 65 Stockwerken bis 2003 sogar das höchste Gebäude Europas war. Wobei es nicht nur um die schiere Größe gegangen sei. Speziell die neun begrünten Dachgärten hätten den Auftrag zu einer der kniffligsten, aber auch reizvollsten Aufgaben gemacht, die das Dachdeckerunternehmen in den 100 Jahren seiner Geschichte zu bewältigen hatte, schildert Löw.

Der 67-Jährige ist seit wenigen Tagen aus der Geschäftsführung des Unternehmens ausgeschieden – pünktlich zum runden Jubiläum. Gegründet hatte die Firma sein Urgroßvater, der wie er den Vornamen Peter trug, am 7. September 1919. Gemeinsam mit seinen Söhnen Wilhelm und Heinrich eröffnete er in der Wallstraße das „Peter Löw und Söhne Bedachungsgeschäft“. Das funktionierte so gut, dass sie schon bald eine Niederlassung in Frankfurt gründeten und auch in Bad Homburg kräftig expandierten. Mitte der 20er Jahre beschäftigten Vater und Söhne Löw bereits rund 60 Dachdecker.

Heute sind für das Unternehmen, das nach mehreren Namensänderungen Willy A. Löw AG heißt, 200 Mitarbeiter tätig. Um sie sei es auch in erster Linie gegangen, als man die Firma 2001 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt habe, sagt Peter Löw. Nicht der Gang an die Börse, sondern eine möglichst einfache Methode, die Mitarbeiter am Unternehmenskapital zu beteiligen, sei das Ziel gewesen. Inzwischen befänden sich zehn Prozent der Firma im Eigentum der Beschäftigten, sagt er.

Über die Höhe des Umsatzes möchten die Verantwortlichen dagegen nicht so gerne reden. Nur so viel: Es laufe gut, versichern Martin Bendrick und Matthias Schmidt. Beide sind bereits vor vier Jahren in die Geschäftsführung des Unternehmens eingetreten und leiten es nun nach dem Ausscheiden von Peter Löw als Duo weiter. Wobei Bendrick als Neffe von Löw darüber hinaus dafür sorgt, dass die Familientradition gewahrt bleibt.

In der Willy A. Löw AG müssen auch die Führungskräfte ein Handwerk gelernt haben. „Das Geld wird auf der Baustelle verdient“, sagt Dachdecker- und Klempnermeister Martin Bendrick. Auch sie als Geschäftsführer seien gefordert, den Mitarbeitern klare Anweisungen für die praktische Arbeit zu geben. „Wir haben eine Vorbildfunktion.“ Der studierte Wirtschaftsingenieur Schmidt holte deshalb, nachdem er 1994 in das Unternehmen eingetreten war, noch den Klempnermeister nach.

Am 7. September 1919 gründet Peter Löw mit seinen Söhnen Wilhelm und Heinrich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit dem Namen „Peter Löw und Söhne Bedachungsgesellschaft“. 

1924 zieht das Unternehmen von der Wallstraße in die Dorotheenstraße. In Frankfurt entsteht eine Niederlassung.

1932 teilen die beiden Brüder in Folge der Krisenjahre die Firma in zwei wirtschaftlich unabhängige Unternehmen auf. Wilhelm und dessen jüngerer Bruder Albert führen das Stammunternehmen weiter. Die Firma Heinrich Löw zieht in den 70er Jahren nach Friedrichsdorf, wo sie bis heute existiert.

In den 50er Jahren übernimmt Willy Löw mit seinem Bruder Gerhard die Leitung des Unternehmens. Es gelingt ihnen, wichtige Auftraggeber wie die Metallwerke in Frankfurt und die Unternehmerfamilie Quandt zu gewinnen.

1973 zieht die Firma in die Siemensstraße und wird in Willy A. Löw KG umbenannt. Peter Löw übernimmt nach und nach Verantwortung in dem Unternehmen.

2009 wird die heutige Firmenzentrale in der Benzstraße eröffnet. (twe)

Was den Aktionsradius angeht, beschränkt sich das Unternehmen weitgehend auf das Rhein-Main-Gebiet. Man sei zwar auch schon in Leipzig, Berlin oder Freiburg aktiv gewesen, Aufträge aus der Region machten aber 80 bis 90 Prozent des Geschäfts aus, sagt Bendrick.

Dabei geht es nicht nur um futuristische Wolkenkratzer. Wenn es um die Dächer historischer Gebäude geht, hat die Firma ebenfalls einiges vorzuweisen. In Bad Homburg war das Unternehmen an der Sanierung des Bahnhofsgebäudes ebenso beteiligt wie an der Russischen Kapelle und der Orangerie im Kurpark. Und auch in Frankfurt hat das Unternehmen nicht nur in der Hochhauszeile seine Spuren hinterlassen, sondern sich gleichermaßen um die Alte Oper oder den Umbau des IG-Farben-Hauses gekümmert.

Besonders stolz sind die Verantwortlichen auf zwei Projekte, für die sie in den vergangenen Jahren Preise erhalten haben. 2018 wurden sie für die Abdichtung des Krönungswegs in der neuen Frankfurter Altstadt ausgezeichnet. Und bereits ein Jahr zuvor erhielten sie für ihre Arbeit an der Westend-Synagoge den renommierten Sanierungspreis.

Martin Bendrick (Dachdecker- und Klempnermeister), Peter Löw (Dachdeckermeister), Matthias Schmidt (Dipl.-Ing. Klempnermeister), (v.l.)

Die betonierte Kuppel der Synagoge sei wegen ihrer unterschiedlichen Radien und Sparrenlängen eine besondere Herausforderung gewesen, erklärt Martin Bendrick. Um die nötige Anzahl und Länge der Ziegel zu ermitteln, habe man die Kuppel per 3-D-Verfahren vermessen.

Auch als 100 Jahre alter Handwerksbetrieb müsse man sich technisch auf dem neuesten Stand halten, sagt Bendrick. Dabei gehe es zunehmend um die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. „Vielleicht haben wir irgendwann den ersten Roboter auf dem Dach.“

Noch ist es aber nicht so weit. „Im Handwerk entstehen immer Unikate“, betont Matthias Schmidt. Eine Standardisierung sei da nicht so leicht möglich. Zumal die Willy A. Löw AG eine große Vielfalt an Aufträgen übernimmt. Dabei gehe es nicht immer nur um spektakuläre Vorhaben, betont Martin Bendrick. „Wir decken auch ein ganz normales Einfamilienhaus ein.“ Und selbst ein kleines Loch in der Dachrinne werde gestopft.

Um das auch in Zukunft tun zu können, bildet die Firma derzeit zehn junge Leute aus. Es sei allerdings nicht leicht, geeignete Kandidaten zu finden, räumt Matthias Schmidt ein. Dabei biete das Handwerk viele Chancen, sich beruflich zu entwickeln. 2000 wurde die Löw AG für ihre Bemühungen um neue Mitarbeiter mit dem „Ausbildungs-Oscar“ ausgezeichnet. Damals hatte man Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern mit Wohnungen und Paten unter die Arme gegriffen. Viele seien heute noch im Unternehmen, sagt Peter Löw.

Zum Jubiläum hat sich die Firma ein besonderes Geschenk ausgedacht, um ihre besondere Beziehung zu Frankfurt deutlich zu machen: Dem niedergebrannten Goethe-Turm werde man kostenlos ein neues Dach aufsetzen, kündigt Peter Löw an.

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