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Das Programm am Homburger Kino-Eingang.
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Das Programm am Homburger Kino-Eingang.

Kino in Bad Homburg

Cineasten im Badeanzug

In Bad Homburg gibt es viele gute Kulturangebote. Doch diese Spielstätte ist einzigartig. Das Kaskade-/Pandakino in der Taunustherme ist das einzige ortsansässige Kino mit lediglich 190 Sitzplätzen in zwei Sälen.

Von Rolf Severing

Das Kurtheater ist eines der größten Gastspieltheater in Deutschland und die Spielbank empfängt Gäste mit einer Lounge und zahlreichen Programmangeboten. Doch Cineasten kommen in Bad Homburg weniger auf ihre Kosten. Das Kaskade-/Pandakino in der Taunustherme ist das einzige ortsansässige Kino mit lediglich 190 Sitzplätzen in zwei Sälen. Die Hoffnung der Filmfreunde ruht daher auf einem möglichen „Move & Groove-Center“ in Bahnhofsnähe. Dort könnte auch ein moderner Filmpalast entstehen.

Besuchern des Kaskade-/Pandakinos fällt zunächst eines auf: der Geruch von Chlor. Er hängt schwer in der Luft beim Gang in das Untergeschoss der Taunustherme. Kleine Plastikschilder an den vergilbten Wänden weisen den Besuchern den Weg zur Kinokasse. Doch wer zu früh kommt, steht vor einer verschlossenen Stahltür. „Öffnung zehn Minuten vor Filmbeginn“, ist dem Pappschild zu entnehmen.

Nur 13.000 Gäste pro Jahr

Im Kino angelangt, schlägt dem Besucher eine Atmosphäre wie in den Partykellern der Achtzigerjahre entgegen. Ein kleiner Tresen in der Mitte des Raumes und viele Getränke in den Wandregalen. Nicht besonders gemütlich, auch nicht modern.

„Mit den großen Kinos in Frankfurt können und wollen wir gar nicht konkurrieren“, sagt Klaus Lehnert (50) aus Oberursel. Seit über 19 Jahren führt er in den Sälen „Kaskade“ und „Panda“ die Filme vor und kassiert Eintritt. „Wir zeigen öfter mal Historienfilme, die kommen gerade beim älteren Publikum gut an.“

„Das Konzert“ heißt der Film, der an diesem Nachmittag im „Kaskade“ zu sehen war. Eine Truppe russischer Musiker trauert den alten Sowjetzeiten hinterher, in denen sie selbst noch im ausverkauften Bolschoi-Theater auftraten. Der Kinosaal ist fast leer. Nur zwei lustig gestimmte Damen haben den Weg von der Straße in die Vorstellung gefunden. Die restlichen vier Besucher sind Badegäste der Taunustherme, die mit ihrer Eintrittskarte dem Filmvergnügen in Badekleidung frönen können. Sie sitzen hinter einem großen Schaufenster, das sie abschottet von den restlichen Kinogängern.

Diese nehmen auf verschlissenen türkisfarbenen Polstersitzen Platz, die allerdings immer noch erstaunlich bequem sind. Die Lüftungsanlage rauscht an der Decke und eine kleine Lichterkette erhellt die Getränkeablage. Zusammen mit dem ebenfalls türkisfarbenen Stoffimitat an der Wand ergibt sich der Eindruck einer Zeitreise in längst vergangene Tage.

Doch immer weniger Cineasten machen sie mit. „Wir haben schon seit Jahren rückläufige Besucherzahlen. Als ich das Kino 1991 übernommen habe, hatten wir noch 80.000 Gäste in den Kinos Kaskade und Panda. Letztes Jahr waren es nur noch etwa 13.000 Besucher“, sagt Ulrich Aurass (60), Betreiber des Bad Homburger Kinos. Die großen Filmpaläste, wie zum Beispiel das Kinopolis in Frankfurt, hätten die Kinokultur in Deutschland zunichte gemacht. „Die Leute legen völlig überzogene Maßstäbe an. Denen können wir in Bad Homburg nicht mehr genug bieten“, so Aurass weiter.

Das Urteil der Kinobesucher über das Bad Homburger Kino bestätigt die Befürchtungen des Betreibers. „Ich fahr immer ins Kinopolis nach Frankfurt. Das Kino in der Therme ist einfach zu klein.“, sagt Vanessa (25) aus Bad Homburg. So sieht das auch eine ältere Dame aus Frankfurt: „Hier schaue ich mir nur einen Film an, wenn ich eine Tageskarte habe. Sonst geht man in Bad Homburg doch nicht ins Kino!“

Das könnte sich in Zukunft vielleicht ändern. Die Jungen Union Bad Homburg warb für sich in den Kommunalwahlen unter anderem mit dem Slogan „Film ab für Bad Homburg – neues Kino für unsere Stadt.“ Dazu verteilten die Jungpolitiker Popcorn an Passanten.

Überlegungen zu einem möglichen Bad Homburger Filmtheater existieren schon länger. So ist an der Stelle der jetzigen Post neben dem Bahnhof ein neues Freizeitzentrum für Jugendliche geplant. Unter dem Namen „Move&Groove-Center“ könnte es Besucher auch mit einem modernen Kino anlocken. Die Planungen dafür befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium.

Kassierer Klaus Lehnert sitzt vor seiner alten Geldkassette und blickt der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ein neues Kino war doch schon so oft im Gespräch. Das muss sich aber erst mal rechnen“, gibt er zu bedenken. Doch dann fügt er hinzu: „Unsere Zeit ist hier glaube ich trotzdem langsam vorbei.“

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