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Container-Dorf wird aufgelöst

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Die Notunterkünfte für Obdachloseverschwinden.
Die Notunterkünfte für Obdachloseverschwinden. © Hoyer

Fast zwei Jahre nach dem brutalen Mord an einem Obdachlosen verlassen endlich die letzten Bewohner die Notunterkunft der Stadt Friedrichsorf mitten im Wald.

Von Anton J. Seib

Die umstrittene Containersiedlung für Obdachlose im Taunus Quarzit Werk wird aufgelöst. Bis Ende Januar sollen die drei verbliebenen Bewohner in neue Unterkünfte in Friedrichsdorf umgesiedelt werden. Das kündigte Ordnungsamtsleiter Manfred Sommer an. Das Container-Dorf hatte nach dem Mord an einem Obdachlosen im April 2009 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Ursprünglich sollten die drei verbliebenen Männer bereits vor Weihnachten umziehen. Doch die starken Schneefälle und mangelnde Kooperation der Bewohner hatten das Vorhaben zunächst scheitern lassen. Zwei Obdachlose werfen ihrem Mitbewohner vor, psychisch gestört und äußerst aggressiv zu sein. Mit ihm wollen sie nicht weiter zusammenleben. „Ich war vergangene Woche draußen und habe das geklärt. Die beiden Männer beziehen eine renovierte städtische Wohnung in Friedrichsdorf, der dritte zieht in eine andere Unterkunft in der Innenstadt“, sagt Manfred Sommer. Geplant ist die Aktion für Ende Januar, „wenn das Wetter mitspielt“, so der Ordnungsamtsleiter. Sobald die Männer umgesiedelt seien, würden die Container abgebaut.

Langfristig will die Stadt auch die Obdachlosenwohnungen in den festen Gebäuden im Steinbruch aufgeben. Dort leben derzeit noch sechs Personen. „Auch für sie suchen wir Wohnungen in der Stadt“, sagt Sommer. Sie sollen dezentral untergebracht werden. Wann sie umziehen, steht allerdings in den Sternen. Denn derzeit ist keine städtische Wohnung frei. Die Unterkünfte im Quarzit Werk hat die Stadt für besonders schwere Fälle reserviert, etwa wenn Alkoholkranke nach Rückfällen das Köpperner Waldkrankenhaus verlassen müssen.

Mord im April 2009

Die Bewohner waren in der Unterkunft weit draußen im Wald überwiegend sich selbst überlassen. Ständig musste die Polizei dort Streit schlichten, Schlägereien waren an der Tagesordnung. Am 15. April 2009 eskalierte die Situation. Nach einem Saufgelage schlagen zwei 21-Jährige und ein 16-Jähriger den 25 Jahre alten Markus L. brutal zusammen. Der Mann stirbt, seine Leber und Milz sind zerrissen. Im Prozess gegen die Täter, die zu langen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, hatte der Staatsanwalt die Zustände im Container-Dorf kritisiert. Dort, so der Ankläger, sei ein rechtsfreier Raum gewesen, das habe der Bluttat Vorschub geleistet.

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